Keine wirklich klare Antwort

Corona-Impfung: Was tun, wenn der eigene Hausarzt nicht impft?

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Die Patienten ohne Hausarzt sind im Wartestand.

Corona-Impfungen sind mit dem Präparat von Astrazeneca seit Donnerstag für alle möglich, wenn sich Impfwillige mit ihrem Arzt dafür entscheiden. So weit, so gut. Doch was ist, wenn der eigene Hausarzt gar nicht impft? Eine wirklich klare Antwort gibt es in Lüdenscheid dazu nicht.

Lüdenscheid – In Absprache mit dem Hausarzt solle ein anderer Hausarzt gefunden werden, der den Patienten impft, erklärt Dr. Martin Junker, Bezirksstellenleiter Lüdenscheid der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL). Eine klare Regelung oder Maßnahme gebe es aber nicht. Denn derzeit sei noch gar nicht genug Wirkstoff für die Hausärzte vorhanden. Deswegen hängen Patienten, die keinen Hausarzt haben beziehungsweise einen haben, der nicht impft, vorerst in der Luft.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Corona-Impfung: Unverständnis für nicht impfende Ärzte

Junker berichtet von einem „verschwindet geringem Anteil“ an Hausärzten im Bezirksstellenkreis, die nicht gegen Corona impfen. Diese Hausärzte, die nicht impfen, wurden trotzdem vonseiten der KVWL angehalten, möglichst viel Wirkstoff zu bestellen.

„Der Wirkstoff wird dann auf andere Praxen verteilt, sodass die Patienten von Hausärzten, die nicht impfen, von einer anderen Praxis aufgenommen werden können“, erläutert Junker, der nicht die Gefahr sieht, dass die Patienten dadurch auch den Hausarzt komplett wechseln möchten. „Dafür haben wir in unserem Gebiet eh zu wenig Praxen. Der Kuchen ist bereits verteilt.“ Aber vorerst gilt: Die eigenen Patienten werden bevorzugt behandelt.

Verständnis für die nicht impfwilligen Ärzte kann Junker nur zum Teil aufbringen. „Der bürokratische Aufwand ist sicherlich hoch, deswegen kann ich einige ältere Kollegen verstehen, die sich diese zusätzliche Arbeit nicht unbedingt antun wollen. Da habe ich auch das Gefühl, dass ein paar Hochbürokraten im Bund zusammensitzen und einen Haufen Sachen erlassen. Das ist wirklich eine große Behinderung in der Praxis.“

Corona-Impfung: Wunsch nach mehr Flexibilität

Manchem Kollege fehle eventuell auch der wirtschaftliche Anreiz, denn mehr als fünf oder sechs Euro bleiben bei einer Impfung nicht übrig, erläutert Junker. Dennoch sieht der Attendorner darin keinen Grund, die Impfungen in der Praxis nicht durchzuführen, denn: „Im vergangenen Jahr wurden ganz geräuschlos in zweieinhalb Monaten 20 Millionen Grippeimpfungen durchgeführt. Zudem sollte es doch unser aller Interesse sein, möglichst schnell alle Leute zu impfen.“

Für Kollegen, die sich generell gegen das Impfen aussprechen, hat Junker kein Verständnis. Und positioniert sich dementsprechend klar: „Wer als Arzt die Impfung ignoriert, handelt in meinen Augen fahrlässig.“

Zum Vergleich seien einige frei verfügbare Medikamente wesentlich gefährlicher. „Aber da liest sich kein Mensch den Beipackzettel durch.“ Was diesen Punkt angeht, geht Junker sogar noch weiter. „Ich habe mit einer Krankenschwester gesprochen, die zu mir sagte, dass sie ihre Kinder nicht impfen lassen wird. Solche Eltern betreiben in meinen Augen fahrlässige Körperverletzung gegen ihre eigenen Kinder.“

Ein großes Problem sieht Junker in den bürokratischen Hürden, die in Deutschland zu überwinden sind, um eine Impfung durchzuführen. „In Israel werden die Leute im Auto sitzend geimpft, und hier wird ein Staatsakt aus der ganzen Sache gemacht.“ In diesem Punkt wünsche sich Junker deutlich mehr Flexibilität.

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