Ein Erfahrungsbericht über einen Klinikaufenthalt

„Einsparungen bitte nicht auf Kosten der Patienten“

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Das Klinikum Lüdenscheid ist ein Haus der Maximalversorgung – doch nicht alle Patienten sind immer zufrieden.

Lüdenscheid - Die Abteilungen des Klinikums Lüdenscheid mit ihrem breiten Leistungsspektrum sind in diesen Wochen Gegenstand einer großen LN-Serie. Doch wie nehmen Patienten und deren Angehörige einen Aufenthalt im Klinikum wahr? Beispielhaft veröffentlichen wir nachfolgend einen Erfahrungsbericht der Lüdenscheiderin Carmen Graefer. Ihre Mutter, die 72-jährige Rentnerin Monika Rehbein, war über den Jahreswechsel im Klinikum behandelt worden.

Die medizinischen Aspekte dieses Falls wurden mittlerweile auf Vermittlung der LN zwischen Dr. Thorsten Kehe, dem Medizinischen Geschäftsführer der Märkischen Kliniken, und Carmen Graefer in einem ausführlichen Gespräch weitgehend geklärt. Hier nun der Erfahrungsbericht Carmen Graefers:

Es begann am 20. November 2014 gegen 7.30 Uhr in der Notaufnahme, in die meine Mutter vom Rettungswagen gebracht wurde. Sie war gestürzt, hatte eine circa drei Zentimeter lange Platzwunde am Kinn und klagte über Schmerzen in Schulter und Knie links.

Es wurde zwar zeitnah die Platzwunde genäht, weiter geschah jedoch nichts. Dies mag daran gelegen haben, dass das Röntgengerät in der Notaufnahme defekt war und alle Patienten zur normalen Röntgenabteilung mussten, aber es zog sich bis circa 12 Uhr hin. Wäre nicht eine Bekannte von uns Schwester in der Notaufnahme, hätte ich als Tochter noch weniger erfahren. Wir befanden uns in einem Behandlungszimmer und kamen uns relativ allein gelassen vor.

Gegen 13 Uhr wurde meine Mutter dann aus der Notaufnahme auf Station 4.5 verlegt. Ihre Zimmernummer habe ich mir nicht gemerkt, was gut war, denn am nächsten Tag war sie woanders.

(Es folgte ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt, der wegen diverser medizinischer Komplikationen notwendig geworden war. Ihre Tochter Carmen Graefer beklagt, dass man sie häufig nur unzureichend oder erst auf Nachfrage über die Gründe der jeweiligen Untersuchungen und Behandlungen informiert habe. Die Redaktion).

Zur Stellungnahme von Dr. Thorsten Kehe, Medizinischer Geschäftsführer der Märkischen Kliniken

Es fällt auf, dass im Haus viele Ärzte, Assistenzärzte usw. unterschiedlicher Nationalitäten sind. Das wäre nicht weiter schlimm, wären alle in der Lage, dem Patienten, der aufgeregt ist und in der Regel nur wenig fachliche Ahnung hat, die Probleme angemessen zu erläutern. Man sollte in diesem sensiblen Bereich mehr an die „Kunden“ denken.

Ständiger Wechsel des Arztes

Der ständige Wechsel des zuständigen Arztes ist übrigens ebenfalls ein Problem. „Guten Tag, ich bin xy und betreue Sie“ wurde am Tag später zu „Hallo, ab heute bin ich für Sie zuständig...“. Aber am nächsten Tag kam noch ein anderer, denn der Zweite hatte frei... Über Weihnachten wurde es noch schlechter.

Niemand sagte etwas, jeder musste „sich erst einlesen“, Informationen blieben aus. Bemerkenswert war ebenfalls der ständige Zimmerwechsel. Angefangen von Station 4.5 mit zwei Zimmern kam dann die 5.2, um dann zur Station 1.6 zu werden. Dort als gesund verlegt wieder auf 5.2 kam dort ein Zimmertausch einige Stunden vor einer Herzkatheteruntersuchung. Begründung war, dass ein „Männerzimmer“ benötigt wurde. Nun folgten einige Tage Intensiv 8.9, um zu Station 5.3 zu kommen. Das ist verwirrend und unnötiger Stress für Patienten. Die Logistik der Stationen sollte überdacht werden. Allerdings sah man auch am 22. Dezember, warum meine Mutter nicht auf 5.2 zurückkam: Die Station wurde über die Feiertage geschlossen.

Am Tag vor der Entlassung wurden meine Mutter und die Bettnachbarin wieder in eine andere Station verlegt, was zur Folge hatte, dass ihr kein Verbandsmaterial für den Pflegedienst mitgegeben wurde. Am nächsten Tag war Samstag und die Beschaffung ein Problem.

Casemanagement recht eigenwillig

Recht eigenwillig erschien das Casemanagement. So behauptete eine Mitarbeiterin, dass meine Mutter nach ihrem Sturz bewusstlos gewesen sein soll. Dies ist falsch. Sie ließ sich aber nicht davon abbringen. Woher sie diese Information hatte, sagte sie nicht. Der Aufenthalt in einem Krankenhaus ist nicht billig. Man kann keinen pauschalen Tagessatz mehr zugrunde legen, er dürfte aber deutlich höher liegen, als ein sehr gutes Hotel kosten würde. Leider merkt man davon nichts in den Bereichen Verpflegung, Freundlichkeit und Service. Bei einem langen Aufenthalt ist die Verpflegung nicht ganz unwichtig. Essen ist Geschmackssache, und die Geschmäcker sind verschieden. Es allen recht zu machen, ist auch schwierig.

Gegen Frühstück und Abendessen ist nichts zu sagen, vor allem, wenn es in Büfettform angeboten wird und der Patient teilnehmen und sich selbst aussuchen kann, was er möchte. Das Auge isst auch im Krankenhaus mit. Aber das Mittagessen schmeckt zu 95 Prozent nicht. Krankenhauskost ist sicher anspruchsvoll, aber man kann sie bestimmt so zubereiten, dass der Patient etwas Freude am Essen hat. Schwache Würzung könnte man nachwürzen, einige Gerichte waren aber versalzen.

Wenn jemand nun andere Speisen über die Weihnachtsfeiertage erwartete, hatte er Glück. Es gab Ente beziehungsweise Wildschwein.

Inzwischen wissen wir, dass es sich bei den Mittagessen um gefrorene Fertiggerichte handelt, die nur erhitzt und auf Teller angerichtet werden, Kosten zwischen drei und sechs Euro. Aluschalen-Essen wie in einer Großkantine in einem Krankenhaus, welches aber nicht variiert. Also hat man es nach zwei Monaten über.

Am 2. Januar ließ meine Mutter das Mittagessen komplett zurückgehen, da es zum einen nicht schmeckte und dazu auch noch unappetitlich aussah. Die Servicemitarbeiterin räumte ab, bot aber keine Alternative an. Sie habe die Beschwerde weitergegeben. An wen, wissen wir nicht. Mit meiner Mutter hat niemand gesprochen. Hier sollte die Cateringfirma geprüft werden.

Servicemitarbeiter zum Lachen in den Keller

Wichtig ist auch die Freundlichkeit. Man kann nicht immer gute Laune haben. Hat man aber Kontakt zu Patienten, denen das Lachen zumindest im Moment vergangen ist, sollte man die schlechte Laune zu Hause lassen. Bei einigen Servicemitarbeitern, die für Kaffee und Essen zuständig sind, hatte man den Eindruck, sie gingen zum Lachen in den Keller. Das zurückgegebene Essen ist auch ein Beispiel dafür. Dies ist auch bei der einen oder anderen Schwester aufgefallen. Ich erwähnte die Kosten für den Aufenthalt im Krankenhaus. Es ist selbstverständlich kein Hotel, die Kunden aber umso mehr auf Service und Hilfe angewiesen. Sie würden sicher lieber selbst alles holen oder wegbringen, was aber vielfach nicht möglich ist.

Einige Beispiele:

Die Bettwäsche mit Blutflecken wurde erst nach vier Tagen gewechselt, kam aber nur bis zum Tisch, an dem gegessen wurde.

Verschmutzte Bettwäsche wurde mehrfach erst nach Tagen und auf Anforderung gewechselt.

Benutztes Zahnputzzeug blieb von abends bis zum Frühstück stehen.

Auf die Bitte nach neuem Mineralwasser kam die Antwort „Da ist doch noch was“. Ja, ein Schluck...

Ein Wackelkontakt an der Bedienung für Licht und Klingel wurde nicht behoben. Die Bettnachbarin musste eingreifen. Eine Schwester prüfte: „Warum? Geht doch!“

Klingelt ein Patient, hat er ein Anliegen oder Problem. Sehr häufig klingelten die Patienten; es kam niemand. Einige Tage vor Weihnachten klingelte meine Mutter. Irgendwann kam eine weiß gekleidete junge Praktikantin, konnte nicht direkt helfen, wollte Bescheid sagen. Es passierte nichts. Die Bettnachbarin holte dann eine weinrot gekleidete Schwester. Die fragte: „Funktioniert Ihre Klingel nicht?“ Veralbern kann sich der Patient allein! Auf Station 5.3 klingelte meine Mutter am Sonntag nach Weihnachten. Sie war im Bad und benötigte Hilfe. Es kam niemand. Auch nach zehn Minuten war keiner zu sehen. Sie musste das Problem allein lösen.

Es fällt im gesamten Haus auf, dass es entweder zu warm oder zu kalt ist. Dazwischen gibt es nichts. In der Notaufnahme war es kalt, im OP-Bereich ebenfalls. Auch wenn in diesen Bereichen das Personal in hoher Anstrengung arbeitet und schwitzt, kann es nicht richtig sein, dass Patienten unter Stress überall frieren. Außerdem zieht es überall, von den Fenstern (egal, wo man ist), von den Klimaanlagen usw. Das Haus ist von 1986 und vermutlich auch so lange nicht mehr renoviert worden? Türabdichtungen würden überall helfen.

Es wird überall von Sauberkeit und Hygiene in Krankenhäusern gesprochen. Seit Anfang des Jahres wurden die Zimmer nur noch alle zwei Tage geputzt, dementsprechend sah es auch aus.

Ein Patient ist ein Kunde. Der Kunde ist König. Leider gilt das nicht im Lüdenscheider Krankenhaus. Einsparungen sollten nicht auf Kosten der Patienten, der Kunden, gehen. Sie könnten auch woanders hingehen.

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