Sexuelle Nötigung

Mann hört Stimmen und vergreift sich an Frau in Sparkasse im MK

Symbolbild Justitia mit Waagschalen
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Ein Busengrapscher kam vor Gericht

Hagen – Weder vor noch nach dem 22. August 2018 fiel ein heute 55-jähriger Lüdenscheider in strafrechtlicher Hinsicht auf. Doch an jenem Tag war er völlig von der Rolle: Im Vorraum der Sparkasse an der Glatzer Straße umklammerte er eine heute 67-jährige Zeugin und „knetete“ – so die Anklage – ihre Brüste über und unter der Kleidung.

Bei einer derart merkwürdigen Straftat stellte sich die Frage nach dem Geisteszustand des sprachlich und gedanklich extrem verlangsamten Angeklagten. Der psychiatrische Gutachter Bernhard Bätz schloss bei einer früheren Verhandlung im Amtsgericht Lüdenscheid nicht aus, dass der Angeklagte im Zustand aufgehobener Schuldfähigkeit handelte. Über die mögliche Unterbringung eines nicht schuldfähigen Angeklagten darf aber nur eine Kammer des Landgerichts entscheiden. Und so verwies das Amtsgericht die Sache an die 1. große Strafkammer des Landgerichts.

Das Beweismaterial aus den Überwachungskameras der Sparkasse und die Aussage der Belastungszeugin ließen am Donnerstag keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte die Seniorin an jenem Tag sexuell genötigt hatte. Auch der Angeklagte erinnerte sich noch. Seine schizophrene Vorerkrankung zeigte sich in der Antwort auf die Frage, ob er in jener Situation „Stimmen gehört“ habe: „Ja!“ Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz fragte weiter: „Was haben die Stimmen gesagt?“ Die Antwort verblüffte: „Nichts!“

Busengrapscher hört Stimmen: Eindeutige Beweise

Die Antwort hatte erhebliche Folgen für den weiteren Fortgang des Verfahrens. Der Psychiater sah wegen der Schweigsamkeit der psychotischen Stimmen keinen Anhaltspunkt dafür, dass diese dem 55-Jährigen die Tat eingeflüstert hatten. Damit war ein Freispruch wegen einer möglichen Schuldunfähigkeit vom Tisch. Alle Beteiligten machten deutlich, dass die Tat auch bei einer angenommenen Unzurechnungsfähigkeit des Angeklagten nicht die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Klinik gerechtfertigt hätte.

So blieb letztlich eine „normale“ sexuelle Nötigung übrig, bei der die Richter davon ausgingen, dass der Angeklagte noch gewusst hatte, was er tat. Dafür sprach auch sein längeres Verweilen im Vorraum der Sparkasse, das die Seniorin dazu veranlasst hatte, ihre Abhebung abzubrechen und zu gehen. Eine der beiden Türen nach draußen öffnete sich allerdings nur zeitverzögert, sodass der Angeklagte sie noch erreichte. Sie habe geschrien und sei hingefallen, als sie den Unhold abwehren wollte, erzählte die Zeugin. „Er hat mich festgehalten. Ich konnte nicht weg.“ Auf ihr Geld habe er es nicht abgesehen. Schmerzen, Verletzungen oder Hämatome habe sie nicht erlitten. Sie gehe aber nicht mehr in diese Sparkassenfiliale. „Ich beobachte mehr.“

Die Richter verurteilten den Angeklagten letztlich wegen eines „sexuellen Übergriffs mit Gewalt“ zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage muss er der Zeugin 500 Euro zahlen.

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