Bürgermeisterwahl Lüdenscheid: Olaf Knuth (parteilos) im Porträt

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Olaf Knuth rechnet sich Chancen aus. Bei den Kommunalwahlen am 13. September will der Ex-Krankenpfleger ins Rennen um das Bürgermeister-Amt eingreifen.

Lüdenscheid – Sei es die Dauerbaustelle Rathaustunnel, seien es die Ampelschaltungen, die Höhe von Grundbesitzabgaben oder mangelnde Sicherheit und Sauberkeit oder die Ausstattung in Feuerwehr und Pflegeberufen.  Wenn Olaf Knuth einmal anfängt, ist er kaum zu stoppen.

Jetzt hat sich der parteilose Lüdenscheider, 64 Jahre alt und Krankenpfleger im Ruhestand, in den Kopf gesetzt: „Ich will Bürgermeister werden.“ Der Anlass für sein Engagement ist schnell erzählt. Beim Grillen im Garten sagte ein Nachbar vor ein paar Monaten zu ihm: „Ey, du kannst nicht immer nur meckern! Du musst auch mal was machen!“ 

So wurde die Idee geboren. Abseits der etablierten Parteienlandschaft und geschliffener Wahlversprechen, nicht in philosophischen Höhen, sondern in einer Doppelhaushälfte am Buckesfelder Kopf, in der vollen Absicht: „Ich weiß, dass ich nicht alles durchsetzen kann, aber ich will es wenigstens versuchen.“ Das Projekt Kandidatur bei Kommunalwahlen, anfangs eine eher nebulöse Idee, nimmt Gestalt an, als Olaf Knuth sich im Rathaus erkundigt, was er anstellen muss, um im Rennen um das Bürgermeister-Amt mitmachen zu können.

Genug Unterschriften gesammelt

Im März, erinnert sich der 64-Jährige, drückte ihm der Chef des Wahlamtes, Wolfgang Padur, einen Stapel Bögen in die Hand – für das Sammeln von Unterstützerunterschriften. Der Kandidat macht sich ans Werk. Knuth: „Ich habe in meiner erweiterten Nachbarschaft am Buckesfeld Klinken geputzt, ich habe vor dem Rewe-Markt an der Kölner gestanden und sogar zwei Tage auf dem Rathausplatz.“ 

Wie er Passanten ansprechen kann, ohne sie gleich abzuschrecken, hat er sich vorher zurechtgelegt. „Guten Tag, mein Name ist Olaf Knuth, und ich möchte Bürgermeister werden. Würden Sie mich mit Ihrer Unterschrift unterstützen?“ 240 Unterschriften braucht er, um als Kandidat zur Wahl zugelassen zu werden. Die Unterzeichner müssen in Lüdenscheid gemeldet und wahlberechtigt sein. 244 kriegt er zusammen und reicht sie im Wahlamt ein. Wenige Tage später bekommt Olaf Knuth eine E-Mail aus dem Rathaus. Wolfgang Padur schreibt, er werde dem Wahlausschuss empfehlen, ihn zur Wahl zuzulassen. Die erste Hürde ist genommen.  

Er rechnet schon damit, dass es wohl nichts wird mit dem hohen Amt, sagt der Wahlkämpfer. Sollte er es trotzdem schaffen, bekämen die Lüdenscheider einen Bürgermeister mit einem klaren Ziel: „Ich möchte probieren, allen möglichst gerecht zu werden und den goldenen Mittelweg zu finden.“ Das klingt nach Kompromissbereitschaft. Doch in Sachen Verschwendung von Steuermitteln, in Sachen Grüne Welle für Autofahrer oder Förderung regenerativer Energien, da will Knuth keine Zugeständnisse machen. Er sei zwar „kein großer Redner und kein Akademiker“, sagt der Lüdenscheider über sich. „Ich bin ein erfahrener Krankenpfleger a. D. und weiß, was der kleine Mann von der Straße möchte, denn ich bin selbst einer.“ 

Mit sechs Wochen nach Lüdenscheid 

Kandidat Olaf Knuth ist gebürtiger „Ossi“, kam in Magdeburg zur Welt. „Und als ich sechs Wochen alt war, nahmen meine Eltern mich unter den Arm und gingen in den Westen.“ Die Familie landete nicht zufällig in Lüdenscheid. Olafs Onkel Heinz Märtens war Chef des Rechnungsprüfungsamtes im Rathaus. Nach einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann arbeitete er im Kaufhof, wurde zur Bundeswehr eingezogen und arbeitete danach in einem Industriebetrieb. 

1991 legte er in Hellersen sein Krankenpflege-Examen ab. Vor etwa 25 Jahren begehrte Olaf Knuth empört gegen die Politik des damaligen Gesundheitsministers Horst Seehofer auf und sammelte an zwei Samstagen in der Innenstadt mehr als 3000 Unterschriften. „Leider“, sagt er, „hatte die Aktion nicht den gewünschten Erfolg“. Ob er mit seinem Projekt Kandidatur mehr Glück hat, wird sich am 13. September zeigen.

Die Mitbewerber um das Bürgermeisteramt in Lüdenscheid: 

Zu Besuch bei Sebastian Wagemeyer, SPD

Zu Besuch bei Christoph Weiland, CDU

Zu Besuch bei Jens Holzrichter, FDP

Das ist der NPD-Kandidat Stephan Haase

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