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Brand im Mehrfamilienhaus im MK: Tatortfotos zeigen ein völlig verkohltes Bett

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Von: Thomas Krumm

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Feuerwehr
Aufmerksame Passanten verhinderten an der Schützenstraße Schlimmeres. (Symbolfoto) © David Inderlied/dpa

Papier und ein Kissen soll ein 29-jähriger Lüdenscheider am 2. April im Badezimmer und im Schlafzimmer seiner Wohnung an der Schützenstraße angezündet haben. Durch den Brand wurde die gesamte Wohnung unbewohnbar. Nur die Aufmerksamkeit von zwei Passanten, die gegen drei Uhr nachts die Feuerwehr alarmierten, verhinderte, dass das Feuer auf weitere Wohnungen übergriff.

Lüdenscheid - Im Landgericht wird seit Montag über die mögliche Unterbringung des Mannes in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus verhandelt. Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund eines Sachverständigengutachtens davon aus, dass der 29-Jährige die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben könnte. Der Beschuldigte äußerte sich nach der Verlesung der Antragsschrift noch nicht zu den Vorwürfen.

Zwei Zeugen berichteten, wie sie in der Nacht zum 2. April unterwegs waren und Rauch sahen, der aus einer Fensteröffnung quoll. Ihre zügige Meldung bei der Feuerwehr ermöglichte ein schnelles Eingreifen. Dabei ging es zunächst um die Frage, ob noch Personen in einer der Wohnungen des Mehrfamilienhauses waren. Erst nach der vollständigen Evakuierung öffneten die Feuerwehrleute die Wohnung und löschten die Brandherde ab.

Der Vorsitzende Richter Jörg-Weber Schmitz fragte einen der Brandbekämpfer nach der möglichen Weiterentwicklung des Feuers. Dieser konnte nicht ausschließen, dass das Feuer möglicherweise von alleine ausgegangen wäre. Hätte es sich aber weiterentwickelt und durch die Wohnungstür gebrannt, wären aber auch andere Wohnungen gefährdet worden.

Die Tatsache, dass es zwei Brandherde gab, sprach dafür, dass die Feuer absichtlich gelegt wurden. In diesem Sinne äußerte auch der Beschuldigte sich noch in jener Nacht gegenüber Polizeibeamten. Ein Zeuge zitierte den 29-Jährigen mit der Auskunft, er habe Papier mit einem Feuerzeug angezündet. Dies widersprach der von ihm bei anderer Gelegenheit geäußerten Behauptung, das Feuer sei durch den unachtsamen Umgang mit Zigarettenglut, also fahrlässig, entstanden. Laut Anklage soll er auch ein Kissen auf seiner Schlafcouch angezündet haben. Die Tatortfotos zeigen ein völlig verkohltes Bett im Wohn- und Schlafraum sowie einen zweiten Brandherd im Badezimmer. „Das kann nicht übergegriffen haben“, stellte der Vorsitzende Richter Christian Hoppe fest.

Flucht durch das verrauchte Treppenhaus

In der Brandnacht brachte sich der Beschuldigte ebenfalls vor dem Feuer in Sicherheit. Er war der Einzige, der mit dem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Seine Brüder und seine Eltern, die mit ihm im gleichen Haus wohnen, und weitere Bewohner konnten unbeschadet durch das leicht verrauchte Treppenhaus fliehen. Sie durften allerdings erst zwei Tage später in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Brandsachverständigen wollten zunächst die Folgen des Brandes für die Statik des Hauses prüfen.

Der Vater des Beschuldigten, gleichzeitig Eigentümer des Hauses, bezifferte die Kosten für die Beseitigung der Schäden in der Wohnung seines Sohnes auf 36 000 Euro. Allein 11 000 Euro habe die fachgerechte Beseitigung der Rußablagerungen gekostet.

Der Prozess wird am 8. November fortgesetzt.

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