"Brexit"-Folgen in Lüdenscheid

Warum der Engländer Robert Crossley jetzt auch Deutscher ist

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Robert Crossley

Lüdenscheid - Robert Crossley lebt in Lüdenscheid. Schon seit zwei Jahrzehnten. Er ist Engländer - und seit kurzem auch Deutscher. Warum, erzählt er hier.

So langsam drängt die Zeit. „Nach dem Austritt aus der EU können britische Staatsangehörige grundsätzlich nur eingebürgert werden, wenn sie zuvor die britische Staatsangehörigkeit aufgegeben haben“, zitiert Bürgeramtsleiter Wolfgang Padur aus einem einschlägigen Erlass. Am 29. März will Großbritannien die EU verlassen.

Der Lüdenscheider Robert Crossley hat seinen persönlichen Exit schon vollzogen: Er ist seit diesem Jahr Deutscher. „Ich bin jetzt in ein Alter gekommen, wo das Wählen wichtig ist“, sagt der 49-Jährige zu seinen Beweggründen. Der Niederlassungsleiter bei einem Duisburger Logistikunternehmen reist viel und gerne. Der Job führte ihn nach China, Saudi Arabien, Dubai. Nach dem Brexit hätte er mit englischem Pass durch den „Non-european“-Gang am Flughafen gehen müssen, seine Frau durch den „European“-Gang.

„Jetzt ist die richtige Zeit“, hat er sich gedacht. Denn: „Deutschland braucht meine Unterstützung auch bei den Wahlen. Was letztes Jahr passiert ist, war unter aller Kanone. Und kein Engländer weiß, wie es zukünftig weitergeht.“ Geboren in Bury, Manchester, war er ein Soldatenkind. Der Vater war in Deutschland stationiert, er selbst heiratete eine Deutsche, hat drei Kinder aus 1. Ehe, „alle sind Deutsche“.

Crossley lebt seit 20 Jahren in Lüdenscheid

Er lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland, seit 1998 in Lüdenscheid. „Ich habe meine Wurzeln hier gefunden. Ich bleibe auch hier, alles ist gut.“ Auch der Vater, Mitte 70, hat sich mittlerweile einbürgern lassen. Da lag es nahe, diesen Schritt endlich auch zu tun. Die Schwester lebt noch in England. Er selbst macht nach wie vor gerne Urlaub auf der Insel, vor allem in Schottland.

„Vor zwei Wochen war ich in England.“ Mit dem neuen Personalausweis. „Ich wollte gucken, ob das wirklich klappt“, sagt er und grinst. Es hat geklappt. 590 Euro und sieben Monate hat er investiert, um Deutscher zu werden. Den Sprachtest B-1 hat er absolviert, sich Hintergrundwissen zur deutschen Geschichte angeeignet und den Einbürgerungstest bestanden. Im Sommer gab’s die Urkunde vom Bürgermeister – das war’s. Einen großen Ansturm verzeichnet die Stadt nicht. Aktuell liege, so sagt Wolfgang Padur, noch ein weiterer Antrag vor.

Das Herz schlägt im britischen Takt

Robert Crossley sagt: „Ich habe noch einen englischen Freund in Werdohl, der hat’s auch gemacht.“ Seine Freunde haben ihm zur doppelten Staatsbürgerschaft ein deutsch-britisches T-Shirt geschenkt. Die Queen winkt nach wie vor huldvoll vom Schreibtisch den Besuchern zu. Das Beste beider Länder lässt sich gut kombinieren, findet Robert Crossley. „Ich bin der einzige mit fünf Sternen“, sagt er mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft. Da schlägt das Herz noch ganz im britischen Takt, räumt er ein. Er ist seinem Geburtsland nicht böse, nur der Politik.

„Das ganze Theater“ um den Brexit habe ihn genervt. „You can’t have your cake and eat it“, sagt der gelernte Koch. Man kann nicht alles haben: Den Kuchen behalten und gleichzeitig essen. Da wir gerade beim Essen sind: Lamm mit Minzsoße, gequetschte Erbsen, Fish and Chips – das mag der „Kartoffelfreak“ so gerne wie Braten und schöne dicke Soße. Den Brexit-Ärger lässt er sich nicht auf den Magen schlagen. Über den Ausstieg selbst hat er übrigens nicht mit abstimmen dürfen: „Ich war schon zu lange aus England weg.“

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