„Captain Apple“ aktiv und wieder im Visier der Justiz

LÜDENSCHEID ▪ Ein bereits reichlich vorbestrafter gewerbsmäßiger Betrüger sorgt in Polizei- und Justizkreisen der Kreisstadt weiter für Aufsehen. Der 44-Jährige hat sich darauf spezialisiert, im Internet hochwertige Mobiltelefone und Computer zum Verkauf anzubieten – ohne die Geräte überhaupt zu besitzen. Zwei Verurteilungen vor dem Amtsgericht haben dem arbeitslosen Familienvater aber wohl noch nicht gereicht. Nach dem jüngsten Prozess – Urteil: ein Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung – sind nach LN-Informationen mehr als 40 neue Fälle ermittelt und zur Anzeige gebracht worden.

Unter dem Namen „Captain Apple“ hatte sich der Hartz-IV-Empfänger anfangs gelegentlich, dann regelmäßig in einem Internet-Auktionshaus getummelt. Es beginnt mit einem „geglückten“ Geschäft. Ein Kunde bestellt, bezahlt und wartet. „Ich hatte gehofft, mit dem Geld einen Computer besorgen und wieder mit kleinem Gewinn verkaufen zu können“, sagte er im Mai 2009 zu Amtsrichter Jürgen Leichter.

Und dann ging es in ganz großem Stil weiter. 19 000 Euro betrug der angerichtete Schaden. Ein Zeuge berichtete, nach der Überweisung nichts mehr von dem Verkäufer gehört zu haben. „Seine E-Mail-Adresse lautete ’lass-mich-in-ruhe@google.com’.“ Das Vorliegen einer Depression war vor zwei Jahren noch ein Grund, Milde walten zu lassen und dem Angeklagten eine Bewährungschance einzuräumen. Im vergangenen Jahr aber saß der Betrüger wieder vor dem Kadi. Diesmal zog die Mitleidstour nicht. Strafrichter Thomas Kabus versagte „Captain Apple“ die Bewährung. Dagegen ging der Lüdenscheider vor dem Landgericht Hagen umgehend in Berufung.

Dort ist das Verfahren nach wie vor anhängig. Die von Ermittlern, Staatsanwälten und Amtsrichtern oft kritisch bewertete Tendenz der Berufungsrichter, mildere als die bereits verhängten Strafen auszuwerfen oder Haftantritt in erneute Bewährung zu verändern, drohte auch diesmal. Aber das Bekanntwerden immer neuer einschlägiger Straftaten des „Captain Apple“ – inzwischen sollen es insgesamt fast 100 Fälle sein – lassen einen Berufungserfolg in weiter Ferne erscheinen. Ein entsprechender Hinweis der heimischen Strafrichter ist mittlerweile beim Berufungsgericht gelandet.

Der 44-Jährige treibt sein Unwesen LN-Informationen zufolge unbeeindruckt weiter, bietet teure Waren an, die er nicht hat, kassiert, was ihm nicht zusteht und bezieht Leistungen von der Arge. Wie es hieß, sei der Mann „aus gesundheitlichen Gründen“ schon mehrfach nicht zu Beschuldigtenvernehmungen bei der Polizei erschienen. Doch einem weiteren Gerichtsverfahren wird er sich nicht entziehen können.

Olaf Moos

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