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Clique überfällt Döner-Imbiss - Polizeischüsse auf Jungen

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Von: Olaf Moos

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Verteidiger und Angeklagte am Amtsgericht
Rechtsanwalt Heiko Kölz (rechts) und Verteidigerin Pantea Farahzadi aus Köln mit den Angeklagten. Dominik Petereit wartete vergeblich auf seinen Mandanten. © Olaf Moos

Sie sitzen neben ihren Verteidigern wie liebe Kinder, adrett angezogen, zurückhaltend und höflich. Und dann legen der 19-Jährige und seine Bekannte (20) Geständnisse ab – und geben zu, vor sieben Monaten zwei bewaffnete Raubüberfälle begangen zu haben, vollgepumpt mit Alkohol und synthetischen Drogen. Der dritte Angeklagte, gerade 19 Jahre alt, schwänzt den Prozess.

Lüdenscheid - Nach dem Verbrechen in einem Kiosk an der Volmestraße in Brügge entkamen sie laut Anklage am 22. Dezember mit ein paar Flaschen Schnaps, Zigaretten und rund 600 Euro Bargeld. Wenige Stunden später endete ihr Raubzug nach einem Überfall auf einen Döner-Imbiss in Plettenberg im totalen Chaos: die junge Frau schreiend und gefesselt auf dem Asphalt, ihr Komplize von einer Polizeikugel getroffen und lebensgefährlich verletzt.

Die Rückblende offenbart, wie es so weit kommen konnte. Der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts, Amtsrichter Andreas Lyra, lässt sich viel Zeit bei der Befragung. Die Angeklagte berichtet über ein Leben auf der schiefen Bahn.

Die Clique lässt es demnach in einer Wohnung in Schalksmühle heftig krachen. Eineinhalb Wochen lang fließt Schnaps in Strömen, schon morgens, dazu gibt es Ecstasy, Kokain, LSD oder Tilidin, ein starkes Schmerzmittel. Nach einem Wechsel in eine Wohnung an der Halverstraße in Brügge geht es mit selbstgebranntem Wodka weiter. Bis die Frage auftaucht: „Wie kommen wir am schnellsten an Geld?“

Den Kumpel in Schalksmühle haben sie zuvor beklaut – und reiche Beute gemacht: darunter ein Laptop, eine Spielkonsole, eine Musikbox, eine Gaspistole und ein Teleskopschlagstock. Sie ziehen vermummt und bewaffnet los zum Kiosk. Mit der Pistole bedroht der 19-Jährige die Inhaberin (45) und ihren kleinen Sohn, leert die Kasse und nimmt Zigaretten an sich. Die Komplizin rafft Schnapsflaschen zusammen, so viel sie tragen kann, der Dritte steht vor der Tür Schmiere. Die Kioskbesitzerin sagt aus. „Ich habe immer noch furchtbare Angst.“

Dann die Fahrt der Clique nach Plettenberg – und die Feststellung: „Das Geld reicht nicht, wir brauchen mehr“, berichtete die Angeklagte. Die Frage ist: Tankstelle, Dönerladen oder Kiosk? In einem Imbiss, vor dem die Angeklagte wartet, trifft der 19-Jährige trotz Pistole und Pfefferspray auf Gegenwehr. Mit etwa 80 Euro aus der Kasse rennt er raus, verfolgt von zwei Männern, die ihn mit hoch erhobenen Stühlen verfolgen, der Räuber schießt.

Auf einer Kreuzung entert er ein Auto, in dem ein 37 Jahre alter Krankenpfleger mit seiner Frau vor der roten Ampel steht. Er berichtet, wie der Mann mit der Pistole wieder aussteigt, als sich ein Streifenwagen nähert. Der Angeklagte sagt, er erinnere sich kaum an die Flucht. „Ich hörte nur einen Knall, dann bin ich umgekippt und habe keine Luft mehr gekriegt.“ Einer der Polizisten hat seine Lunge getroffen.

Die Beweisaufnahme gestaltet sich schwierig. Eine Zeugin, in deren Wohnung der Plan für den Überfall auf die Dönerbude reifte, behauptet, sie erinnere sich nicht, kenne die Beteiligten nicht.

Der Prozess wird am 1. September um 10 Uhr im Saal 125 fortgesetzt.

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