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Blackout-Szenario: MK bereitet sich für „länger andauernden Stromausfall“ vor

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Von: Jan Schmitz

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Droht in Deutschland und damit auch im Märkischen Kreis infolge der Energiekrise im Winter ein flächendeckender Blackout?

Lüdenscheid – Nein, sagt ein Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, der unter anderem die Überlandleitungen im Märkischen Kreis betreibt. Dessen ungeachtet bereiten sich die Katastrophenschützer beim Märkischen Kreis derzeit auf verschiedene Szenarien vor – eines davon ist der mehrtägige Ausfall der Stromversorgung vor Ort, wie Kreisssprecher Alexander Bange auf Anfrage bestätigte.

Ohne Strom bricht das öffentliche Leben binnen Stunden zusammen. Die Szenarien beim Märkischen Kreis beginnen daher bereits ab einem Ausfall-Zeitraum von drei Stunden. In den Krankenhäusern sind dann die Notstromaggregate angesprungen, Ampeln, Straßenbeleuchtung, Geldautomaten und Mobilfunknetz sind ausgefallen. Heizung und Trinkwasserversorgung daheim und die Zapfsäulen an den Tankstellen funktionieren nicht mehr. Gleichzeitig ist es schwierig, Informationen zur aktuellen Lage zu erhalten. Dies führt zu einer zunehmenden Verunsicherung in der Bevölkerung. Je länger der Stromausfall dauert, desto kritischer wird die Lage.

Blackout ist ein unkontrollierter Zusammenbruch des Stromnetzes über mehrere Tage

Der Märkische Kreis arbeitet daher wie viele andere Kreise mit einem Stufenplan. Kreissprecher Bange bestätigt, dass „im Bereich des Bevölkerungsschutzes und der Feuerwehr detaillierte Planungen und Konzepte“ für den Fall der Fälle vorliegen. Die Koordination des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes liegt bei der Bezirksregierung Arnsberg, die den Maßnahmenplan in enger Abstimmung mit den Kreisen entwickelt hat. „Eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Bezirksregierung befasst sich unter Beteiligung der Kreise mit einem möglichen länger andauernden Stromausfall“, berichtet Kreissprecher Bange von entsprechenden Vorbereitungen. Auf Kreisebene seien zudem „kreisweit bei verschiedenen Szenarien entsprechend betroffene kritische Infrastruktur identifiziert und angesprochen“ worden. Darunter fallen unter anderem die Krankenhäuser im Kreis, aber zum Beispiel auch das Brandschutz- und Rettungsdienstzentrum (BRZ) auf Rosmart.

Vorbereitungen für Stromausfall und Blackout im Märkischen Kreis

Nach Angaben von Alexander Bange steht die Kreisverwaltung bereits seit Monaten – seit Feststellung der Gasmangellage im Frühjahr – im engen Austausch mit der Bezirksregierung, der Kreispolizeibehörde und verschiedenen betroffenen Stellen. Dazu gehören auch Stadtwerke und Versorger. „Sollten entsprechende Szenarien eintreffen, sind so Ansprechpartner und Kommunikationskanäle bereits im Vorfeld eng abgestimmt. Auch die Identifikation von Schnittmengen und gemeinsamen Zuständigkeiten sowie der nötigen Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen war wichtiger Bestandteil aller Gespräche“, heißt es aus dem Kreishaus. In der Kreisverwaltung gibt es einen Einsatzplan Stromausfall, auf den im Notfall alle Beteiligten unmittelbar zugreifen können. Er wurde in diesem Jahr noch einmal aktualisiert.

Intern finden zudem verschiedene Gespräche mit den zuständigen Stellen und Fachdiensten statt. „Die sich daraus ergebenden Maßnahmen werden zur Vorbereitung auf eventuelle Szenarien koordiniert und abgearbeitet“, sagt Bange. Dabei kam unter anderem heraus, dass bei einem länger andauernden Stromausfall derzeit die Kommunikation der Katastrophenschützer gefährdet sein könnte. Kurzfristig sollen daher Satellitentelefone beschafft werden. Die Bevölkerung soll im Falle eines längerfristigen Stromausfalls über Radio und Lautsprecherdurchsagen informiert werden.

Thomas Wiede, Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, erwartet für den Winter eine „äußerst angespannte Versorgungssituation.“ Mit drei weiteren Netzbetreibern hat Amprion vor wenigen Wochen einen Stresstest durchgeführt. „Mit einem Blackout, also einem unkontrollierten Zusammenbruch des europäischen Stromnetzes über einen längeren Zeitraum, ist selbst auf Basis des schlechtesten der untersuchten Szenarien nicht zu rechnen“, sagt Wiede. Allerdings könne es zu sogenannten Lastenunterdeckungen kommen. In diesem Fall stellen die Netzbetreiber kontrolliert und für einen „kurzen Zeitraum“ regional begrenzt den Strom ab, um das gesamte Stromnetz zu stabilisieren und damit einen echten Blackout zu verhindern. Wo der Strom abgestellt würde und wie lange, könne man derzeit seriös nicht beantworten, sagt Amprion-Sprecher Wiede. Er begrüßte die Bemühungen der Bezirksregierungen und der Kreise, sich „auf eine besondere Lage“ vorzubereiten.

Um das Stromnetz auch im Krisenwinter und bei einer möglichen Dunkelflaute stabil zu halten, hatten die vier Netzbetreiber als Ergebnis des Stresstests unter anderem den Streckbetrieb der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke (AKW) über den 31. Dezember hinaus empfohlen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will stattdessen alle AKW abschalten und nur zwei der drei Kraftwerke in Reserve halten. „Das ist eine politische Entscheidung, die wir zur Kenntnis nehmen. Aus unserer Sicht ist der Streckbetrieb weiterhin notwendig“, sagt Wiede.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat online einen Ratgeber veröffentlicht zum Thema „Vorsorgen für den Stromausfall“. Dort heißt es: „In der Regel werden Stromausfälle in wenigen Stunden behoben. Aber es kann in Notsituationen durchaus auch einmal Tage dauern, bis der Strom wieder verfügbar ist.“ Für diesen Fall sollten sich die Bürger vorbereiten. Und zwar laut Bundesamt so:

. Wer einen Kamin oder Ofen hat, sollte einen Vorrat an Kohle, Briketts oder Holz angelegt haben.

. Auch mit warmer Kleidung und Decken lässt sich die Heizung eine Zeit lang ersetzen. Wählen Sie möglichst einen Raum zum Aufenthalt und halten Sie die Türen geschlossen.

. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für alternative Lichtquellen, wenn die Stromversorgung ausfällt. Taschenlampe: batteriebetrieben (mit Ersatzbatterien), solarbetrieben, Kurbeltaschenlampe oder LED-Leuchten, Kerzen und Streichhölzer oder Feuerzeuge, Camping- oder Outdoor-Lampen: batteriebetrieben (mit Ersatzbatterien), LED-Leuchten oder Petroleumlaternen. Es herrscht Brandgefahr. Nutzen Sie wenn möglich feuerfeste Gefäße, bei Kerzen beispielsweise Windlichter, um die Brandgefahr zu reduzieren.

. Kleinere Mahlzeiten können Sie auf einem Campingkocher zubereiten. Oder nutzen Sie, wenn Sie einen Garten oder einen Balkon haben, einen Garten- oder Tischgrill, der mit Holzkohle oder Gas betrieben wird.

. Achten Sie darauf, dass die Akkus an Laptops, Mobiltelefonen, Telefonen etc. geladen sind, oder halten Sie geladene Ersatzakkus bereit. Solarbetriebene Batterieladegeräte oder Powerbanks können bei Stromausfall eine Hilfe sein.

. Denken Sie daran, Bargeld zur Verfügung zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren.

. Halten Sie ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio bereit, damit Sie bei einem langanhaltenden Stromausfall Mitteilungen der Behörden verfolgen können.

. Legen Sie einen Vorrat an mit Lebensmitteln für zehn Tage. Das BBK hat folgende Liste für den Notvorrat veröffentlicht (pro Person).

. Getreideprodukte, Kartoffeln, Brot: Vollkornbrot: 714 g, Zwieback: 286 g, Knäckebrot: 714 g, Nudeln, roh: 357 g , Reis, roh: 179 g, Hafer-/Getreideflocken: 536 g, Kartoffeln, roh, geschält: 714 g

. Hülsenfrüchte, Gemüse: Bohnen in Dosen: 571 g, Erbsen/Möhren in Dosen: 643 g, Rotkohl in Dosen/Gläsern: 500 g, Sauerkraut in Dosen: 500 g, Spargel in Gläsern: 286 g, Mais in Dosen: 286 g, Pilze in Dosen: 286 g, Saure Gurken im Glas: 286 g, Rote Bete: 286 g, Zwiebeln, frisch: 357 g

. Obst: Kirschen im Glas: 500 g, Birnen in Dosen: 179 g, Aprikosen in Dosen: 179 g, Mandarinen in Dosen: 250 g, Ananas in Dosen: 250 g, Rosinen: 143 g, Haselnusskerne: 143 g, Trockenpflaumen: 179 g, Frischobst (Apfel, Birne, Banane, Orange): 714 g

. Eier, Fisch, Fleisch: Thunfisch in Dosen: 107 g, Ölsardinen in Dosen: 71 g, Heringsfilet in Soße, Konserve: 71 g, Corned Beef in Dosen: 179 g, Bockwürstchen im Glas/Dose: 214 g, Kalbsleberwurst im Glas/Dose: 214 g, Dauerwurst (z.B. Salami): 257 g, Eier: 8 Stück / ca. 379 g

. Fette, Öle: Butter oder Margarine: 179 g, Öl (Maiskeim, Sonnenblumen): 0,214 l

. Milchprodukte: H-Milch mit 3,5 % Fett: 2 Liter, Hartkäse: 500 g

. Getränke: Wasser: 20 Liter (2 Liter pro Person und Tag), Zitronensaft: 0,14 l, Kaffeepulver: 179 g, Schwarzer Tee: 89 g

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