Wohnhausbrand in Lüdenscheid

Brandstifterin: „Ich wollte eher mich umbringen, nicht die Nachbarn“

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Die Dachwohnung der Angeklagten brannte am Abend des 3. August komplett aus.

Lüdenscheid - Am Abend des 3. August stand ein Wohnhaus an der Düppelstraße in Flammen. Der Verdacht der schweren Brandstiftung richtete sich schnell gegen die Bewohnerin der Dachwohnung. Nun muss sich die 37-Jährige vor dem Schwurgericht verantworten.

Zum Auftakt des Prozesses gewährt die staatlich geprüfte Sozialhelferin den Richtern einen tiefen Einblick ins Leben eines heruntergekommenen Junkies. Alkohol, Marihuana und Amphetamin, „Speed“ genannt – das waren 20 Jahre lang ihre Lebensinhalte. „Ich war immer wach, ich hab’ nie geschlafen.“ 

Am Abend des 3. August brannte ihre Dachgeschosswohnung an der Düppelstraße aus. Zwei Nachbarinnen hätten in ihren Wohnungen ums Leben kommen können. Die Anklage lautet auf schwere Brandstiftung und versuchter Mord in zwei Fällen. 

Bericht über den Wohnhausbrand

Wie ein Geständnis klingt die Aussage der äußerlich gepflegten Frau nicht. Sie sagt Sätze wie „Ich wollte niemandem wehtun“ oder „Ich glaube, ich wollte eher mich umbringen, nicht die Nachbarn“. Doch bei der Rekonstruktion der Tat ist die 37-Jährige den Juristen keine große Hilfe. 

Ein Puzzle aus vagen Erinnerungen

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Beate Hartmann-Garschagen muss ein Puzzle aus vagen Erinnerungen, widersprüchlichen Angaben und Aktenvermerken zusammensetzen. Die Angeklagte, verteidigt von Rechtsanwalt Frank Peter Rüggeberg, hat ihre Aussage im Zentrum für Forensische Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn aufgeschrieben, wo sie derzeit untergebracht ist. 

Sie liest den Juristen vor. Demnach ist sie am Morgen des Tattages „wie immer schlecht drauf und gereizt“. Sie hat bei ihrem Lebensgefährten übernachtet. Dass sie seine Wohnung verwüstet hat, „daran erinnere ich mich nicht“. 

Der Tag beginnt mit „Speed“ und Jägermeister, „aber ich vertrug das einfach nicht mehr“. Manchmal habe sie Blackouts gehabt, „tagelang“. Sie geht zu ihrer Wohnung. Dort hat ein Bekannter die Nacht verbracht, jemand aus der Obdachlosen-Szene, „ich weiß nicht, wie der heißt“. 

„In meiner Wohnung war immer Chaos"

Weil die Schelle kaputt ist, hämmert sie vor die Tür. „In meiner Wohnung war immer Chaos, ich hatte nicht mal Lampen an der Decke, deshalb hatte ich immer Kerzen an.“ Sie besorgt sich noch mehr Drogen, kauft Jägermeister und Zigaretten, konsumiert, säuft, geht wieder nach Hause – „da stand schon alles in Flammen“. 

Statt die Feuerwehr und die Nachbarn zu alarmieren, „bin ich in die Stadt gegangen, nicht gezielt, einfach nur gegangen“, berichtet die Angeklagte. Als die Polizei sie aufgreift, weil sie am Rathausplatz „rumgepöbelt hat“, wie sie sagt, hat sie das Feuer nach eigenen Worten „schon wieder vergessen“. 

Sie kriegt einen Platzverweis, läuft zurück zur Düppelstraße, wo das Haus lichterloh brennt – und wird festgenommen. „Da hatte ich noch ‘ne große Fresse.“ 

Vorwürfe gegenüber der Polizei

Jetzt, im Gerichtssaal, bricht sie in Tränen aus, schaut zu ihrem Sohn im Zuschauerraum und schluchzt: „Ich bin eine gute Mutter.“ 

Fragen der Richterin zu Details darüber, wann oder in welchen Zimmern sie Kerzen angezündet hat, beantwortet die Frau fast stereotyp mit „Weiß ich nicht“. 

Gegenüber der Polizei erhebt sie Vorwürfe. Sie habe einen Anwalt verlangt, sagt sie. „Aber das haben die total ignoriert. Die haben das ausgenutzt, dass ich auf Drogen war.“ 

Dass sie behauptet habe, „die Hütte abgefackelt“ zu haben – „habe ich nie gesagt“.

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