Die Brutalität der Straßenschläger

LÜDENSCHEID ▪ Der junge Mann war wohl ein bisschen verliebt und hat sich in das Leben seiner Angebeteten eingemischt. Zum Beispiel passte ihm ihr Umgang nicht. Der „Umgang“ tauchte dann am Abend des 9. Juli in Form von zwei rabiaten Straßenschlägern am Grünewald auf und verpasste ihm eine Abreibung – weil das Mädchen es offenbar so wollte und die beiden aufgestachelt hat. Nun sitzt das Duo wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht.

„Ich war dabei, habe aber sonst nicht viel mitgekriegt“, sagt der eine (20). Und der andere, 21 Jahre jung, „möchte dazu nichts sagen“. Die Staatsanwältin schildert den Überfall auf den schlaksigen Leiharbeiter. Der erkennt die Lage und will schleunigst abhauen, aber seine Verfolger sind schneller, schlagen ihn zu Boden und bearbeiten ihn mit den Füßen. Gesicht und Körper werden getroffen, Prellungen und eine tiefe Kopfplatzwunde sind die Folgen.

„Einfach so losgedroschen?“, fragt der Vorsitzende des Gerichts. „Jou, wenn es so sein soll“, antwortet der 20-jährige, zuckt mit den Schultern und kann sein Grinsen kaum unterdrücken. Wegen räuberischer Erpressung, gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, illegalen Schusswaffenbesitzes, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Einbruchdiebstahls verbüßt er gerade eine Haftstrafe. 22 Monate hat ihm das Gericht im vergangenen Jahr aufgebrummt. Bis Juli 2014 bleibt er eingesperrt.

Rechtsanwalt Bernd Eisenhuth sagt: „Er braucht noch drei Monate mehr.“ Und fügt hinzu, dass das aus dem Mund eines Verteidigers „ja eher ungewöhnlich“ klinge. Doch der Grund dafür ist klar. Sein Mandant möchte in Kürze eine Elektrikerlehre im Knast beginnen. Und am besten auch im Knast abschließen.

Sein Komplize ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Körperverletzung, Diebstähle, Beleidigung, Sachbeschädigung und Unterschlagung gehen auf sein Konto. Das Jugendschöffengericht folgt dem Antrag von Staatsanwalt Bernd Maas und verurteilt ihn zu drei Wochen Dauerarrest. Der Häftling bekommt einen „Nachschlag“. Unter Einbeziehung des jüngsten Urteils muss er nun insgesamt zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Zeit genug, um seine Lehre zu absolvieren.

Olaf Moos

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