Bodycams seit einem Jahr Begleiter der Lüdenscheider Polizeibeamten

Im Einsatz mit dem „dritten Auge“

Bodycam Polizei
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Allein der Hinweis auf die Bodycams hat in vielen Fällen eine deeskalierende Wirkung: Seit einem Jahr kommen die Geräte auch bei den Polizeibeamten der Lüdenscheider Wache zum Einsatz – wie sie es auf diesem Foto beispielhaft demonstrieren.

Seit einem guten Jahr ist die Bodycam, das kleine schwarze Gerät, ein ständiger Begleiter, kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Situation zu eskalieren droht und soll im besten Fall allein durch seine Anwesenheit für Deeskalation sorgen. 

Lüdenscheid - 14 Monate ist es her, dass in NRW die sogenannten Bodycams für Polizeibeamte eingeführt wurden. Von den damals bestellten 9000 Geräten gingen 170 in den Märkischen Kreis, 18 davon an die Lüdenscheider Wache. Mittlerweile können die Beamten an der Bahnhofstraße sogar auf 24 Geräte zurückgreifen. Allerdings: Nicht immer werden die Kameras auch genutzt, denn das Tragen der Bodycams ist freiwillig, jeder Polizist entscheidet selbst, ob er die Kamera zum Außeneinsatz mitnimmt oder nicht.

Während einige Kollegen derzeit noch auf das Tragen der Bodycams verzichten – sei es aus Gewohnheit oder möglicherweise aus Angst vor negativen Konsequenzen im Nachgang eines Einsatzes – , so ist die Bodycam für die Polizeikommissare Marie Duske, Alessandro Zappala und Antonio Esposito mittlerweile ein fester Bestandteil ihrer Ausrüstung, auf den sie nicht mehr verzichten möchten. Denn ihre Erfahrungen mit dem „dritten Auge“ sind durchaus positiv.

„Die Bodycam dient zum einen der Gefahrenabwehr, also auch der Deeskalation, zum anderen aber auch der Beweissicherung“, erläutern die drei Beamten. Und gerade in Letzterem sehen sie einen großen Vorteil. „Oftmals lassen sich Vorgänge in Einsätzen im Nachhinein nur schwer in Worte fassen und beschreiben. Vieles passiert sehr schnell und gleichzeitig“, erklärt Marie Duske. „Bilder hingegen lügen nicht“, verweist sie darauf, dass die Bodycam den Einsatz aus Sicht der Polizisten wiedergibt. „Und das ist super wichtig, um den Eindruck hinterher richtig wiederzugeben.“ Denn: Die Aufnahmen können auch als Beweismittel vor Gericht verwendet werden.

Allerdings gibt es beim Einsatz der Bodycams einiges zu beachten: So muss dem Gegenüber grundsätzlich angekündigt werden, wenn die Bodycams eingeschaltet werden. Heimliche Aufnahmen sind also unzulässig. Angefertigtes Videomaterial wird auf Servern gespeichert und anschließend von der Kamera entfernt. Nach 14 Tagen werden die Aufnahmen dann automatisch gelöscht, es sei denn, sie werden als Beweismittel benötigt.

Wie oft die Bodycams bislang tatsächlich in Lüdenscheid zum Einsatz gekommen sind, lässt sich nicht beziffern, weil es nicht erfasst werde, erklärt Polizeisprecher Christoph Hüls. Doch ob Platzverweise, Streitigkeiten, Ruhestörungen oder Besuchsrechts-Verletzungen – den drei Polizeikommissaren sind viele Einsätze in Erinnerung, bei denen sie auf die Bodycams zurückgegriffen haben. „Grundsätzlich muss man dies von der Einsatzdynamik abhängig machen, davon, wie sich eine Lage entwickelt oder wann eine Stimmung kippt“, erläutert Antonio Esposito. Und sein Kollege Alessandro Zappala ergänzt: „Im Laufe der Zeit entwickelt man, auch aufgrund seiner Berufserfahrung, ein Gefühl dafür, wann eine Situation brisanter werden könnte. Allerdings kann es durchaus auch vorkommen, dass man gar nicht mehr dazu kommt, die Bodycams einzuschalten, weil einfach alles schnell gehen muss.“

Grundsätzlich ziehen die drei Polizeikommissare jedoch ein positives Fazit, auch wenn sich die Hoffnung auf Deeskalation nicht immer bestätigte: „Es gibt Personen, bei denen der Verweis auf die Kameras tatsächlich beruhigend wirkt. Es gibt aber auch jene, die dadurch noch aggressiver werden. Beides ist möglich.“ Zudem komme es häufig vor, dass die Polizeibeamten gezielt auf die Bodycams angesprochen werden – „und die Reaktionen sind meist positiv. Deshalb sind die Kameras alles in allem eine gute Sache.“

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