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Brückenwächter versus B54-Ausbau: Scharfe Kritik an der Autobahn GmbH

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Von: Jan Schmitz

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Die Bahnunterführung an der B54 in Oberbrügge ist für eine Bundesstraße zu niedrig. Hier soll die Fahrbahn abgesenkt werden. Die Autobahn GmbH sieht in der B54 die beste Entlastungsmöglichkeit für die Umleitung in Lüdenscheid. Den Brückenwächter lehnt sie ab.
Die Bahnunterführung an der B54 in Oberbrügge ist für eine Bundesstraße zu niedrig. Hier soll die Fahrbahn abgesenkt werden. Die Autobahn GmbH sieht in der B54 die beste Entlastungsmöglichkeit für die Umleitung in Lüdenscheid. Den Brückenwächter lehnt sie ab. © Cornelius Popovici

Die Fronten zwischen der Stadt Lüdenscheid auf der einen und der Autobahn GmbH auf der anderen Seite verhärten sich – zumindest auf fachlicher Ebene. Im Bau- und Verkehrsausschuss kritisierte der städtische Verkehrsplaner die Sichtweise der Autobahn GmbH. Streitpunkt ist der Brückenwächter, der beim Ziel, den überregionalen Schwerlastverkehr aus Lüdenscheid herauszuhalten, für die Stadt alternativlos ist.

Lüdenscheid/Volmetal – Das Konzept des Brückenwächters hat die RWTH Aachen zusammen mit einer Softwarefirma entwickelt. Dabei werden Fahrzeugtyp, Fahrzeugklasse sowie das Kennzeichen mit Kameras erfasst. Der Fahrer wird dann an der letzten Möglichkeit zur Umkehr direkt angesprochen und auf das Durchfahrtsverbot hingewiesen. Der Stadt Lüdenscheid schwebt zum Beispiel in Fahrtrichtung Frankfurt ein Brückenwächter an der A45-Anschlussstelle Hagen-Süd vor. Ein Pilotprojekt in Wetter an der Ruhr im Jahr 2020 war nach wenigen Monaten wegen technischer Probleme beendet worden, jedoch reagierten 80 Prozent der Lkw-Fahrer auf das Durchfahrtsverbot und kehrten um.

„Wenn es ein durchschlagendes Instrument gibt, mit dem der überregionale Schwerlastverkehr aus der Stadt herausgehalten wird, dann ist es der Brückenwächter“, betonte Fachbereichsleiter Martin Bärwolf. Er verwies auf 3 000 Lkw, die Lüdenscheid erspart bleiben könnten. Zum Vergleich: Täglich fahren seit der A45-Sperrung etwa zusätzliche 6 000 Lkw durch Lüdenscheid.

Die Ertüchtigung der B54 wird dazu führen, dass es mehr Fahrzeuge gibt, die beide Umleitungen nutzen.

Gordan Dudas, SPD-Ratsherr

Die Stadt setzt sich bereits seit Dezember für die Installierung eines Brückenwächters auf der A45 ein. Nachdem die ersten Reaktionen unbefriedigend gewesen waren, forderte die Stadt eine ausführliche Stellungnahme an, die inzwischen vorliegt. Darin verweist die Autobahn GmbH auf das Bundesfernstraßengesetz, nach dem ein Brückenwächter rechtlich nicht machbar sei. Zudem sei die Einhaltung der Durchfahrtsverbote vermutlich auch nicht kontrollierbar. „Es darf angenommen werden, dass die Rückweisung nicht befolgt und auch nicht geahndet werden kann“, heißt es in der Stellungnahme. Das Fazit der Autobahn GmbH: „Aus rechtlichen und praktischen Abwägungen heraus ist das vorgeschlagene System gleichfalls abzulehnen.“

Christian Hayer, Lüdenscheider Fachdienstleiter Verkehrsplanung, ist enttäuscht: „Das Schreiben enthält keine ablehnenden Argumente, die wir akzeptieren können. Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar.“ Zum Beispiel führt die Autobahn GmbH als Gegenargument an, dass mit einem Brückenwächter „nur reiner Transitverkehr beschränkt“ wird, also noch immer viele Lkw ins Stadtgebiet fahren würden.

Hintergrund ist ein 75-Kilometer-Radius, der laut Straßenverkehrsordnung Durchgangsverkehr definiert. Wer also Start oder Ziel in diesem Radius hat, den lässt der Brückenwächter durch. Allerdings geht es der Stadt in erster Linie darum, eben jenen Transitverkehr zu verhindern, der Lüdenscheid weiträumig umfahren könnte, es aus unterschiedlichsten Gründen aber nicht tut.

Statt in einem Brückenwächter sieht die Autobahn GmbH eine Entlastung Lüdenscheids ausschließlich in der Ertüchtigung der B54 zwischen Hagen-Süd und Lüdenscheid-Süd als Alternativstrecke, deren Umsetzung noch an der zu niedrigen Durchfahrt an drei Brückenbauwerken scheitere. Wie berichtet, soll die Fahrbahn an den Bahnunterführungen abgesenkt werden.

Die Sichtweise der Autobahn GmbH sorgte im Ausschuss für Kopfschütteln. „Wenn es zu einer Entlastung in Lüdenscheid käme, wird dort mehr Verkehr hineinfließen“, sagt Hayer. Das sieht auch SPD-Ratsherr Gordan Dudas so: „Die Ertüchtigung der B54 wird dazu führen, dass es mehr Fahrzeuge gibt, die beide Umleitungen nutzen. Die Autobahn GmbH muss lernen: Es gibt keine Lösung unterhalb der A45.“

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