„Eine kleine Verfehlung reicht schon aus“

Corona-Ausbruch bei RWL: Infektionen in der Umkleidekabine

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Spieler von RW Lüdenscheid II bejubeln am 8. März – kurz vor dem Lockdown – einen Treffer. Nach Corona-Fällen steht die Mannschaft nun unter Quarantäne.

Nach einem Corona-Ausbruch in einer Fußballmannschaft von Rot-Weiß Lüdenscheid versuchen Verein und Gesundheitsamt die Infektionsketten zu unterbrechen. Inzwischen sind dem Infektionsgeschehen bei Rot-Weiß bereits elf Fälle zuzuordnen.

Lüdenscheid - Jan Schmitz fragte bei Michael Dregger, Vorsitzender und Corona-Beauftragter von RWL, nach. 

Wie ist die Situation bei Rot-Weiß Lüdenscheid mit Blick auf das Infektionsgeschehen? 

Aktuell haben wir zwei Mannschaften in Quarantäne, weil in der zweiten Mannschaft mehrere Infektionen nachgewiesen wurden und es von dort auch Kontakt zur dritten Mannschaft gab. Am Mittwoch ist dann noch in der dritten Mannschaft eine Infektion hinzu gekommen. Wir überlegen im Moment in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, wie es uns gelingt, die Infektionskette zu unterbrechen. 

Inwieweit konnten Sie nachvollziehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt hat? 

Aufgetaucht ist der erste Fall am Donnerstag der letzten Woche nach einer internen Besprechung der zweiten Mannschaft am Dienstag, wo man sich nicht an die Vorgaben gehalten hat. Dabei haben mehrere Personen für eine halbe Stunde in einer Kabine ohne Schutz zusammengesessen – und zwar mit mehr als nach unseren internen Vorgaben zulässig. Bereits am Donnerstag gab es eine Positivmeldung, am Freitag kam dann eine zweite nachgewiesene Infektion hinzu. Am Sonntag waren es schon fünf Positivmeldungen, die alle auf die Mannschaftssitzung zurückzuführen waren. Da die Personen, die sich infiziert hatten, auch Kontakt zur dritten Mannschaft hatten und zwar bereits am Sonntag davor, glauben wir nach einer weiteren Positivmeldung in der dritten Mannschaft, dass bereits am Sonntag, 11. Oktober, erste Infektionen stattgefunden haben. Dort ist beispielsweise auch ein Vater betroffen, der an dem Sonntag ein Gespräch mit Spielern geführt hat, die später positiv getestet wurden. Wir können relativ sicher nachvollziehen, wie es passiert ist, und sagen: Wenn man sich beim Gespräch zwei Meter auseinander gestellt und keine eigentlich untersagten Zusammenkünfte gemacht hätte, dann wäre das Infektionsgeschehen nicht so ausgeufert. 

Michael Dregger ist Vorsitzender und Corona-Beauftragter von RWL.

Inzwischen wurde auch ein Spieler einer gegnerischen Mannschaft positiv getestet. 

Ja. Das war das Spiel unserer zweiten Mannschaft beim TuS Stöcken-Dahlerbrück am 11. Oktober. Für uns ist die Frage: Wie war der Kontakt? Man darf jetzt nicht in Panik verfallen. Beim normalen Fußballgeschehen ist bis jetzt keine Infektion vorgekommen. Auch draußen gibt es wenige Infektionen, aber immer dann, wenn man die Abstände nicht einhält oder sich in geschlossenen Räumen aufhält, dann passiert es. 

Wie reagiert der Verein auf das Infektionsgeschehen? Sie hatten ja vorab Schutzkonzepte erlassen. 

Selbstverständlich. Wir haben strenge Regeln erlassen, immer wieder darauf hingewiesen und ermahnt. Wir werden die Regeln noch einmal anpassen, weil man ja auch die Folgen bedenken muss. Ich selbst bin aktuell unter Quarantäne gestellt, weil ich am 12. Oktober Kontakt zu einem infizierten Spieler hatte. Ich bin fünf Tage später negativ getestet worden und trotzdem muss ich in Quarantäne. Das heißt: Wir müssen darüber nachdenken – auch wenn es erlaubt ist, dass sich zehn Personen in einer Kabine umziehen und duschen – wie wir die Spieler und ihr Umfeld vor sich selbst schützen können. Daran arbeiten wir. Ja, und es wird auch Konsequenzen geben, aber unser Hauptaugenmerk gilt jetzt zuallererst der Unterbrechung der Infektionskette. 

Werden jetzt alle Spieler und Trainer aller Mannschaften von Rot-Weiß getestet? 

Nein. Es war schon angeordnet worden, dass alle Spieler und Trainer der zweiten Mannschaft getestet werden, jetzt müssen auch alle Spieler und Trainer der dritten Mannschaft abgestrichen werden. 

Hätten Sie erwartet, dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem solchen Infektionsgeschehen kommt? 

Man darf nicht so blauäugig sein, dass es nicht passieren kann. Man kann nur versuchen, es zu verhindern. Aber sobald man sich an bewährte Vorgaben und Maßnahmen nicht hält, dann reicht – wie wir ja jetzt sehen – eine kleine Verfehlung und schon bricht das Ganze aus. Aus einer Infektion werden schnell zehn oder 15 – ohne das Familienumfeld. Vielleicht werden es am Ende sogar 20 sein.  Ja, man muss damit rechnen. Irgendwann ist es immer das erste Mal, dann gilt es, schnell zu handeln und die Ketten zu unterbrechen. 

Wie geht es den Infizierten, von denen Sie wissen? 

Die Symptome sind bei fast allen gleich: leichte Temperatur knapp über 37 Grad, trockener Husten, Halsentzündung und große Müdigkeit. Bis jetzt gibt es zum Glück nur leichte Verläufe.

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