Vor wenigen Wochen wäre das undenkbar gewesen

Corona: HNO-Praxis im MK muss Kurzarbeit anmelden - der Grund: Infektionsschutz

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Dr. Gudrun Benkhofer in ihrer Praxis.

Lüdenscheid – Dr. Gudrun Benkhofer kann es gar nicht so richtig fassen: „Das ist krass! Wir haben tatsächlich Kurzarbeit anmelden müssen.“ Kurzarbeit in einer bestens etablierten HNO-Praxis mitten in der Stadt – das wäre vor ein paar Wochen noch undenkbar gewesen.

Seit Corona ist gar nichts mehr undenkbar. Der Grund: „Wir haben die Auflage bekommen, aus Infektionsschutzgründen in (zwei) festen Teams zu arbeiten. Das heißt: Woche für Woche arbeitet nur jeweils eine Hälfte der Mannschaft, und die andere muss zuhause bleiben!“ 

Fünf Ärzte und 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Hals-, Nasen-, Ohrenzentrum an der Sauerfelder Straße 11 tätig. In Normalzeiten natürlich gleichzeitig. Aber jetzt ist eben nichts mehr normal. Das bedeutet auch, dass zur Sicherheit alle nicht zwingend notwendigen Routinebehandlungen verschoben werden. 

Niemand soll sich mit Covid-19 anstecken

Niemand soll sich in der Praxis mit Covid-19 anstecken – weder das Personal noch die Patienten. Der Alltag ist auch so schwierig genug. Gudrun Benkhofer arbeitet im Sprechzimmer zum Beispiel jetzt notgedrungen ohne Assistenz. Besonders ungünstig: Für 20 Mitarbeiter hat die Kassenärztliche Vereinigung gerade einmal sieben FFP2-Schutzmasken geliefert. 

Auf dem freien Markt sind sie zurzeit ohnehin nicht zu bekommen. Gudrun Benkhofer: „Das ist doch absurd. HNO-Ärzte haben neben den Zahnärzten den engsten Kontakt zum Gesicht des Patienten. Wie sollen wir denn ohne entsprechenden Schutz arbeiten?“ 

Gesonderte Sprechstunden für Infektionspatienten

Irgendwie aber muss es ja weitergehen. Also wird versucht, den Zutritt zur Praxis besser zu steuern. Es gibt nun beispielsweise gesonderte Sprechstunden für Infektionspatienten. Und auch wenn man im Team körperlich möglichst viel Abstand zueinander hält, rückt man innerlich zusammen. 

Benkhofer: „Unsere MTAs sind einfach klasse. Wir erleben zurzeit eine ganz besonders tolle Zusammenarbeit.“ Allerdings, so erzählt Gudrun Benkhofer, erlebt sie auch, wie unterschiedlich ihre Kollegen und Mitarbeiter reagieren: „Da ist von den absoluten Existenzängsten bis zum ‘Wird schon gut gehen’ wirklich alles vertreten.“ 

"Viele sagen ihre Termine nicht ab"

Ruhiger ist es in den weitläufigen Praxisräumen mittlerweile geworden. Deutlich weniger Patienten kommen. Das ist nur zum Teil so gewollt. Die Ärztin: „Viele sagen ihre Termine noch nicht einmal ab. Das ist ärgerlich für uns. Andererseits fragen andere Patienten, ob sie jetzt nicht schneller als sonst einen Termin bekommen können. Das klappt meistens.“ 

Die Praxis, das ist Gudrun Benkhofer klar, wird durch die Coronakrise wirtschaftliche Einbußen erleben. Sie ist sich aber auch sicher: „Wir werden das gemeinsam überstehen. Da geht es anderen Menschen doch viel schlechter als uns.“ 

"Dann hätte Corona wenigstens etwas Gutes gehabt“

Für sich selbst entdeckt die Medizinerin derweil Dinge, zu denen sie bisher keinen Zugang hatte. So hat sie jüngst erstmals eine Videokonferenz mit den weit verzweigt lebenden Mitgliedern der Familie Benkhofer genossen: „Auch die Neffen aus New York und aus Portugal waren dabei. Das war für mich eine großartige neue Erfahrung.“ 

Und wie sieht Dr. Gudrun Benkhofer die Zukunft? „Vielleicht lernen wir jetzt wieder, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Vielleicht erhalten wir uns den Gedanken der Solidarität, die zurzeit wirklich stärker spürbar ist in der Stadt. Dann hätte Corona wenigstens etwas Gutes gehabt.“

Lesen Sie mehr rund um die Entwicklung des Coronavirus im MK in unserem News-Ticker

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