Bremecker Hammer: Gäste reisen ins Mittelalter

LÜDENSCHEID ▪ Hinter dem Eingangstor des Bremecker Hammers schien die Zeit stillzustehen. In mittelalterliche Kostüme gewandete ehrenamtliche Helfer waren umgeben von kleinen und großen Besuchern. Geboten wurde aus Anlass des 30-jährigen Bestehens des Schmiedemuseums eine Erlebnisreise ins Mittelalter mit vielen Stationen.

Gleich im Eingangsbereich erwartete die Gäste ein selbst gebauter Rennofen. Ein Unikat, das der ehrenamtliche Helfer Bodo Reinhardt in vielen Stunden gebaut hatte. Aus Ziegelsteinen und mit einem Lehm-Stroh-Sand-Gemisch ummauert, wurde darin nach mittelalterlichem Vorbild Raseneisenerz in Eisenluppe verwandelt. Die aus dem Ofen rinnende Schlacke verriet, dass der Name Rennofen von „rinnen“ stammt.

Fast vergessene Handwerkskunst

Gleich nebenan zeigte Peter Broich an seiner typisch mittelalterlichen, mobilen Schmiedestation, wie es dann weitergeht: Die Eisenluppe wurde erhitzt und unter Hammerschlägen auf dem Amboss geformt, später mit einer Messingbürste abgerieben und mit Bienenwachs vor Rost geschützt. Immer wieder schürte Broich das Feuer mit einem großen Blasebalg, beantwortete Fragen der Kinder und Erwachsenen und zeigte geduldig eine alte – fast vergessene – Kunst. Die so gefertigten kleineren Gegenstände konnten erworben werden, Hufeisen und Flaschenöffner zum Beispiel.

Im Gebäude des Bremecker Hammers ging die Zeitreise weiter. Sechs Gold- und Silberschmiede zeigten, wie sich das Edelmetall unter ihren Händen in ausgefallenen Schmuck verwandelte. Ringe, Armbänder, aber auch Kerzenständer und Kleiderhaken waren dabei. Es wurde gesägt, gebogen, gedreht und gefeilt, gebürstet und poliert. Auch hier entstanden Unikate, kleine handgefertigte Einzelstücke, die immer wieder Gäste anlockten.

Wie es bei den Wikingern zuging und welches Werkzeug sie benutzten, war ebenfalls zu sehen. In stundenlanger Arbeit entstand ein Schwert, das so genannte Wikinger Sax, mit dem damals auch Holz gespalten wurde. Auch hier wurde Eisen im Feuer zum Glühen gebracht und anschließend bearbeitet. Im Hof kochte in der Zwischenzeit ein Möhreneintopf, zubereitet in einem alten Kessel über dem Feuer. „Gabeln, Kellen und Hitzeregler sind alle in Handarbeit entstanden“, erklärten die Köche Stefan Holzapfel und Roger vom Schmerbecke. Hinter dem Namen des mittelalterlichen Mönches verbirgt sich Rechtsanwalt Roger Kämper, der die Freude an der mittelalterlichen Kochkunst in VHS-Kursen vermittelt. Holzapfel ist Galvaniseur von Beruf. Für die kleinen Gäste gab es neben der Goldwaschanlage eine Filzstation, in denen unter Anleitung Kugeln gefertigt werden.

30 freiwillige Helfer im Einsatz

30 freiwillige Helfer waren im Einsatz. Sie alle verbindet die Freude am gemeinsamen Schaffen: „Wir verdienen hiermit kein Geld. In dieser Arbeit steckt viel Herzblut und die Freude, eine alte Kunst immer wieder aufleben zu lassen“, berichtete Organisator Dietmar Conradt. Und diese Freude war allen Akteuren am Bremecker Hammer anzumerken.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare