Mitarbeiter im Klinikum Lüdenscheid

Nach Kontakt mit Infiziertem: Frau darf nicht einkaufen, muss aber zur Arbeit

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Paula M. arbeitet im Klinikum Lüdenscheid. 

Lüdenscheid – Paula M. (Name geändert) versteht die Welt nicht mehr. Weil sie Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte und als Verdachtsfall geführt wird, steht sie unter strenger häuslicher Quarantäne.

Eine entsprechende Ordnungsverfügung hat ihr das Kreisgesundheitsamt zukommen lassen. Verstößt sie gegen die Auflagen, droht ein Bußgeld. Bis zum 28. April darf sie das Haus nicht verlassen. Sie darf nicht einkaufen oder gar spazieren gehen. Aber sie muss (!) zur Arbeit. 

Paula M. arbeitet im Klinikum Lüdenscheid, auf der kardiologischen Station. Dort werden häufig Patienten behandelt, die zur Risikogruppe gehören und vor einer Corona-Infektion besonders geschützt werden müssen. Paula M. gehört nicht zum medizinischen Personal, dennoch hat sie täglich direkten Kontakt mit den Patienten. 

Paula M. hatte Kontakt zu einem Infizierten - jetzt muss sie in häusliche Quarantäne

Rund 20 weitere Mitarbeiter auf der Station gelten ebenfalls als Corona-Verdachtsfälle, weil sie Kontakt zu dem Infizierten hatten. Auch sie stehen unter häuslicher Quarantäne, müssen aber ihren Dienst im Krankenhaus wahrnehmen. So will es der Arbeitgeber. 

Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist keiner, macht Klinikum-Sprecherin Corinna Schleifenbaum auf Anfrage deutlich. Denn das Klinikum halte sich in diesem Fall streng an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts für das Personal kritischer Infrastrukturen. Das Gesundheitswesen gehört dazu. 

Demnach sollen im Gesundheitssektor eingesetzte Mitarbeiter auch dann noch weiterarbeiten, wenn sie als Corona-Verdachtsfall gelten, aber keine Symptome zeigen. Damit will man Personalengpässen und damit letztlich dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems vorbeugen. Lediglich an die Schutzmaßnahmen – permanentes Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und Mindestabstand – müssen sie sich dabei strikt halten. 

Strenge Corona-Vorgaben: Mitarbeiter dürfen Haus nur für die Arbeit verlassen

„Das Vorgehen ist korrekt. Betroffene Kontaktpersonen erhalten mit der Ordnungsverfügung eine Ausnahmegenehmigung zum Arbeiten“, sagt Volker Schmidt, zuständiger Fachbereichsleiter beim Märkischen Kreis. Den Bedarf muss der Arbeitgeber anmelden. 

Die Vorgaben für die Verdachtsfälle sind streng. Demnach müssen sie allein mit dem Auto zur Arbeit fahren. Sie dürfen niemanden mitnehmen, nicht einkaufen und auch nicht – was schon vorgekommen ist – den Bus benutzen. Nach der Arbeit geht es dann laut Vorschrift ohne Umweg direkt nach Hause. 

Während der 14-tägigen Quarantäne werden die Kontaktpersonen, die Jobs im Gesundheitswesen haben, etwa alle drei Tage getestet. Erst beim Auftreten von Symptomen oder einem positiven Test dürfen sie nicht mehr zur Arbeit kommen. Das allerdings ist bislang nicht aufgetreten, versichert Klinikum-Sprecherin Corinna Schleifenbaum. 

Rund 20 Mitarbeiter im Klinikum hatten Kontakt zum Infizierten und gelten als Verdachtsfall

Kontakt zu dem Infizierten hatten die 20 Angestellten laut Klinik bereits Anfang April. Damals wurde ein Patient mit einem kardiologischen Problem im Herzkatheter-Labor behandelt. Nach zwei Tagen durfte der Mann wieder nach Hause. Weitere drei Tage später wurde er erneut in der Klinik vorstellig, diesmal mit deutlichen Symptomen von Covid-19. Ein Test bestätigte den Verdacht. 

Der Patient kam sofort auf die Isolierstation. Aufgrund der langen Inkubationszeit von Covid-19 war nicht auszuschließen, dass der Patient schon bei seinem ersten Aufenthalt im Herzkatheter-Labor infektiös war. Daher ermittelte das Krankenhaus alle Mitarbeiter, die mit ihm Kontakt hatten, und meldeten sie ans Gesundheitsamt. Der durchgeführte Corona-Test war in allen Fällen negativ.

Alle Neuigkeiten zur Corona-Krise im Märkischen Kreis gibt es in unserem News-Ticker.

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