Brandstifter-Prozess: Strafanträge von einem bis vier Jahre

Lüdenscheid - Zu einem Festival subtiler juristischer Unterscheidungen wurden gestern die Plädoyers im Prozess gegen zwei mutmaßliche Brandstifter. Den Grund dafür nannte Rechtsanwalt Rolf Holthaus in seinem Plädoyer: „Nichts Genaues weiß man nicht.“

Diese Feststellung hatte Gründe: „Wir haben gehört, wie dreist hier gelogen worden ist“, sagte Holthaus und Staatsanwalt Klaus Knierim ergänzte: „Ich habe den Eindruck, dass die Zeugen etwas gewusst haben, was sie nicht sagen wollten“, Zuvor hatte er in seinem Plädoyer ausgeführt, „dass hier nicht festgestellt werden kann, welche Einlassung der beiden Angeklagten zutrifft. Eindeutige Aussagen zur Urheberschaft bei den Bränden liegen nicht vor.“

Denn in der Tat hatten der 20-Jährige und der 22-Jährige sich gegenseitig der Brandstiftung bezichtigt, was Knierim in seinem Strafantrag nutzte: Durch die (von ihnen zugegebene) Beobachtung mindestens einer Brandstiftungshandlung des jeweils anderen hätten beide Angeklagte jeweils einen der Brände zumindestens billigend in Kauf genommen. Knierim plädierte angesichts der Schwierigkeit, einen oder zwei Täter für die zwei Tatorte zu identifizieren, für die Bestrafung beider als Mittäter. Unter Einbeziehung einer älteren Jugendstrafe von 21 Monaten gegen den 20-Jährigen Angeklagten beantragte er eine Gesamtjugendstrafe von vier Jahren. Von verminderter Schuldfähigkeit konnte er dabei nicht ausgehen: Ein Gutachter hatte zuvor beiden Angeklagten trotz der zuvor genossenen Drogen uneingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert. Gegen den 22-jährigen Angeklagten beantragte Knierim unter Einbeziehung zweier kleinerer Verurteilungen eine Haftstrafe von drei Jahren und elf Monaten.

Andreas Trode, Verteidiger des 22-Jährigen, hielt dagegen: „Die Argumentation des Staatsanwalts war gut, aber ich habe sie nicht verstanden.“ Das war übertrieben, denn Trode trug ähnlich sophistisch wie Klaus Knierim vor, dass sein Mandant allenfalls wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt werden könne, da er ja von dem durch seinen Kumpanen verursachten Brand gewusst und nichts dagegen unternommen habe. Im Ergebnis kam Trode auf eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung. Rechtsanwalt Holthaus plädierte für seinen Mandanten auf eine zweijährige Jugendstrafe auf Bewährung. - thk

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