CeBeeF erhält statt Zuschuss nur noch Urkunde

Aufgeben gilt nicht: Karola Teske (3.v.l.) und ihre Mitstreiterinnen vom CeBeeF hoffen nach dem Rückzug der Stadt jetzt auf Spenden.

LÜDENSCHEID - 1 000 Euro im Jahr an Unterstützung hat die Stadt Lüdenscheid dem Club Behinderter und ihrer Freunde (CeBeeF) gerade gestrichen. Weitere 924 Euro muss der Club an Heizkosten für die alte Kluser Schule zusätzlich aufbringen.

Von Bürgermeister Dieter Dzewas gab es letzte Woche zugleich eine schöne Urkunde als Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement. Was angesichts der Streichung anmutet wie ein Treppenwitz, finden die Aktiven des CeBeeF alles andere als lustig. Zur Ehrung erschienen Karola Teske als Vorsitzende und Erika Kaemper trotzdem: „Wir wissen ja, dass die Stadt kein Geld hat.“ Und Anerkennung für geleistete Arbeit sei auch wichtig.

Rumjammern, aufgeben, das kommt für die 1972 gegründete, kreisweit dienstälteste Vereinigung für Menschen mit Behinderungen sowieso nicht in die Tüte. Stattdessen schmieden Karola Teske, Erika Kaemper und ihre Mitstreiter weiterhin Pläne – wie immer, und trotz allem.

Sie wollen bei Unternehmen jetzt verstärkt nach einem Sponsoring fragen, private Spenden gebe es indes kaum noch. Und sie wollen einen neuen Stadtführer „Unterwegs in Lüdenscheid“ herausbringen. Darin stehen alle wichtigen Stellen für Menschen mit Handicaps – vom Behinderten-WC über spezielle Aufzüge bis zu unüberwindlichen Barrieren.

Der erste und letzte Stadtführer dieser Art erschien 1997, und seitdem hat sich in Lüdenscheid viel verändert. Damals gab es einen öffentlichen Zuschuss und die Unterstützung des Mannes, den viele als Fürsprecher schmerzlich vermissen: „Jürgen Dietrich hatte immer ein Ohr für uns“, davon können langjährige CeBeeF-Mitglieder wie Elfi Haß, Waltraud Fischer, Edith Wietis und Ingrid Weiß Lieder singen. Jürgen Dietrich war es, der den den CeBeeF am Ertrag der Karl-Reeber-Stiftung teilhaben ließ, und er erledigte alles Notarielle.

2009 erhielt der Club letztmals die 1000 Euro von der Stadt, die danach in den Nothaushalt abstürzte. „Dieser Zuschuss war so wichtig, weil er verlässlich war“, berichtet Karola Teske. Für den Club folgte statt Berechenbarkeit erstmal ein Wechselbad: „Erst hieß es, das Geld würde gestrichen, dann wieder, es käme doch.“ Jetzt herrscht bittere Klarheit. Es kommt nichts mehr. Nicht für 2010, und auch nicht für 2011.

Vom Stadtgeld hielt der Club bisher seinen Bulli in Schuss, mit dem ehrenamtliche Fahrer behinderte Menschen in und um Lüdenscheid aus ihrer Einsamkeit abholen. Sie fahren sie zum Pröhlken in die alte Schule, unternehmen Ausflüge. Der Kampf gegen das Alleinsein ist heute die Hauptaufgabe des Vereins, der noch rund 80 Mitglieder zählt. Früher, als alle jünger waren, begleitete der CeBeeF große Bauprojekte im ganzen Kreis. Er stritt dafür, dass im Kulturhaus ans Behinderten-WC gedacht wurde, als sonst keiner an so etwas dachte. Auch das waren andere Zeiten – vieles, worum sie einst kämpfen mussten, ist heute Standard. Eine kleine Anerkennung für all die Pionierarbeit ist indes geblieben: Die Schlüssel zu Behinderten-Toiletten heißen weit und breit nur CeBeeF-Schlüssel, auch im Kreishaus.

Der Club will jetzt vor allem eines: Gemeinschaft schaffen. Er will Geselligkeit bieten für alle, die sonst lange Stunden allein zu Haus verbringen müssen. Viele Behinderte haben kaum jemanden für Unternehmungen, was oft daran liegt, dass sie nur umständlich die eigenen vier Wände verlassen können und diesen Aufwand keinem Außenstehenden zumuten wollen. Viele Menschen mit Behinderungen haben keinen Lebenspartner.

Der Bulli ist inzwischen zehn Jahre alt. Die Winterreifen müssen nach der Saison ersetzt werden. Wovon sie das im nächsten Herbst bezahlen soll, weiß Karola Teske noch nicht. „Wir müssen mal sehen. Hoffentlich fallen bis dahin keine weiteren Reparaturen an.“ Versicherung, Steuern und Sprit tun der schwachen Vereinskasse schon weh genug, die mit Bußgeldern von Gerichten nur noch gelegentlich aufgefüllt wird. Zusätzlich hat sie nun die hohen Heizkosten zu verdauen. „Die sind für die ganze Schule teurer geworden. Wir zahlen jetzt 77 Euro im Monat mehr“, berichtet Erika Kaemper. Macht 924 Euro mehr im Jahr, obwohl der CeBeeF seine 1982 bezogenen Räume im Erdgeschoss nur zweimal pro Woche nutzt und in der Schule vor allem der Riesenflur beheizt wird, den keiner der hier ansässigen Vereine braucht.

Es hilft aber nichts, das Geld muss her. Ein Ausgleich über höhere Beiträge ist schwierig, viele Mitglieder leben von Sozialleistungen. „Aber vielleicht kann ja die Zeitung helfen und unsere Kontonummer veröffentlichen“, sagt Karola Teske.

Wer den CeBeeF unterstützen will, kann das über die Sparkasse Lüdenscheid tun. Die Kontonummer lautet 180 05 96, die Bankleitzahl 458 500 05.

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