Tatverdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern

"Cappuccino-Mörder" von Lüdenscheid sitzt wieder im Gefängnis

Lüdenscheid - Nach einem der spektakulärsten Indizienprozesse der zurückliegenden Jahrzehnte stand vor knapp 20 Jahren für das Schwurgericht Hagen fest: Guido W., damals 34 Jahre alt, hat am 7. Mai 1993 eine Arbeitskollegin in einem Lüdenscheider Galvanik-Betrieb mit einem vergifteten Cappuccino ermordet. Jetzt, gut fünf Jahre nach seiner Haftentlassung, sitzt der „Cappuccino-Mörder“ wieder im Gefängnis. Er steht unter dringendem Tatverdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Guido W. hat rund 15 Jahre in der Justizvollzugsanstalt Werl abgesessen. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ist er seit 2010 wieder auf freiem Fuß. 

Die Richter sahen es damals nach 23 Verhandlungstagen als erwiesen an, dass die Frau sterben musste, weil sie hinter illegale Goldgeschäfte des Angeklagten zu Lasten des Unternehmens gekommen war. Die Frau starb an einer Blausäure-Vergiftung.

Strafverteidiger Andreas Trode aus Iserlohn hatte dutzende von Beweisanträgen gestellt und einen Freispruch gefordert. Sein Mandant stritt den Mord bis zum bitteren Ende ab – vergebens.

Nach Entlassung aus Lüdenscheid nach Iserlohn gezogen

Das sieht nach den Worten von Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli nun anders aus. Der heute 54-jährige Ex-Lüdenscheider, der nach seiner Haftentlassung nach Iserlohn gezogen war, habe sich bereits „geständig eingelassen“, so der Oberstaatsanwalt. 

Demnach hat Guido W. sich im Nordkreis zweimal an einem neunjährigen Jungen vergangen. Er soll die Taten im November 2015 und kurz vor seiner Inhaftierung im Januar dieses Jahres begangen haben. Weitere Details gibt die Staatsanwaltschaft Hagen nicht preis.

Pädophilie in Hemer-Frönsberg behandeln lassen

Bereits in seinem Mordprozess vor 20 Jahren war der Angeklagte mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert worden. Er soll unter anderem mit einem kleinen Jungen aus Lüdenscheid in einem Waschraum des Galvanik-Betriebes zusammen geduscht und sich sexuell an ihm vergangen haben. Die Vorwürfe wurden aber nicht konkretisiert, weil sie auch nicht Bestandteil der Mordanklage waren.

Nach LN-Informationen hat sich der verurteilte Mörder nach der Entlassung aus dem Gefängnis mindestens einmal selbst in Hemer-Frönsberg in die Hans-Prinzhorn-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie einweisen lassen, um seine Pädophilie behandeln zu lassen – offensichtlich ist die Therapie gescheitert.

Auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern steht eine Mindeststrafe von zwei Jahren.

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