Cannabis-Plantage in Lüdenscheider Wohnung

Kiloweise Drogen in der Wohnung - und alles fing mit Rückenschmerzen an

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Diese Plantage entdeckte die Polizei im August 2017.

Lüdenscheid - Zwei alte Kumpel, der eine Handelsvertreter und der andere Energieberater, hielten sich eine Cannabis-Plantage in einer Lüdenscheider Wohnung. Jetzt standen beide vor Gericht. Dort erzählten sie offen, wie es dazu kam. Eine kuriose Geschichte.

Das Schöffengericht hat eine Reihe von Zeugen vorgeladen – und vorsorglich zwei Prozesstage anberaumt. Doch die Hauptverhandlung ist nach drei Stunden beendet. Die beiden Angeklagten, 53 und 54 Jahre alt, Energieberater der eine, freier Handelsvertreter der andere, packen schnell aus.

Die Beweislage ist deutlich. Sie hatten in einer leeren Wohnung an der Werdohler Straße eine Cannabis-Plantage angelegt. Nachbarn haben die Polizei gerufen. Es riecht süßlich im ganzen Haus. Die Beamten sind bis zum Abend damit beschäftigt, die verbotenen Pflanzen auszugraben und sicherzustellen. Ein Chemiker des Landeskriminalamtes untersucht den Fund. Es sind getrocknete Blätter und Blüten dabei, haufenweise Stecklinge und ein Sack voll frischer Stängel – insgesamt 7,3 Kilo brutto.

Der Mieter der Wohnung ist der Handelsvertreter, ein Mann aus Hamburg. Er sagt, er habe die Wohnung angemietet, um auch in NRW Geschäfte mit Supermärkten zu machen und Hotelkosten zu sparen. „Aber aus dem Vorhaben wurde nichts.“ Die Wohnung bleibt ungenutzt – zunächst. Denn „aus einer Bierlaune heraus“ fassen die beiden Freunde, beide ohne Vorstrafen und seit 30 Jahren miteinander befreundet, einen Entschluss.

Die Cannabis-Zucht kostete viel Geld

Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn fasst das Tatmotiv in einem Satz zusammen: „Bevor wir irgendeinen Mist auf der Straße kaufen, bauen wir lieber selbst an.“ Es gibt Anfangsprobleme. Das „Gras“ gedeiht nur zögerlich, vertrocknet oder verschimmelt. Doch nach und nach werden die Ernten ertragreicher. Dafür explodieren die Kosten. Miete, viel Strom, viel Wasser und das ganze Aufzuchtsortiment für rund 5000 Euro – alles zu teuer.

„Da haben wir geplant, Teile der Ernte zu verkaufen“, sagt der Energieberater, ein Mann aus Nachrodt-Wiblingwerde. So kommt es zu einer Anklage wegen Handels mit Drogen in nicht geringer Menge. Die beiden Verteidiger, Dr. Frank Nobis und Marc N. Wandt aus Iserlohn, schaffen es, das Gericht unter Vorsitz von Amtsrichter Andreas Lyra und den Vertreter der Anklage zu einer Verständigung zu bewegen: volles Geständnis gegen eine Freiheitsstrafe zur Bewährung und eine Geldauflage. Zwei Jahre für den Handelsvertreter, 20 Monate für den Energieberater.

Einer der beiden ist anerkannter Schmerzpatient

Der hatte aus seiner Sicht immerhin einen plausiblen Grund für die Aktion: wahnsinnige Rückenschmerzen. „Ich bin in Behandlung, seit ich ein kleiner Junge war.“ Irgendwann habe er gemerkt: „Cannabis hilft.“ Doch laut Dr. Nobis ist der 53-Jährige nun nicht mehr „auf die Illegalität angewiesen“, um schmerzfreier zu leben. „Mein Mandant ist nun anerkannter Schmerzpatient.“

Nun gibt’s für ihn Cannabis auf Rezept, 100 Gramm pro Monat, das reicht für drei Joints am Tag. Sein Komplize hat aufgehört zu kiffen und eine Therapie absolviert. Er sagt: „Das war der größte Fehler meines Lebens.“ Das „Gras“ wird beim LKA vernichtet.

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