Bauwerk für Bahnhofsgelände: Stadt verweigert Endabnahme wegen Mängeln

Brücke bleibt in Lagerhalle

Die vormontierten Elemente für die Brücke zwischen Bahnhofsgelände und Phänomenta lagern in einer großen Halle.

Lüdenscheid - Die Vorkommnisse um die geplante Brücke zwischen Bahnhofsgelände und Phänomenta entwickeln sich zur unendlichen Geschichte.

Denn ein Ende ist nicht abzusehen. Aktueller Stand: Die Brücke ist zwar so gut wie fertig – die Stadt Lüdenscheid ist aber nicht bereit, sie abzunehmen. Und dafür hat sie Gründe.

Rückblende: Ursprünglich sollte die Fußgängerbrücke bereits im vergangenen Jahr in Betrieb genommen werden. Dann wurde der Eröffnungs-Zeitpunkt immer wieder verschoben – von Ende Juni auf September 2015. Passiert ist bisher: nichts.

Jedenfalls vordergründig. Hinter den Kulissen gab es durchaus heftige Aktivitäten. Wie André Westermann, Sprecher der Stadtverwaltung, den LN auf Anfrage mitteilte, war eine Delegation der Stadt mit Vertretern des federführenden STL im Juli vor Ort bei dem Brücken-Hersteller, der Stahl-baufirma Rohlfing in Stemwede-Niedermehnen (Kreis Minden-Lübbecke). Dort lagert die „zu 90 Prozent vormontierte“ (André Westermann) Brücke in einer Halle. Aber 90 sind eben keine 100 Prozent. Das Deckblech, die sogenannte Auftrittfläche, sollte noch verschweißt werden, und die Lackierung fehlte.

Dieses Deckblech habe sich allerdings verzogen, erläutert André Westermann. Es sei augenscheinlich nicht nutzbar, da es stark schwinge. Und hier beginnen nun die Probleme. Während das mit der Planung betraute Stuttgarter Büro WSS der Ansicht sei, bei fachgerechtem Schweißen sei die Brücke durchaus voll funktionsfähig, sehen das sowohl die Stadt Lüdenscheid als auch die Firma Rohlfing anders. Das von den Stuttgartern vorgesehene Blech sei eindeutig zu dünn.

Ein weiterer Ortstermin beim Hersteller im September – nun waren auch ein Jurist und ein Statiker anwesend – brachte keine Annäherung, sondern nur die Feststellung des Statikers: „So geht’s nicht!“. Über eine Mängelbeseitigung durch Einschweißen zusätzlicher Stützen hätten sich Planer und Rohlfing nicht verständigen können. André Westermann: „Beide bewegen sich nicht mehr“.

Planungsbüro und Brückenbauer schieben sich laut Westermann nun gegenseitig den Schwarzen Peter zu, wer für die jetzige Situation verantwortlich sei. Für Stadtverwaltung und STL bedeutet das, dass sie nun ein Gutachterverfahren zur Klärung der Frage eingeleitet haben, bei wem die Schuld daran liegt, dass die Brücke nicht schon längst Bahnhofsgelände und Phänomenta miteinander verbindet. André Westermann: „Wir können die Brücke so jedenfalls nicht abnehmen. Das ist auch eine Frage der Gewährleistung bei später auftretenden Mängeln. Und wir wollten schließlich nie eine kräftig schwingende Brücke.“ Bis die Brücke aufgebaut ist, dürfte also noch viel Zeit vergehen.

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