Bürgerforum: Gebetsabend zum Thema Extremismus

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Wie in den Vorjahren war der Gebetsabend im Bürgerforum gut besucht – Olaf Westmeier (vorne) begleitete die Veranstaltung gemeinsam mit Kristin Roeder musikalisch. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Zwei Menschen, die sich, von extremistischen Hassbotschaften motiviert, zusammentun, die bereit sind, in den Tod zu gehen: Ein solches Bild sorgt bei Bodo Becker, der von Berufs wegen an den Umgang mit Nachrichten aus extremistischem Umfeld gewohnt ist, für Besorgnis. Der Pressesprecher des Verfassungsschutzes war einer der Interviewpartner von Andreas Stawinski und Monika Deitenbeck-Goseberg beim überkonfessionellen Gebetsabend im Bürgerforum des Rathauses.

In Anlehnung an die aktuell dort gezeigte Wanderausstellung des Verfassungsschutzes stand der Abend im Rahmen der Allianzgebetswoche unter dem Titel „Extremismus – es betrifft mich“. Der Verfassungsschutz habe vor allem die Aufgabe einer Bestandsaufnahme, so Becker: „Wer tut was warum? Wer vernetzt sich mit wem?“ An solchen Punkten könne Prävention gegen extremistische Gewalt ansetzen und deshalb sei der Gedanke an zwei Menschen, die allein agieren, beängstigend: Eine so kleine Gruppe bemerke keine Behörde.

Pfarrer Johannes Broxtermann hatte in den Abend eingeleitet, in dem er auf die Macht der Überzeugung, ohne Manipulation und Gewalt, und auf die „Freiheit des Andersdenkenden“ verwies. Extremisten dagegen könnten sich nicht selbstkritisch zurücknehmen. Oft seien die vermeintlich Starken, die sich hinter solchen Ideen verbergen, „jämmerlich schwach“. Becker beschrieb die soziale Dimension von Extremismus, wenn Menschen sich in diesem Umfeld „stark und gut“ fühlen.

Weitere Gesprächspartner waren Bürgermeister Dieter Dzewas, Achim Riggert, Sprecher des interreligiösen Forums, und Inge Tempelmann, Lebensberaterin und Autorin des Buches „Geistlicher Missbrauch“. Sie äußerten sich über Formen und Gefahren von Extremismus und über Gegenmaßnahmen und Prävention. Dzewas erinnerte an Solidaritätsbekundungen als sofortige Gegenreaktion auf Handlungen mit möglichem extremistischen Hintergrund. Auch das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage wurde als Gegenpol zu Neonazi-Aufmärschen gegründet. Er hoffe, dass die Bereitschaft bleibe, so zu reagieren, „damit die lernen, dass es sich nicht lohnt, nach Lüdenscheid zu kommen.“ Riggert erinnerte unter anderem an die Verlegung der Bodenintarsie „Engel der Kulturen“, die ein Zeichen der Verständigung sein soll. Von Folgen geistlichen Missbrauchs sprach Inge Tempelmann. Das Gute auch in christlichen Kontexten könne eine „ungute“ Wirkung haben, wenn aus Respekt vor dem sonst Guten Schlechtes ertragen und geduldet werde.

Gebete an diesem Abend formulierten Kira Rottstock, Daniel Scharf, Mechthild Börger und Eckart Link. ▪ gör

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