Resümee nach dem Hochwasser

Bürgermeister über Flut und die Folgen: „Sind mit blauem Auge davongekommen“

Mann und Mauerreste
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Schlossherr Gabriel von dem Bussche steht nach der Flut in den Trümmern der einstigen Sperrmauer des Schlossgrabens.

Das Resümee des Bürgermeisters nach der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli klingt emotional. „Ja, die Flut hat uns getroffen.“ Doch im Hinblick auf die Auswirkungen in Altena oder Werdohl oder Hagen empfindet Sebastian Wagemeyer „eine gewisse Demut“, wie er am Mittwochabend im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz sagte.

Lüdenscheid - „Lüdenscheid ist mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Die Höhe der Schäden allein im öffentlichen Bereich schätzt Wagemeyer aktuell auf mindestens vier Millionen Euro.

Nach Angaben des Bürgermeisters hat die Lüdenscheider Feuerwehr wegen der Flut insgesamt 163 Einsätze gehabt. Schwerpunkt war demnach der Ortsteil Brügge, aber auch in Wettringhof, Brüninghausen oder an der Parkstraße waren die Kräfte gefragt. Die weggerissene Sperrmauer am Schloss Neuenhof, die Sicherung des Galvanikbetriebs Wever an der Ahelle oder der in der Volme schwimmende hochexplosive Gastank bezeichnet Wagemeyer im Rückblick als die gefährlichsten Einsätze.

119 Anträge auf Soforthilfe aus Haushalten in Lüdenscheid

Nach aktuellem Stand haben 119 Lüdenscheider nach der Flut Anträge auf Soforthilfe des Landes gestellt, davon 71 aus Brügge. 80 der Anträge sind nach Worten des Bürgermeisters positiv beschieden worden, 39mal wurde die Soforthilfe abgelehnt. „Teilweise auch, weil Leute versucht haben zu betrügen.“ Bislang sind demnach knapp 400 000 Euro an Soforthilfen an Privathaushalte in Lüdenscheid ausgezahlt. 45 Anträge auf Soforthilfe sind aus Lüdenscheider Gewerbebetriebe gekommen, 40 davon hat die Landesregierung laut Wagemeyer bewilligt.

Der Brügger Kunstrasenplatz Winkhausen, direkt am Ufer der Volme, ist nach Angaben eines Gutachters als Totalschaden zu betrachten. Die Instandsetzung dürfte rund 600 000 Euro kosten. Allein die Entsorgung des Granulats wird nach Worten des Bürgermeisters „eine stattliche sechsstellige Summe“ verschlingen.

Aus Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Armin Laschet bei deren Besuch in Schalksmühle habe er zwei konkrete Zusagen mitgenommen, so Wagemeyer. „Es geht darum, öffentliche Aufträge für Instandsetzungsarbeiten zügig vergeben zu können – ohne langwierige europaweite Ausschreibungen.“ Die üblichen Verfahren sollen bis zum Jahresende ausgesetzt werden.

„Das ging an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus“

Außerdem sollen städtische Maßnahmen, für die Fördermittel des Bundes oder des Landes zugesagt sind, nicht gefährdet werden. Die Möglichkeit, die Abwicklung der Maßnahmen über die Förderfristen hinaus zeitlich zu strecken, sei unabdingbar, um öffentliche Projekte wie geplant verwirklichen zu können.

Bürgermeister Wagemeyer sprach den haupt- und ehrenamtlichen Kräften, die während und nach der Flutkatastrophe im Einsatz waren, seinen „ganz besonderen Dank“ aus. „Das ging an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus.“ Auch die Hilfs- und Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung sei „enorm“ gewesen.

Die Lüdenscheider Schäden über vier Millionen Euro sind im Vergleich zu Altena (60 Millionen) oder Erftstadt (120 Millionen) gering, so Wagemeyer. „Wir haben nur Sachschäden erlitten.“ Dass in Altena und Werdohl zwei Feuerwehrleute im Einsatz umgekommen sind – „darüber kann unsere Demut gar nicht groß genug sein“.

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