Blumen-Eck dicht: Petra Helmig wandert nach Mallorca aus

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Bei der Arbeit hatte Petra Helmig Mallorca schon ständig vor Augen – auf dem Bildschirm. im Januar ist es endlich soweit: Sie folgt ihrem Mann auf die Insel. Ihr Blumengeschäft hat sie aufgegeben, einen Nachfolger konnte sie für den Standort nicht finden.

Lüdenscheid - „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.“ So hat Petra Helmig die Anzeige überschrieben, mit der sie ihren Kunden den Abschied von Lüdenscheid ankündigte. Die müssen Sträuße und Gestecke nun woanders kaufen, denn ihr Blumen-Eck am Staberg hat sie zum Jahresende abgeschlossen, um ins Land der Bougainvillea und Zitronen zu ziehen.

Denn ihr Blumen-Eck am Staberg hat sie zum Jahresende abgeschlossen, um ins Land der Bougainvillea und Zitronen zu ziehen. „16 Jahre träumen wir jetzt davon“, erzählt die 52-jährige Lüdenscheiderin. Damals hatten sie und ihr Mann sich nach dem Hausbau einen Erholungsurlaub auf Mallorca gegönnt, das schon Hochzeitsreiseziel gewesen war. Nach der Rückkehr „haben wir direkt unser neues Haus verkauft und wieder zur Miete gewohnt“. Vom Erlös haben sich die beiden dann ein Häuschen auf ihrer Insel gekauft, nicht weit vom Meer, mit kleinem Pool. Jetzt ist dieses Haus bezahlt und die beiden Töchter, 21 und 24 Jahre alt, sind mit der Ausbildung fertig, ihr Mann Hans-Jürgen (64) im Ruhestand. Der Zeitpunkt passt. Die Kinder hätten sich mit der Situation arrangiert, sagt die Mutter: „Die sagen: Die Eltern ziehen aus, nicht die Kinder.“ Die Töchter übernehmen die Mietwohnung, ihnen reicht Mallorca als Urlaubsinsel.

17 Jahre lang hatte die gebürtige Stuttgarterin das Blumen-Eck. Der Umgang mit den Kunden, die Eigenständigkeit, das alles hat ihr Freude gemacht. „Aber vor lauter Arbeit hier sieht man die Freunde auch nur zu den Feierlichkeiten“, hat sie gemerkt. Sie wird nichts vermissen, glaubt sie. Weil das Paar häufig auf Mallorca war, sind auch dort Freundschaften gewachsen. Spanisch versteht sie, zumindest „das Grobe“, und erste Kontakte hat die gelernte Gärtnerin schon für einen Nebenverdienst geknüpft. Lebenshaltungskosten seien viel geringer als in Deutschland, auch, weil man nur drei Monate heizen müsse. Eingekauft wird nicht in Touristenläden, sondern beim Bauern nebenan. Das Risiko, so findet sie, sei nicht so groß. Und wenn’s trotz allem nicht klappen sollte, kehren sie eben zurück. Dann haben sie’s zumindest versucht. Letztlich sind es nur zwei Flugstunden bis Mallorca. „Mein Mutter wohnt in Stuttgart, da brauchen wir viereinhalb Stunden.“ Wenn die Geschäftsaufgabe abgewickelt und die letzten Koffer gepackt sind, fliegt sie Ende Januar ihrem Mann hinterher. Die Kunden hätten die Schließung zwar bedauert, aber auch durchweg positiv reagiert. Das, was sie über die Jahre im Geschäft erlebt hat, auch an traurigen Ereignissen, hat sie letztlich in ihrer Entscheidung nur bestärkt. „Wenn wir mal in Rente sind“, hätten sie und ihr Hans-Jürgen immer gesagt. „Aber man hat doch nur das eine Leben.“

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