Blechschönheiten unterwegs im Sauerland

Auf dem Rathausplatz war nach der Sauerlandrallye das Ziel für die Oldtimer. Viele Neugierige freuten sich daran.

LÜDENSCHEID ▪ Der eine oder andere blieb auf der Strecke bei der 8. Oldtimer-Rallye, zu der der Lions Club für Samstag eingeladen hatte. Doch wer betagtes Blech bewegt, trägt’s mit Fassung, wenn der treue Gefährte ins Schlepptau genommen werden muss, weil ihn auf den letzten Metern die Kraft verlässt. Der Weg ist das Ziel.

Pokale – von den Lüdenscheider Nachrichten in reichlicher Zahl gesponsert – gibt’s letztlich nur für Merkmale wie Schönheit, Klassensieg, weiteste Anreise oder perfekte Aufgabenerfüllung. Geschwindigkeit ist nichts, Auftritt alles. Deshalb brach wohl auch der Fahrer eines BMW 507 – der Design-Ikone unter den zehn teuersten Oldtimern – allein mit seinem „Chinesen“ auf dem Beifahrersitz vom Startpunkt Busch-Jaeger Elektro am Freisenberg auf. Und entschwand irgendwann unterwegs mit eigenem Ziel in der maiengrünen Landschaft. Der „Chinese“, das Bordbuch mit genauen Tacho-Entfernungsangaben und Abbiegehieroglyphen ist unverzichtbar, möchte man auf vorgesehenen Rallye-Wegen Kontrollpunkte passieren, Aufgaben lösen, Zwischenziele erreichen und gegen 16 Uhr auf den Rathausplatz fahren.

8. Oldtimer-Rallye

75 Fahrzeuge wollten zugunsten des Hospizes im Amalie-Sieveking-Haus auf die Straße. Letztlich waren es einige weniger. Absagen in letzter Minute hätten das Teilnehmerfeld schrumpfen lassen, sagte Organisator Werner Hennig. Vielleicht war’s auch das Wetter, das den einen oder anderen Garagenwagen lieber ebendort verweilen ließ. Letztlich belohnten reichlich Sonnenschein, zauberhafte Fernblicke und von maiengrünen Wäldern gesäumte kurvige Strecken auf rund 130 Kilometern die Unerschrockenen. Ortschaften wie Himmelmert, Oberneger oder Kalberschnacke brachten Teilnehmern von Köln bis Herdecke den besonderen Sauerländer Charme nahe. Sie passierten Lister, Fürwigge und Oestertalsperre und pausierten gemeinsam auf Schloß Bamenohl in Plettenberg. Bis dahin hatten manche schon mehr gesehen als geplant, waren falsch abgebogen, forschen Irrfahrern gefolgt, hatten gedreht und zuletzt, an irgendeinem Kruzifix am Feldrand im Nirgendwo, aufgegeben.

Das war der Moment, als die besten Wünsche für Harmonie auf allen Sitzen abgerufen wurden, die’s zu Infos und Futtertüten beim Start gegeben hatte. Auf dass der Verlauf der Rallye weder Freundschaften noch Ehen nachhaltig beschädigen möge. Alles vergessen am Ziel, auf dem Rathausplatz, wo viele Bewunderer die alten Schätze und Schätzchen bestaunten. „Das waren schöne Autos“, erklärte der Vater dem Sohn ehrfürchtig. Das sind schöne Autos!

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