Initiative für mehr Teilzeitausbildung

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Diskutierten Über das Thema Ausbildung in Teilzeit: (v.r.) Wiebke Grüne und Martina Pabst (Stadt Lüdenscheid), Karin Käppel (Agentur für Arbeit), Peter Frese (SIHK) und Eva Manns (Johanniter Seniorenhäuser).

Lüdenscheid - „Das Blatt hat sich gewendet“, sagt Karin Käppel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Iserlohner Agentur für Arbeit. Im Märkischen Kreis sind inzwischen mehr Ausbildungsplätze gemeldet als Bewerber vorhanden sind.

Vor diesem Hintergrund trafen sich am Freitag im Lüdenscheider Rathaus Personalverantwortliche und Wirtschaftsförderer der Kommunen, Arbeitgeber, Fachleute aus der Arbeitsverwaltung und der SIHK. Einziger Tagesordnungspunkt: Nachwuchsgewinnung durch Teilzeitausbildung.

Die Ausgangslage, die Käppel wie auch Bürgermeister Dieter Dzewas in der Begrüßung skizzierten, ist besorgniserregend für die Arbeitgeber in der Region. Zunehmend wird es schwieriger, vorhandene Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Zahl der Bewerber ist um 9,7 Prozent kreisweit zurückgegangen. Andererseits gibt es Potenziale beispielsweise junge Erwachsene, die nach der Elternzeit nicht in den gelernten Job zurückkehren können oder aber erst gar keine Ausbildung absolviert haben. Ohne Qualifikation aber droht permanent und dauerhaft Arbeitslosigkeit.

Doch wie soll eine Alleinerziehende oder jemand, der einen pflegebedürftigen Angehörigen betreut, an die erforderliche Qualifikation kommen? Die Stadt Lüdenscheid ist dabei, mit der Teilzeitausbildung einer Verwaltungsfachangestellten Erfahrungen zu sammeln. Der Ausbildungsplatz wurde außerplanmäßig eingerichtet, die politische Unterstützung war da, so Martina Pabst aus dem Fachdienst Personalwirtschaft der Stadt.

Wichtig sei, die Stelle nicht nur pauschal auszuschreiben, sondern den Kontakt zu den Kandidaten auch über die lokalen Medien zu suchen. Für die Stelle sei man auf mehr als 20 Bewerbungen gekommen. „Es ist ein deutlicher Markt vorhanden“, sagt Pabst, und von der Papierform seien die Bewerber im Schnitt stärker gewesen. Mit 32 Wochenstunden startet die Auszubildende im August in ihre Lehre.

Noch weiter ist bereits Eva Manns, Leiterin der Johanniter Seniorenhäuser. Dort wird Pflegeassistentinnen die Weiterqualifizierung im Pflegebereich angeboten. Vier Mitarbeiterinnen nutzen diese Chance.

Die Senioreneinrichtungen, räumt die Leiterin ein, verfügten allerdings durch Schicht- und Wochenenddienste über eine erhebliche Flexibilität, was die Einsatzzeiten angehe.

Eine Schlüsselrolle spielt, hieß es auf Nachfrage von Claus Hegewaldt (SIHK), die Möglichkeit der Kinderbetreuung, um Schule und praktischen Teil unter einen Hut zu bekommen. Vorteil für Betriebe, die sich für diese Form der Ausbildung statt des konventionellen Vollzeitmodells entscheiden, seien stark engagierte Azubis, die aus eigenem Antrieb die

Aus- oder Weiterbildung anstrebten. „Das sind oft 23- bis 25-jährige Mütter. Die setzen einiges in Bewegung“, so die Erfahrung von Marlene Hildebrand von der agentur mark, die die Veranstaltung im Ratssaal moderierte. „Die haben eine ganz hohe Motivation.“ Bislang führt die Teilzeitausbildung landesweit noch ein Schattendasein.

Nur 0,2 Prozent der Ausbildungsverträge sind danach ausgestaltet, hieß es am Freitag. Das soll sich deutlich ändern. Denn in vielen Bereichen sei das Modell möglich, wenn sich die Beteiligten auf individuelle Lösungen einigen könnten. Das ist nicht einmal schwierig. Arbeitsagentur und SIHK sind beim Thema sensibilisiert. Die Fäden für das im Februar gegründete Bündnis Teilzeitausbildung laufen in Hagen zusammen, wo sich das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Märkische Region (agentur mark) daran gemacht hat, die Teilzeitausbildung voranzutreiben. Im Sommer, so Hildebrand, stünde eine erste Info-Veranstaltung für Unternehmen auf dem Terminkalender. - flo

Info: Marlene Hildebrand, Tel 0 23 31 /4 88 78-41, E-Mail: hildebrand@agenturmark.de, Web: agenturmark.de

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