Für Kinder "fürchterlich"

Brutale Gewalt und Kreuzigung inmitten von Passanten auf dem Sternplatz

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Das Video zeigt die Kreuzigungs-Inszenierung auf dem Stern-Platz. 

Lüdenscheid - Eine nachgestellte Kreuzigung hat am Gründonnerstag auf dem Sternplatz für Aufsehen und Kritik gesorgt. Die Schauspieler schreckten dabei auch vor expliziten Gewaltdarstellungen nicht zurück, um die Leiden Jesu Christi sichtbar zu machen.

Passanten kritisierten die Kreuzigung als „verstörend“ und „fürchterlich“. Verantwortlich für das Schauspiel ist die als evangelikal geltende Freie Christliche Jugendgemeinschaft (FCJG). Ein Video der Aktion wurde am Karfreitag auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. 

Auf eine Anfrage unserer Zeitung von Dienstag gab es bis Redaktionsschluss am Mittwoch keine Reaktion. 

Gefesselter Mann wird auf Sternplatz geschlagen

In dem Video ist zu sehen, wie zwei junge Leute vor der Gaststätte Hulda am Markt inmitten von Passanten einen Jesus darstellenden Bart-Träger zu Boden werfen. Dann reißen sie ihn wieder hoch. Auf dem Sternplatz angekommen, wird der gefesselte Mann mit Fäusten in den Magen und gegen den Kopf geschlagen. 

Schauspieler wird mit voller Wucht ausgepeitscht

Anschließend wird der am Boden liegende Darsteller ausgepeitscht. Schließlich wird ihm eine Dornenkrone aufgesetzt und der Heiland an ein Holzkreuz gebunden. Unweit der Hände hämmerten die Schauspieler Nägel ins Holz. Am Ende der Darstellung ist verhaltener Applaus von den Umstehenden zu hören. Das Video schließt mit einer Aufforderung zum Gebet. 

Unter dem Beitrag bei Facebook gibt es mehrere kritische Kommentare. Einer schreibt: „Freie Gewaltdarstellung in der Öffentlichkeit, das hat nichts mehr mit Religionsfreiheit zu tun.“ Eine Mutter ist entsetzt: „Sorry, aber ich finde, das geht gar nicht. So etwas so live zu erleben, ist bei uns Erwachsenen schon schockierend... Wie ein Kind das verpacken soll, steht auf einem anderen Blatt.“ 

"Es war für die Kinder fürchterlich"

Mehrere weitere Augenzeugen berichteten gegenüber unserer Redaktion, dass es vor allem „für die Kinder fürchterlich war“. Andere Internetnutzer verteidigen die drastische Darstellung der Jugendorganisation: „Was wäre denn, wenn das Realität wäre. Würde man dann seinen Kindern beibringen, wegzuschauen?“ 

Immer wieder kreuzen Passanten die Szenerie

Ob es allerdings für jeden eindeutig ersichtlich war, dass es sich um ein Schauspiel handelte, ist unklar. Das Video zeigt, wie die gesamte Zeit über immer wieder Passanten die Szenerie auf dem Sternplatz kreuzen.

FCJG hatte einen Jugendgottesdienst angemeldet

Nach Angaben der Stadt hatte die FCJG für Donnerstag lediglich einen „Jugendgottesdienst“ auf dem Sternplatz angemeldet. Auf die inhaltliche Ausgestaltung habe man keinen Einfluss, hieß es. Die Polizei wurde nicht informiert. Hier müssen allerdings Kundgebungen und Demonstrationen angemeldet werden. 

"Darstellung kann verstörend wirken"

Das sei im vorliegenden Fall nicht zwingend erforderlich gewesen, sagt Polizeisprecher Marcel Dilling nach Studium der Videosequenz. In diesem Fall wäre es nicht schlecht gewesen, wenn die Polizei vorab informiert worden wäre.

„Wenn man die Bilder anguckt, dann kann die Darstellung für Passanten, die nur flüchtig daran vorbeikommen, verstörend wirken und den Eindruck erwecken, hier würde etwas Unlauteres passieren“, meint der Polizeisprecher. 

Polizei wurde wegen eines Störers gerufen

In der Tat wurde die Polizei während der FCJG-Veranstaltung zum Sternplatz gerufen, allerdings nicht, weil es Beschwerden über die Kreuzigungs-Szene gab: Nach Polizeiangaben hatte ein Störer auf dem Sternplatz Teilnehmer einer kirchlichen Veranstaltung mit einer Wasserpistole bespritzt. Als die Polizisten eintrafen, hatte der Mann aber schon das Weite gesucht. 

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Das Ziel der FCJG ist auf der Homepage klar formuliert: „Jesus überall bekannt machen“. Dazu bespielen die Aktiven immer mal wieder den öffentlichen Raum in Lüdenscheid, meist ohne großes Aufsehen. Die Jugendgemeinschaft wertet die jüngste (Missionierungs-)Aktion auf dem Sternplatz daher auch als Erfolg. „Einige haben an Ort und Stelle Ja zu Jesus gesagt, andere sind geheilt worden oder haben die Kraft des Heiligen Geistes gespürt“, behauptet die FCJG auf ihrer Facebook-Seite.

Das ist die Freie christliche Jugendgemeinschaft

Die Freie christliche Jugendgemeinschaft wurde 1976 gegründet und versteht sich als „Lebens- und Dienstgemeinschaft“. Sie hat sich seitdem unterdem Einfluss des evangelikalen Predigers Walter Heidenreich zu einer Glaubens- und Missionsbewegung entwickelt. Zur FCJG gehören in Lüdenscheid mehrere Einrichtungen und Vereine, darunter Haus Wiedenhof.

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