Böschung am Jahnplatz bröckelt - Abhang kommt näher

Klaus Meier beim Ortstermin auf dem Jahnplatz. Für die Sicherung des Hanges sieht sich die Stadt nicht zuständig.

Lüdenscheid - Ein schöner, großer und gepflegter Garten liegt hinter dem Haus am Widukindweg. Bloß zum Spielen für Kinder taugt er nicht mehr. Denn der Abhang kommt näher. Es ist eine etwas skurrile Auseinandersetzung, die der Lüdenscheider Klaus Meier für die Erbengemeinschaft des Hauses auf der einen und die Stadt Lüdenscheid auf der anderen Seite führen.

Stein des Anstoßes ist der alte Steinbruch, die spätere Ziegelei am Jahnsportplatz, und eine Böschung, die fast senkrecht rund zehn Meter vom Platz bis zum Gartengrundstück am Widukindweg aufragt. An der Oberkante steht eine nicht allzu dichte Hecke und krallt sich in den Hang. Einige Wurzeln allerdings krallen nicht mehr, sondern schweben frei in der Luft. Der Hang, der der Stadt gehört, erodiert seit Jahren.

Aus Meiers Sicht ist das ein Unding. 2005 hatte er erstmals darauf hingewiesen, dass der Hang bröckele und es am Fuß gefährlich werden könne, wenn Steine ins Rollen kämen. Dierk Gelhausen vom Sportamt begutachtete die Situation – und unternahm nichts.

Fünf Jahre später fragte Meier nach. Damals sollte der Platz Familienspielplatz werden. Meier ging zur Bürgerinfo. Das werde gleich miterledigt, wenn die Bauarbeiten anliefen, versicherte ihm der zuständige Planer, Hans-Jürgen Badziura. Aus dem Familienspielplatz wurde bekanntlich nichts. Und aus der Hangsicherung auch.

2011 wurde die nächste Runde eingeleitet. Diesmal sprach Meier mit Peter Dilks, Abteilung Liegenschaften. Dilks war keineswegs der Auffassung, dass die Stadt den Hang zu sichern habe. Verursacher seien vielmehr die Eigentümer des Grundstücks, von dem aus Wasser Richtung Böschung versickere. Und offenbar „schiebe“ der Oberboden, erkennbar an schiefen Kantsteinen zur Hangseite. Ein Geologe jedenfalls bezeichne den Hang als „standfest“ bis auf Abbröckelungen und vermute einen „Gleitfilm“ auf dem Fels, der den Oberboden rutschen lasse.

Meier hält dagegen, dass die Erosion begonnen habe, als der Hang Gratis-Tribüne war in den 60er-Jahren, als im damaligen Stadion noch Fußballschlachten geschlagen wurden zwischen den Sportfreunden 08 und dem RSV Höh mit Tausenden Besuchern. Damals war sogar noch Platz vor der Hecke auf der Hangseite, wie es auch auf alten Karten zu erkennen ist. Und nach den Spielen hätte am Fuß der Böschung immer aufgeräumt werden müssen. Darum argumentiert Meier: „Die Stadt hat ihre Aufsichtspflicht versäumt.“ Seitdem wird das Grundstück vermessen. Zweimal im Jahr wird geprüft, ob der Oberboden „schiebt“. Das Ergebnis der Messungen ist bisher negativ.

Demnächst wird der Jahnplatz bebaut, unter anderem mit Wohnhäusern, einem Wohnheim des Johannes-Busch-Hauses und Wohnhäusern. Und der Hang bröselt weiter. 8,50 Meter breit ist das Gartengrundstück an der Schmalseite nach Plan. Unter den letzten Zentimetern des Maßbandes ist schon Luft nach unten.

Von Florian Hesse

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