111 Dinge (3): Blutspende - Kleiner Pieks, große Wirkung

LÜDENSCHEID - Der Duft frischer Reibekuchen weht über den Hof, Gelächter dringt durch ein gekipptes Fenster, ein junger Mann tritt aus der Tür und grüßt freundlich. Wer jetzt noch zweifelt, ist selbst schuld. Denn: Ein Blutspendetermin im DRK-Heim an der Hochstraße hat so gar nichts von ungeliebtem Arztbesuch oder monotoner Fließbandarbeit. Wer hier herkommt, ist mittendrin im Geschehen, das nicht nur Leben rettet, sondern auch Freude schenkt.

Von Corinna Bunte

Info

800 bis 1000 Spenden benötigt der DRK-Blutspendedienst West täglich, um zumindest einen Großteil der Anfragen von mehr als 130 Kliniken, Krankenhäusern und Arztpraxen der Region bedienen zu können. 280 000 Blutbestandteilprodukte werden jährlich in Hagen angefordert – dort, wo auch das Blut der Lüdenscheider Spender landet. Zu fast 50 Terminen ruft das DRK im Jahr die Bergstädter auf. Die nächsten Termine sind heute von 8.30 bis 14 Uhr am Kreishaus und am Freitag von 13.30 bis 16.30 Uhr in der türkisch-islamischen Gemeinde, Am Lehmberg 7. www.blutspendedienst.west.de

Bis zu 50-mal im Jahr ruft der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes zu Spendeterminen in Lüdenscheid auf, der größte Teil findet an der Hochstraße statt. 200 bis 300 Menschen, jung wie alt, sind es in der Regel, die an einem Tag hierher kommen. Freiwillig. Unentgeltlich. Und voll und ganz für die gute Sache. Auf die Frage „Warum spenden Sie?“ lautet die wohl treffendste Antwort: „Weil ich dann das gute Gefühl habe, ein Lebensretter zu sein.“ Denn alle vier Minuten braucht ein Mensch in Deutschland ein Blutprodukt. Und das lässt sich eben längst nicht künstlich herstellen. Zudem haben Mediziner immer mehr Möglichkeiten, Menschen zu helfen, beispielsweise in der Krebsbehandlung oder durch Organtransplantationen – aber eben nur, wenn ausreichend Blutkonserven zur Verfügung stehen.

Das Blut, das bei einer Spende entnommen wird, ist das so genannte „Vollblut“. Das setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen und kann daher auch zu verschiedenen Produkten verarbeitet werden, die dann ganz gezielt verabreicht werden: Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) werden beispielsweise bei großem Blutverlust, bei Operationen oder bei Blutarmut eingesetzt; Blutplättchen (Thrombozyten) helfen zum Beispiel Leukämiekranken während einer Chemotherapie; Plasma wird bei Gerinnungsstörungen benötigt oder als Ausgangsstoff für Arzneimittel verwendet. Ein halber Liter des vollen „Lebenssaftes“ wird jedem Spender entnommen – 150 Liter Vollblut kommen so in der Regel bei einem erfolgreichen Spendentermin zusammen. Gespannt, nervös und vielleicht etwas ängstlich sind alle, die zum ersten Mal Blut spenden. Doch neben der Sicherheit, einem Mitmenschen zu helfen, nimmt jeder auch etwas für sich mit: Die ärztliche Untersuchung vor der Spende, der persönliche Unfallhilfepass, die Bestimmung der eigenen Blutgruppe sind nur einige „egoistische“ Gründe, zur Spende zu gehen. Ein weiterer ist die Gemeinschaft. Denn nach der Entnahme freuen sich die DRK-Helfer darauf, die Spender bewirten zu dürfen. Hier trifft man sich, plaudert – und genießt das gute Gefühl ein Lebensretter zu sein.

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