Geldstrafe wegen Nötigung

Brummirennen endet vor Gericht

Lüdenscheid - Wer kennt das nicht: Zwei Brummis auf der Autobahnpiste, die mit einem minimalen Geschwindigkeitsunterschied um einen Platz an der Sonne ringen. Eher ungewöhnlich war es hingegen, dass ein solches Elefantenrennen auf der Autobahn 45 zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid zum Gegenstand einer Verhandlung vor dem Lüdenscheider Amtsgericht wurde.

Die Kontrahenten verbrachten am 23. Dezember zu dunkler Stunde und bei weitgehend leerer Autobahn mehrere Kilometer miteinander. Die Geschwindigkeitsangaben machten dies auch plausibel: 90 Stundenkilometer sei er dank seines Tempomats gefahren, erinnerte sich der 38-jährige Angeklagte, eine „89“ zeigte die ebenfalls von einem Geschwindigkeitsbegrenzer geregelte Tachonadel dem Fahrer des „überholten“ Lasters.

Äußerst knapp wieder eingeschert

Erst vor der Abfahrt Lüdenscheid-Süd und nachdem er ein Überholverbotsschild missachtet hatte, schaffte der Angeklagte es nach mehreren vergeblichen Anläufen, an seinem „Kontrahenten“ vorbeizuziehen. Doch er scherte derart knapp wieder ein, dass der Überholte eine Kollision nur durch Bremsen und das Ausweichen auf den Standstreifen verhindern konnte. Der Angeklagte soll im Vorüberziehen noch ein Feuerzeug angezündet haben, was weniger eine freundliche Geste als vielmehr ein hämisches „Und tschüss!“ bedeuten soll. „Ohne Sinn und Verstand“ nannte der Überholte das ganze Manöver und versicherte im Gerichtssaal, dass ihm so etwas in seinen 22 Berufsjahren noch nicht passiert sei. Zur Illustrierung verglich er seinen „Elefanten“ mit einem Audi A6, der von einem Golf II herausgefordert worden sei.

Angeklagter bereits einschlägig vorbestraft

Nachdem der Angeklagte mit seiner „Güllepumpe“ vorbeigezogen und gefährlich knapp eingeschert war, forderte ihn der Zeuge durch Zeichen zu einem Gespräch an der Raststätte Sauerland auf. Stattdessen gab der 38-Jährige Gas. Der Zeuge wendete an der Autobahnabfahrt Lüdenscheid Mitte und erstattete an der gegenüberliegenden Raststätte Sauerland West Anzeige.

Amtsanwalt und Richter sahen jene Rücksichtslosigkeit, die mit dem Straftatbestand eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verbunden sein muss, als nicht erwiesen an. Der Angeklagte, der wegen diverser Verstöße gegen das Straßenverkehrsrecht vorbestraft war, wurde deshalb „nur“ wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt. Außerdem darf sich der Frankfurter drei Monate lang nicht ans Steuer eines Fahrzeugs setzen. - thk

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