Böser Brief gegen Engagement von Ehrenamtlern

+
Andreas Pomykaj und Klaus-Peter Berzbach (rechts) setzen sich innerhalb der Flüchtlingshilfe christlicher Gemeinden für Asylsuchende ein. Andreas Pomykaj erhielt nun einen Brief, in dem steht, dass Deutschland seine Bürger zugunsten der Flüchtlinge vernachlässige.

Lüdenscheid - Nicht jeder Bürger weiß das Engagement vieler Ehrenamtlicher für Flüchtlinge zu schätzen. Diese Erfahrung mussten jetzt Andreas Pomykaj und seine Frau Dorothea machen. Denn Dorothea Pomykaj erhielt in der vergangenen Woche einen Brief. Der Grundtenor: Deutschland vernachlässige sein Land zugunsten der Flüchtlinge.

Das Ehepaar Pomykaj engagiert sich seit mehreren Wochen innerhalb der Flüchtlingshilfe christlicher Gemeinden für die Asylsuchenden in der Notunterkunft am Raithelplatz.

Über das Engagement von Andreas Pomykaj, der innerhalb der Flüchtlingshilfe für die Arbeitsgruppe Fahrdienst zuständig ist und sich im Sachspendenlager einbringt, berichteten die Lüdenscheider Nachrichten erst kürzlich. Auch seine Frau brachte sich zu Beginn organisatorisch in der Flüchtlingshilfe ein, musste ihr Ehrenamt aber aus beruflichen Gründen zurückstellen.

Diese Hilfe für Flüchtlinge stößt offensichtlich anderen sauer auf. In dem Brief wurden zwei Namen als Autoren angegeben. Doch Andreas Pomykaj, der sich mit dem Brief an die LN wandte, zweifelt an der Echtheit der angegebenen Namen. Er ist sich sicher, dass sie den Brief aufgrund ihres Engagements für Flüchtlinge erhalten haben.

„Der Brief ist ein Zeichen dafür, dass die Stimmung im Land immer mehr zu Ungunsten der Flüchtlinge kippt. Die Argumentation der Verfasser ist äußerst plump und dumm und auch leicht zu zerpflücken“, sagt Pomykaj. Am besten habe ihm der Vorwurf gefallen, dass kein Land der Welt sein eigenes Volk mehr vernachlässige als Deutschland. „Also in Nordkorea kümmert sich der Staat sehr genau um seine Bürger. Möchten die Verfasser so etwas? Dieser Vergleich ist genauso plump wie das vorliegende Schriftstück“, macht Pomykaj deutlich.

Die durch die große Anzahl der Flüchtlinge hervorgerufenen Ängste und Schwierigkeiten seien nicht zu leugnen und vielleicht auch berechtigt. „Aber der Umgang mit ihnen soll bitte auf einem angemessenen Niveau diskutiert werden“, fordert Pomykaj.

Der 54-Jährige distanziert sich klar von der im Brief geäußerten Meinung und hält die Verfasser für „egoistische Feiglinge, die eine St. Florian-Politik betreiben“. Angst, dass nun etwas Schlimmeres passieren könnte, habe er nicht. „Meine Töchter sind groß und wohnen nicht mehr hier, daher kann mir keiner was. Wenn sie noch hier zur Schule gehen würden, wäre das aber anders.“

Nach der Berichterstattung in den LN habe er auch damit gerechnet, dass in diese Richtung etwas kommt. „Aber der Brief war an meine Frau adressiert, das hat uns gewundert. Meine Frau meinte zu dem Brief nur: ,Schmeiß weg!‘, und dann war sie fertig damit“, erzählt Pomykaj, der das Ganze aber auch noch innerhalb der Flüchtlingshilfe zum Thema machen möchte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare