China-Skandal leert auch Lüdenscheider Regale

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Immer wieder Lieferengpässe bei Baby-Milchpulver – das Aptamil-Regal oben rechts ist leer. Deshalb hat dm die Abgabe auf drei Pakete pro Einkauf beschränkt.

Lüdenscheid - Vergiftete Milch in China sorgt immer wieder für genervte Mütter und leere Babynahrungs-Regale auch in Lüdenscheid. „Wir haben am Freitagmorgen zwölf Packungen Aptamil 1-Milchpulver bekommen – die waren innerhalb von zwei Stunden weg“, sagt Daniel Kühnert, Filialleiter des dm-Marktes im Stern-Center, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Deshalb lesen die Kunden auch auf Info-Zetteln an den Regalen mit Milchpulver, dass sie nur noch maximal drei Packungen auf einmal kaufen dürfen.

Die Lieferengpässe vor allem bei den Milupa-Produkten Aptamil und Milumil sind Folge einer sprunghaften Nachfrage aus China. Dort haben viele Familien kein Vertrauen mehr in Säuglingsnahrung aus dem eigenen Land. Ein Skandal mit Melamin verseuchter Milch hat mindestens sechs Säuglinge das Leben gekostet, 300 000 chinesische Babys erkrankten. Milupa selbst exportiert nicht nach Asien – das übernehmen Verwandte, Freunde, Bekannte oder Klein-Exporteure, die seit einigen Monaten deutsche Regale leerkaufen.

„Bei uns ging es Ende letzten Jahres los“, erinnert sich Kühnert. „Zuerst kauften einige Chinesen einmal pro Woche sechs bis sieben Packungen Milchpulver. Dann wurde es immer mehr – zuletzt kamen sie täglich.“ Die dm-Kette habe deshalb die Beschränkung auf drei Packungen in allen Filialen eingeführt. Dennoch gebe es immer wieder Engpässe. „Viele deutsche Kunden sind natürlich genervt“, erklärt der Filialleiter. Eine Mutter mit Zwillingen beispielsweise habe immer wieder große Probleme, da ihre Kinder nur Aptamil vertragen.

Die Chinesen, die regelmäßig „ihre Familien in China unterstützen, wie sie sagen“, lassen sich einen Ausfuhrzettel mit den Milchprodukten vom Zoll abstempeln und bekommen dann in der Filiale die Mehrwertsteuer erstattet, erklärt Kühnert. Wie lange das noch andauere, wisse er auch nicht.

In der Rossmann-Filiale an der Altenaer Straße hängt ein Milupa-Schreiben an den Milchpulver-Regalen. Darin schreibt das Unternehmen, dass es die Situation bedaure und an einer Lösung arbeite. So arbeite das Werk in Fulda bereits sieben Tage pro Woche rund um die Uhr im Drei-Schichten-Betrieb. Zudem solle im 2. Quartal eine weitere Produktionslinie eröffnet werden, um die uneingeschänkte Warenverfügbarkeit sicherzustellen. - wok

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