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Breiter Widerstand gegen geplantes Neubaugebiet in Lüdenscheid

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Von: Sebastian Schmidt

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Vielleicht bald wieder eine Neubausiedlung in Lüdenscheid?
Vielleicht bald wieder eine Neubausiedlung in Lüdenscheid? © Sebastian Schmidt

Das Meinungsbild war im Grunde einheitlich. Beim ersten großen Treffen der neuen Bürgerinitiative gegen die Bebauung der Räther Wiesen und des Sportplatzes Höh kritisierten quasi alle Redner die städtischen Ansiedlungsideen. Mehr als 100 Besucher und Besucherinnen waren zu der Veranstaltung am Donnerstag in der Bierbaumer Apostelkirche erschienen.

Nur einer davon wandte ein, dass es „völlig daneben ist, jungen Familien ihr Häuschen im Grünen zu verwehren“ – eine isolierte Ansicht an diesem Abend. Alle anderen Bürger, die das Wort ergriffen, führten Umweltgründe, weitere Verkehrsbelastung und vor allem den „Niedergang Lüdenscheids“ gegen die kommunalen Bebauungpläne ins Feld.

Sascha Schäfer, Sprecher der Bürgerinitiative, moderierte die Runde. Seine Worte: „Wie wollen Argumente für und gegen das Projekt austauschen und auch die andere Seite anhören. Und dann wollen wir von der Stadt erfahren, wie weit die Planungen schon sind.“ Allerdings – nicht wenige Teilnehmer der Zusammenkunft fürchteten, dass die Stadt eine Bebauung der Räther Wiesen bereits klammheimlich beschlossen habe und die Sache trotz aller Bekundungen längst in trockenen Tüchern sei. Dazu Schäfer: „Das ist Spekulation.“ Seine Meinung zu den Bauabsichten: „Angesichts des Brücken-Desasters in Lüdenscheid, des Bevölkerungsschwunds, der hohen Baupreise und der Leerstände in der Innenstadt ist ein neues Baugebiet hier am Bierbaum Irrsinn.“ Und sein Appell an die Politik mit Blick auf die Räther Wiesen: „Lasst diese Wiese in Ruhe. Lasst uns diese Wiese.“ Dafür gab es viel Beifall aus dem Publikum.

Angesichts des Brücken-Desasters in Lüdenscheid, des Bevölkerungsschwunds, der hohen Baupreise und der Leerstände in der Innenstadt ist ein neues Baugebiet hier am Bierbaum Irrsinn.

Sascha Schäfer, Sprecher der Bürgerinitiative

Zur Einordnung: Die Räther Wiesen am Bierbaum und auch der angrenzende Sportplatz-Bereich Höh gelten bei der Bevölkerung traditionell als beliebtes Natur- und Naherholungsgebiet. Trotzdem gibt es seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, daran erinnerte auch Schäfer, immer wieder Anläufe, auf dem weitläufigen Areal Wohnhäuser oder auch Gewerbe zu realisieren. 2015 keimte dann in Anbetracht der Flüchtlingssituation der Gedanke auf, dort Flüchtlingsunterkünfte und auch Wohnhäuser zu errichten. Dazu kam es zwar nicht – womöglich auch wegen eines massiven Bürgerprotests. Im Zuge der damaligen Vorgänge wurden die Räther Wiesen jedoch im Flächennutzungsplan als Wohnbaufläche ausgewiesen – Voraussetzung für eine spätere Bebauung.

Dann passierte zumindest öffentlich wieder lange nichts. Bis die Politik das Vorhaben 2021 erneut zum Leben erweckte – obwohl das Bauen auf der grünen Wiesen wegen des Flächenverbrauchs da eigentlich schon als verpönt galt. Inzwischen ist für die Räther Wiesen und Sportplatz eine Bebauung mit bis zu 420 Wohneinheiten im Gespräch. Bis zum 10. Oktober soll feststehen, welches Planungsbüro mit einer Bürgerbefragung beauftragt werden soll. In der Folge dieser Entwicklung hat sich dann kürzlich besagte Bürgerinitiative formiert.

Die City verödet, Arbeitsplätze werden abgebaut, die Autobahn ist für Jahre gesperrt, die Menschen verlassen die Stadt. Es geht steil bergab. Da braucht niemand ein neues Baugebiet.

Anwohnerin am Bierbaum

Der klare Tenor bei der Versammlung: Das Geld für das Planungsbüro könne man sich sparen. Wie das gesamte Bauprojekt auch. Wegen der Vernichtung von Natur und dann noch mehr Autoverkehr. Vor allem aber deshalb, weil in Lüdenscheid kein Bedarf mehr für neuen Wohnraum bestehe. Das harte Urteil gleich mehrerer Bürger an diesem Abend: „Die City verödet, Arbeitsplätze werden abgebaut, die Autobahn ist für Jahre gesperrt, die Menschen verlassen die Stadt. Es geht steil bergab. Da braucht niemand ein neues Baugebiet.“ Eine Frau fasste es gar so zusammen: „Lüdenscheid ist mittlerweile das letzte Kaff. Wer zieht da noch hin?“ Da grummelte es dann aber doch in den Zuschauerreihen.

Immerhin, Grünen-Ratsherr Andreas Stach machte Anwohnern und Bürgerinitiative Mut: „Wenn es genügend Druck aus der Bürgerschaft gibt, lässt sich so ein Bauprojekt auch verhindern.“

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