Dr. Stratmann: „Wat is’ Dich dat schäbbich“

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Blumen gab’s von Fans aus der ersten Reihe für Dr. Ludger Stratmann.

LÜDENSCHEID - Die Kulturelite des Sauerlandes war im großen Saal des Kulturhauses versammelt. Zumindest sah das der Protagonist auf der Bühne so und begrüßte seine Gäste als solche. Zum letzten Mal sei er hier, ließ der Kabarettist Dr. Ludger Stratmann sein Publikum im seit Wochen ausverkauften Saal wissen.

Von Jutta Rudewig

Ein Comedian auf Abschiedstour, ein paar Plastik-stühle auf der Bühne, Hausbesuch in Lüdenscheid, ein „Best-of“-Programm mit dem Titel „Dat Schönste“.

Fast zwei Jahrzehnte tourte Doktor Stratmann durch Stadthallen, Theater und Kleinkunstbühnen. Nun sei auch das Sauerland kuriert genug, um den Weg ins Stratmann-eigene Theater am Kennedyplatz in Essen anzutreten. Dort hat er auch „Dat Schönste“ schon mit großem Erfolg aufgeführt.

Stratmann kam mit seiner Kunstfigur „Jupp“, um im Wartezimmer in Bottrop-Batenbrock-Süd einmal mehr über sich, seine Krankheiten, sein Inge und natürlich auch deren Krankheiten zu fabulieren, montags durch den frischen Lesezirkel zu stöbern und wenig Verständnis für die Vogue („Wat is dat denn, Fogü? Das ist bestimmt türkisch“) zu äußern. Irgendwie sei er morgens aufgestanden und habe gedacht: „Nee, wat is’ Dich dat schäbbich im Kopf“. Grund genug für „Jupp“, mal wieder seinen imaginären Arzt aufzusuchen – aktuell „mit Kreislauf“.

Im Ruhrpott spräche man nicht „mit“ jemandem, sondern „für“. Und jeder hätte irgendwie einen Schwager. Die Bussi-Gesellschaft ginge ihm auf den Sack, und algerisch gegen Fisch sei er auch. In feinstem Ruhrpott-Slang schwadronierte „Jupp“ bis zur Pause über die „Osteuropaporose“, den dermatologischen Wandel und den Dackel, dem man wegen seiner Wassersucht als Gehhilfe einen Rollschuh unter den aufgequollenen Bauch gelegt habe – im Prinzip eine gute Idee, wenn der mit den Beinen dann noch bis an die Erde gekommen wäre. Gespickt war das Programm einmal mehr mit zweckentfremdeten Fremdwörtern, die den Zuschauern ein ums andere Mal die Lachtränen in die Augen trieben.

Nach der Pause kamen andere Töne aus des Doktors profundem Kabarett-Wissen. Da ging’s dann gegen die Spätaufsteher-Sprechstunde im Sozialamt, den alternden Körper als Mahnmal einer beginnenden Tragödie, die Körpersprache der jungen Comedians, das reduzierte Sprachvermögen, die Alterswehwehchen und warum er seine Abschiedstour nicht über zehn Jahre hinziehen würde. „Alt seid Ihr erst, wenn die Kerzen teurer sind als die Torte!“ gab der 65-Jährige seinen Fans mit auf den Weg. Und er sei gespannt, wann Verona Feldbusch sich das Stratmann’sche „Ich wünsche Sie noch eine schöne Woche“ zu eigen macht. Lüdenscheid läge ihm am Herzen, sagte er zum Abschied: „Vor 18 Jahren war ich das erste Mal hier. Und deshalb habe ich hier zwei meiner Fernsehaufzeichnungen gemacht.“

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