Testzentrum-Netzwerk „einzigartig in NRW“

Lüdenscheider Corona-Bilanz: Eine entscheidende Frage bleibt unbeantwortet

maskenpflicht lüdenscheid
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Um mehr Zugriffsmöglichkeiten auf die Wettbüros zu erlangen, wurde die Maskenpflicht auf den Stadtteil Kluse erweitert.

Seit mehr als 14 Monaten ist Corona ein trauriger Teil der Gesellschaft. Die Pandemielage bildet den Hauptbestandteil der täglichen politischen Arbeit, sowohl auf Bundes- als auch auf kommunaler Ebene. Bei der Sitzung des Lüdenscheider Bau- und Finanzausschusses am Montag zog Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (SPD) eine Corona-Bilanz.

Lüdenscheid – Seit mehr als 14 Monaten ist Corona ein trauriger Teil der Gesellschaft. Die Pandemielage bildet den Hauptbestandteil der täglichen politischen Arbeit, sowohl auf Bundes- als auch auf kommunaler Ebene. Bei der Sitzung des Bau- und Finanzausschusses am Montag zog Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (SPD) eine Corona-Bilanz. Unter anderem um aufzuzeigen, welche Zuständigkeiten beim Kreis und welche bei der Stadt liegen. Und auch, um das Thema Maskenpflicht näher zu thematisieren. Allerdings blieb auch der Bürgermeister die Antwort schuldig, wie das Infektionsgeschehen besser in den Griff zu kriegen ist.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Mit Blick auf die Infektionszahlen äußerte sich Wagemeyer optimistisch. „Die Zahlen entwickeln sich in die richtige Richtung.“ Allerdings sei weiterhin das Hauptproblem, dass die Corona-Ausbrüche nicht wirklich zu lokalisieren seien. „Wir können nicht konkret sagen, wo die Ausbrüche herkommen. Unser Landrat (Anm. der Red.: Marco Voge) sprach in diesem Zusammenhang ja bereits von einem ‘diffusen Infektionsgeschehen‘. Es gibt nicht den Hotspot.“

Lüdenscheider Corona-Bilanz: Euphorie beim Thema Testzentrum

Sicher und nachgewiesen sei nur, dass der Großteil der Ansteckungen im privaten Bereich stattfindet. „Zudem liegt der Anteil der britischen Mutation B 1.1.7. bei über 90 Prozent.“ Darin liege auch weiterhin eine große Gefahr, denn: „In dem Moment, wo eine Person aus der Familie betroffen ist, trifft es nahezu alle Familienmitglieder.“ Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als die britische Mutante noch nicht so stark verbreitet war, war die Übertragungsrate des Virus auf den eigenen Hausstand deutlich geringer.

Großes Lob aus dem Munde Wagemeyers erhielten die Mitarbeiter des Lüdenscheider Impfzentrums. Er bezeichnete ihre Arbeit als „vorbildlich“ und bezog sich damit auch auf die Art und Weise, wie sie mit den Geimpften vor Ort umgehen würden. Stand Montagabend wurden im Märkischen Kreis 122 000 Erstimpfungen und 29 000 Zweitimpfungen durchgeführt.

Ähnlich euphorisch war der Bürgermeister beim Thema Testzentren im Märkischen Kreis. Man brauche sich in Sachen Testzentrum-Netzwerk nicht zu verstecken, dieses sei gar „einzigartig in Nordrhein-Westfalen“.

Lüdenscheider Corona-Bilanz: Stadt nicht für Schulen und Einzelhandel zuständig

Die Euphorie ebbte zumindest beim Thema Zuständigkeiten wieder ab. Denn für die Überwachung der Quarantänemaßnahmen ist die Stadt verantwortlich. Zwischenzeitlich waren mehr als 1000 Bergstädter in Quarantäne. Dies brachte das Ordnungsamt an seine Leistungsgrenze. „Das Ordnungsamt ist in seiner Arbeitsweise von der Pandemielage sehr stark betroffen. Sie haben physisch und psychisch einen großen Druck.“ Den Mitarbeitern gebühre ein besonderer Dank, erklärte Wagemeyer.

Ebenfalls in städtischer Hand liegt die Kontrolle der Maskenpflicht. Diese wurde laut Aussage Wagemeyers auf den Stadtteil Kluse erweitert, um dort mehr Zugriffsmöglichkeiten auf die Wettbüros zu erlangen. „Wir haben nie verstanden, wieso die Coronaschutzverordnung die Wettbüros ausgenommen hat.“ Ihnen sei die Problematik bereits früh bekannt gewesen, dass sich nicht alle Besucher der Wettbüros an die Maskenpflicht hielten. Deswegen sei die Ausweitung der Maskenpflicht auch nötig gewesen. Die Ausweitung auf bestimmte Stadtteile wie das Bahnhofsumfeld liege nicht im Zusammenhang mit dem jeweiligen Infektionsgeschehen vor Ort.

Mit Blick auf den Einzelhandel und die Gastronomie sowie die Schulen und Kindertagesstätten verwies Wagemeyer auf die Zuständigkeit des Kreises. „Wir sind unterstützend tätig, aber nicht zuständig. Wir können nicht bestimmen, wann die Geschäfte wieder öffnen dürfen oder die Schulen schließen sollen.“ In diesem Zusammenhang verwies er auch auf kreisfreie Städte wie Tübingen und Rostock, bei denen die Oberbürgermeister mehr Rechte haben.

Zum Ende seiner Ausführung wagte Wagemeyer einen optimistischen Blick in die Zukunft. „Ich habe die Hoffnung, dass die Ausschusssitzungen in normaler Form nach der Sommerpause wieder stattfinden können. Ich bin guter Dinge, Ende Juni auf eine andere Gesamtsituation zu blicken.“ Die Antwort, wie man das Infektionsgeschehen besser einfangen kann, blieb Wagemeyer dabei schuldig.

Ordnungsamt zieht Corona-Bilanz

Im Rahmen der Haupt- und Finanzausschusssitzung am Mittwoch zog Martina von Schaewen, die Leiterin des Ordnungsamtes zum Thema Corona Bilanz. Mittlerweile habe das Ordnungsamt elf Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen hinzubekommen, um die Einsatzzeiten für die Coronastreifen abzudecken, erklärt von Schaewen. Das Verhalten der kontrollierten Personen sei eine große Schwierigkeit. „Die Leute werden immer frecher. Man muss sich viele Beschimpfungen anhören“, sagt von Schaewen. Ein weiteres Problem sei, dass die Teams bei Einsätzen vor Ort stets in der Unterzahl seien. „Wenn wir eine Zusammenkunft von mehreren Personen auflösen wollen, laufen sie meistens weg. Dadurch können wir höchstens die Personalien von ein oder zwei Personen aufnehmen.“

Die Nichteinhaltung der Maskenpflicht werde konsequent geahndet. Allein vergangene Woche wurden mehr als 100 Verwarnungen bei Maskenverstößen ausgesprochen, 300 weitere seien noch offen. Zudem wurden insgesamt 54 Bußgelder geschrieben. „Seitdem wir deutlicher überwachen, sind die Infektionszahlen rückläufig“, erklärt von Schaewen.

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