Corona hat alles verändert: Studentinnen aus MK bekommen Folgen zu spüren

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Das vergangene Semester fand online statt. 

Lüdenscheid - An vielen Universitäten und Fachhochschulen ist das Sommersemester 2020 bereits abgeschlossen, mancherorts stecken die Studenten derzeit noch in der Endphase ihrer Prüfungen.

Es war ein Semester der etwas anderen Art, das von den Studenten wie auch von den Dozenten viel Geduld verlangt und sie einige Nerven gekostet hat. Bedingt durch Corona fand es an den allermeisten Hochschulen online statt. Vielerorts war zudem bis kurz vor Schluss unklar, ob nicht doch einige Veranstaltungen vor Ort durchgeführt werden können, gerade in Hinblick auf die Prüfungen. Drei Studentinnen aus Lüdenscheid blicken zurück auf das Onlinesemester und schildern ihre Erfahrungen:

Am Studienort geblieben

Marie Endres ist 23 Jahre alt und Masterstudentin im vierten Semester des Faches Grundschullehramt in Bielefeld. Für sie stand wie auch für die 22-jährige Lynn Friese, die Design an der Fachhochschule in Münster studiert, bereits vor Semesterbeginn im April fest, dass das Sommersemester 2020 online stattfinden wird. Bei Schirin Berndt, 23 Jahre, Masterstudentin der Interkulturellen Studien – Deutschland und Frankreich in Freiburg, war nach dem in den Mai verschobenen Semesterstart zunächst unklar, wie das Semester ablaufen soll. Aufgrund der kleinen Gruppengröße ihres Studiengangs – insgesamt sind sie elf Studentinnen, die sowohl aus Frankreich als auch aus Deutschland stammen – gab es bis zuletzt die Hoffnung, dass zumindest einige Veranstaltungen wie gewohnt im Hörsaal stattfinden können. Erschwert wurde die Planung jedoch dadurch, dass die meisten ihrer Professoren aus Frankreich stammen und sich deren Einreise nach Deutschland, wenn auch nur für ein paar Tage, schwierig gestaltete. Die Französinnen hingegen hätten mit den nötigen Papieren keinerlei Probleme gehabt, nach der verhängten Ausgangssperre in Frankreich zurück nach Deutschland zu reisen, um dort ihr Studium nach den Semesterferien wieder aufzunehmen.

Schirin Berndt entschied sich – wie Marie Endres und Lynn Friese auch – dazu, trotz Corona und Onlinevorlesungen am Studienort zu bleiben: „Ich bin leider ein Mensch, der sich schnell und gerne ablenken lässt. Zuhause fehlt mir oft die nötige Motivation, Konzentration und Disziplin“. Zudem wollte sie gerne an dem Ort sein, an dem sie auch studiert, um so zumindest ein bisschen Normalität erfahren und die Stadt erkunden zu können. Die zweite Hälfte ihres Masterstudiums wird sie nämlich in Frankreich, genauer in Lyon verbringen: „Ich glaube, wäre ich das ganze Semester zu Hause gewesen, dann hätte ich so ein bisschen das Gefühl verloren, dass ich eigentlich gerade studiere“.

Keine finanzielle Notlage 

Marie Endres, die wie Lynn Friese und Schirin Berndt ihr Abitur am Bergstadt-Gymnasium absolvierte, ist nach mittlerweile fünf Jahren in Bielefeld hingegen schon so verwurzelt, dass sich für sie die Frage gar nicht stellte, das Onlinesemester in Lüdenscheid zu verbringen: „Bei uns war auch die Bibliothek die ganze Zeit offen, zwar sehr eingeschränkt, aber man konnte sie auf jeden Fall nutzen“. Irgendwann hätte man sich auch zumindest auf einen Spaziergang wieder mit Freunden treffen können.

Lynn Friese, die neben ihrem Studium in Münster im Einzelhandel arbeitet, wollte ihre Familie zu Hause in der Bergstadt keinem gesundheitlichen Risiko aussetzen. Zudem findet sie, dass sie in ihrer Wohnung in Münster ebenfalls besser arbeiten kann. Finanzielle Engpässe hätte sie durch die coronabedingte Schließung des Geschäftes hingegen nicht gehabt: „Ich war in keiner finanziellen Notlage dadurch. Wir wurden durch unseren Arbeitgeber alle ganz gut aufgefangen“. Auch Marie Endres, die neben ihrem Studium an zwei Tagen in der Woche in einer Grundschule arbeitet und nebenbei babysittet, hatte durch die Unterstützung ihrer Eltern keine Probleme, Miete und Nebenkosten zu bezahlen. 

Dennoch war es nicht mehr möglich, sich finanzielle Rücklagen zu schaffen oder sich mal etwas Schönes von dem selbstverdienten Geld zu kaufen. „Zum Beispiel muss mein Auto jetzt durch den Tüv und so was habe ich immer ganz gerne von diesem Geld bezahlt“.

Anderer Umgang mit Freunden 

Auch die Freizeitaktivitäten haben sich bei allen dreien stark verändert, allerdings nicht nur zum Negativen. Schirin Berndt hat hierzu gemischte Gefühle: „Das ist so ein bisschen ambivalent würde ich sagen. Einerseits hat das Sozialleben schon sehr darunter gelitten, weil man sich gerade in dieser großen Gruppe natürlich nicht sehen konnte“. Andererseits habe man eine ganz andere Art des Gemeinschaftslebens dazugewonnen. So sei gerade das Verhältnis zu ihren Mitbewohnerinnen in der Wohngemeinschaft enger geworden, bedingt dadurch, dass man sich viel öfter gesehen hätte. Zudem habe man gelernt, sich bewusst die soziale „Quality Time“, wie sie selbst sagt, zu nehmen und diese auch einzufordern. Auch Lynn Friese fand den veränderten Umgang mit Freunden und Bekannten gar nicht schlecht. Sie habe viel telefoniert, besonders auch mit Leuten, mit denen sie sonst nicht viel Kontakt hätte. „Das war eigentlich ganz cool“.

Dennoch sagt sie, dass besonders Gruppenarbeiten über das Videokonferenz-Tool Zoom, über das sich fortan alles abspielte, „nervenzehrend“ gewesen seien: „Das ist dann nochmal viel anstrengender, als wenn man sich in der Uni trifft und miteinander redet.“ Am meisten vermisst habe sie das Gebäude und Equipment ihrer Fachhochschule, vor allem aber „diesen Platz zu haben, wo man hingeht und wovon man abends wieder zurückkommt und dann ist der Tag vorbei. Das gab es überhaupt nicht. Von Uni über Arbeit bis hin zum normalen Alltag fand bei mir alles auf 40 Quadratmetern statt.“ Auch Marie Endres bestätigt, dass besonders die kleinen Dinge gefehlt hätten: Zum Beispiel, dass man sich nach einem arbeitsreichen Vormittag in der Bibliothek, in der Mensa zum Mittagessen trifft. Auch der fachliche Austausch über studienbezogene Themen – sie schreibt gerade an ihrer Masterarbeit – sei nicht mehr möglich gewesen.

Eine coole Erfahrung

Lynn Friese wird im nächsten Semester, das voraussichtlich ebenfalls online stattfinden wird, als Designstudentin ihr eigenes Projekt für ihren Bachelorabschluss entwerfen. Dieses müsse man ohnehin alleine entwickeln, online hin oder her. Sie findet trotz allem viele positive Worte für die Organisation und die Kommunikation der Hochschule und nicht zuletzt das Engagement ihrer Dozenten: „Es war auch voll schön zu sehen, dass die Dozenten so super engagiert waren und irgendwie genauso unter der Situation gelitten haben wie wir.“

Dennoch sagt sie: „Ich glaube, in der Form, in der es jetzt letztes Semester war, würde ich es auf keinen Fall nochmal machen. Aber es war halt eine coole Erfahrung. Es war okay, bei uns wurde das Beste daraus gemacht, aber es ist kein Zustand für immer.“ Schirin Berndt hat bislang noch keine Informationen der École Normale Supérieure in Lyon, an der sie ab September studieren wird. Für sie steht fest: Sie wird auf jeden Fall nach Lyon ziehen. Das Jahr im Ausland war ein großer Faktor dafür, dass sie sich für den Studiengang entschieden hat. „Ich sehe nicht ein, mir das durch Corona nehmen zu lassen.“

Von Nele Gerbersmann

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