Fiktion und Bühnen-Realität

Starke Frauen und tolle Stimmen im Ensemble, allen voran Hanna Mall, Catherine Chikosi und Anna Winter.

Lüdenscheid - Rückblick, Ist-Zeit, Fiktion, Realität, Zeitlupe, Slapstick, Autor, Romanfigur – man musste schon ordentlich am Ball bleiben, wollte manam Donnerstagabend im Kulturhaus den Faden nicht verlieren. Der Studiengang Musical der Folkwang-Universität der Künste, das Theater im Rathaus und die Konzertdirektion Landgraf brachten das Musical „City of Angels“ auf die Bühne, bei dem für ein Musical allerdings ziemlich viel gesprochen wurde.

Die Handlung wechselte permanent zwischen dem Leben des Drehbuchautors Stine im Hollywood der 40er-Jahre und der von ihm geschriebenen Drehbuch-Handlung um den – ebenfalls von ihm erfundenen – Privatdetektiven Stone, der in Los Angeles, der „City of Angels“ ein Mädchen finden soll. Beauftragt wird der Film-Stone von der klassischen Femme fatale, der verhängnisvollen Frau, attraktiv, intelligent und gefühlskalt, ein männermordender Vamp. Eine eigentlich recht einfache Story, wenn da nicht der ewig nörgelnde Geldgeber für den Film wäre, der quasi an jeder Szene mäkelt und sie umgeschrieben haben will. Schnell greifen das erfundene Geschehen und die Bühnen-Realität ineinander und produzieren eine immer weiter ausufernde Gemengelage.

Um die Zuschauer in den nur übersichtlich gefüllten Reihen des Kulturhauses nicht schon im ersten Akt zu verwirren, ist die filmische Handlung vom Hut bis zu den Socken in grellen Farben gehalten, die Bühnen-Realität eher vom Pullunder bis zu den Schuhspitzen in schwarz, weiß und grau. Das Bühnenbild ist an die Story angelehnt, eine überdimensionale Filmrolle mit Abbildungen einer Skyline. Davor tummelt sich ein energiegeladenes Ensemble samt sechsköpfiger Live-Band, das eine Hommage an den „Film noir“ abliefert, jene durch ihre zynische Sicht auf die Welt gekennzeichneten, US-amerikanischen Streifen der 40er-Jahre.

Eine sympathische Rolle hatte „Produzent“ Merlin Fargel – trotz der ewigen Nörgelei. Insgesamt bot das Ensemble einige gute Stimmen, viel Spielfreude und Engagement. Das Publikum dankte mit artigem Applaus. Allerdings wäre den Studenten bei einer solch guten Leistung für ihr Projekt 2016 ein weniger verwirrender Stoff zu wünschen, um die Lücken in den Zuschauerreihen zu füllen.

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