Caritas-Direktor kritisiert Ausgrenzung Älterer

Caritas-Geschäftsführer Hans-Werner Wolff.

Lüdenscheid - „Mehr Mittel für die Jobcenter – Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit“. So lautete die Schlagzeile der LN Anfang Mai. Angekommen an der Basis sei davon bislang nichts, kritisiert Caritas-Direktor Hans-Werner Wolff.

Der Geschäftsführer des Caritas-Dekanats Altena-Lüdenscheid bezieht sich dabei auf die aktuellen Zahlen der Freien Wohlfahrtspflege NRW, die landesweit Zahlen zur Unterbeschäftigung älterer und Langzeitarbeitsloser aufbereitet hat und der Arbeitsagentur ein „Schönen der Statistik“ vorhält. Zum anderen verweist Wolff auf die Erfahrungen der Caritas vor Ort, die seit Jahren versucht, zusätzliche Beschäftigung für einen Personenkreis mit multiplen Vermittlungshemmnissen aufrecht zu erhalten. Dafür aber seien Mittel massiv zusammengekürzt worden.

Die Zahl der über 58-jährigen Arbeitslosen ohne Jobangebot in den letzten 12 Monaten oder ohne weitere Vermittlung beziffert die Studie der Wohlfahrtsverbände auf 789 allein im Märkischen Kreis. Mehr als 12  000 seien es im Ruhrgebiet. Ohne Jobangebot und Vermittlungsbemühungen aber verschwinden sie aus der Statistik. Zugleich steigt die Zahl der Langzeitleistungsbezieher über 50 Jahre im Märkischen Kreis überproportional um 2,68 Prozent. Im NRW-Schnitt seien es 1,16 Prozent.

Arbeitsgelegenheiten drastisch abgebaut

Genau diesem Personenkreis, der vielfach kaum eine Chance hat, in den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen, konnten Caritas und andere Verbände früher ein Angebot unterbreiten, nämlich das der so genannten zusätzlichen Beschäftigung. Bis zu 40 dieser Arbeitsgelegenheiten allein bei der Caritas gaben Menschen einen Lebensinhalt und ein kleines Zusatzeinkommen als wichtige Anerkennung.

Von diesen ehemals 40 Plätzen sind noch 19 geblieben. Im Ergebnis schieße die Caritas bei einem Gesamtaufwand von 80 000 Euro jährlich 42 000 Euro aus Eigenmitteln zu, um diese Beschäftigung zu sichern, im Wesentlichen, um einen Anleiter zu bezahlen, der ebenfalls nicht gefördert wird, wenn weniger als 20 Plätze vorgehalten werden.

Waren im Jahr 2005 noch 277 Euro pro Teilnehmer und Monat übernommen worden, seien es inzwischen noch 102,95, so Wolff, der zu diesem Thema schon Arbeitsminister Guntram Schneider zum Schättekopf eingeladen hatte. Vom Kern von Hartz IV sei nichts übriggeblieben, sagt der Caritas-Direktor, „weder fördern noch fordern“.

Die Problemlage ist natürlich auch im Jobcenter des Märkischen Kreises bekannt. „Wir brauchen einen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt“, sagt zum Beispiel Friedrich Hahne, Leiter des operativen Bereichs. Doch dies sei letztlich eine politische Entscheidung.

Kommunen zu arm für Eigenanteil

Im Grundsatz verfüge das Jobcenter über die Ressourcen. Doch das scheitere an der Vorgabe, dass für eine öffentlich geförderte Beschäftigung ein Eigenanteil des Trägers von 25 Prozent verlangt werde. Dazu seien aber immer weniger Verbände und Kommunen in der Lage. Weitere Kriterien seien, Zusätzlichkeit, Gemeinnützigkeit und die Vorgabe, dass keine Konkurrenz zur freien Wirtschaft aufgebaut würden, skizziert Hahne die Problemlage des Jobcenters in dieser Frage. - flo

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