Probleme bei der Kontaktnachverfolgung

Gesundheitsamts-Chef: „Unter den Infizierten im MK sind viele mit Migrationshintergrund“

Die Stadt Lüdenscheid macht es vor: Die Maskenpflicht-Schilder informieren in verschiedenen Sprachen.
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Die Stadt Lüdenscheid macht es vor: Die Maskenpflicht-Schilder informieren in verschiedenen Sprachen.

Die Zahl der Neuinfektionen geht leicht zurück, bleibt aber auf hohem Niveau. Jan Schmitz sprach mit Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziales beim Märkischen Kreis, über die aktuelle Corona-Lage.

Es scheint, als wäre auch im Märkischen Kreis der exponentielle Anstieg bei den Neuinfektionen gestoppt. Ein echter Hoffnungsschimmer?

Volker Schmidt: Wir haben ein Plateau erreicht. Die Fallzahlen sind bei uns relativ kontant, das heißt aber – für uns das Entscheidende – nicht, dass wir weniger Arbeit haben. Rund 100 Neuinfektionen am Tag sind noch deutlich über dem Maß, was wir bewältigen können.

Wie viele Tage liegen Sie zurück?

Schmidt: Drei Tage – so lange dauert es derzeit, bis wir die Infizierten kontaktieren. Wir reden da noch nicht von Kontaktpersonen, die unter Quarantäne gestellt werden. Da sind wir noch weiter hinterher. Das ist derzeit Standard bei allen Unteren Gesundheitsbehörden. Die Situation ist überall gleich oder sogar noch schwieriger.

Als Laie stellt man sich Kontaktnachverfolgung so vor, dass auch recherchiert wird, wo sich die Betroffenen angesteckt haben. Wird so etwas überhaupt noch gemacht?

Schmidt: Die Frage nach den sogenannten Quell-Fällen zu klären, ist derzeit gar nicht leistbar. Es ist aber auch sehr schwer, weil wir ganz viele unterschiedliche Infektionsanlässe haben. Das sind ja vielfach kleine Familienfeiern oder andere Anlässe im privaten Bereich, die man gar nicht mehr nachvollziehen kann.

Wie sieht die Unterstützung durch die positiv Getesteten aus? Erhalten Sie Listen mit Namen oder müssen sie darauf drängen, die Namen der Kontaktpersonen zu erhalten?

Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziales beim Märkischen Kreis.

Schmidt: Es gibt beides. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts besagen ja, dass die Infizierten ihre Kontakte selbst informieren sollen, damit diese sich sofort in freiwillige Quarantäne begeben. Das funktioniert – nun ja – durchwachsen. Bei einigen funktioniert das gut, bei anderen muss man schon mal nachfragen. Das hat natürlich auch mit Sprachbarrieren zu tun oder mit fehlendem Verständnis.

Hamm hat als eine der wenigen Städte unterschieden, in welchen Bevölkerungsgruppen es die meisten Infektionen gab. Das Ergebnis: Ein Drittel der Neuinfizierten hatte türkische oder arabische Wurzeln, ein weiteres Drittel osteuropäische. Lässt sich das auf den Märkischen Kreis übertragen?

Schmidt: Nein, das kann ich so nicht bestätigen. Wir machen diese Unterscheidung auch nicht. Es ist sicherlich so, dass unter den Infizierten viele mit Migrationshintergrund sind, aber genaue Zahlen haben wir nicht. Für uns ist auch eher wichtig, wie erreichen wir in Zukunft Personengruppen mit Sprachbarrieren und kulturell anderen Vorstellungen und Verhaltensweisen. Wie kommen wir an diese Menschen heran und wie können wir sie aufklären? Daran arbeiten wir derzeit.

Welche Wege gibt es?

Schmidt: In Dortmund arbeitet die Stadt beispielsweise mit kleinen Filmen in anderen Sprachen. An der Hotline setzen wir Dolmetscher ein, die die Sprache der Angerufenen sprechen und die wir zuschalten können. Wir wollen auch die Corona-Informationen für Schulen oder Kitas in verschiedene Sprachen übersetzen.

Die aktuelle Corona-Lage im Kreis finden Sie in unserem Corona-Newsticker für den Märkischen Kreis. Links zu Informationen über das Virus in verschiedenen Sprachen hat der Märkische Kreis gesammelt.

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