In Santo Domingo

Warum in der "Dom Rep" viele Autos mit MK-Kennzeichen rumfahren

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Verkäufer Angel verlangt 600 Pesos (zwölf Euro) für das nachgeprägte Schild aus dem Sauerland.

Lüdenscheid - Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Oder eben doch. Zum Beispiel, dass in Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, Autos mit MK-Kennzeichen herumfahren.

MK-Autoschilder aus dem Sauerland erfreuen sich derzeit genau 7753 Kilometer Luftlinie und knapp zehn Flugstunden entfernt großer Beliebtheit. In Santo Domingo können nicht nur Gebrauchtschilder mit dem märkischen Kennzeichen in Souvenirläden gekauft werden, sondern auch deren Nachprägungen.

Wer sein Auto mit einem der speziellen, „Placa“ genannten, Nummernschilder durch den wuseligen Verkehr der Karibikmetropole mit ihren fast vier Millionen Einwohnern steuern will, greift also entweder zum Original – oder er kann darauf warten, dass ihm ein blitzsauberes Nummernschild an den Kühlergrill seines Fahrzeugs montiert wird. „In eineinhalb Stunden ist es fertig“, bestätigt Eddy von der „Fahrzeugverschönerungs-Werkstatt“ Auto Adorno Ericson die Prägung einer „MK – Y 128“-Placa.

Ausländische Kennzeichen groß in Mode

Möglich ist dies durch ein Gesetz, das seit mehr als einem Jahrzehnt nur noch ein Heckschild am Fahrzeug vorschreibt und Um- und Anmeldungen von Kfz verbilligen sollte. Aber nicht nur böse Zungen behaupten, dahinter habe die Werbeindustrie des zweitgrößten Karibiklandes gestanden, denn Autos seien eine ideale bewegliche Werbefläche.

Pfiffig interpretierten die Autofahrer die Gesetzesregelung in ihrem Sinne. Sie „schmückten“ ihre Fahrzeuge zunächst mit Schildern, die sie als Diplomaten, Brigadegeneräle, Polizeioffiziere oder Parlamentarier kennzeichneten – in der Hoffnung, aufgrund dessen nicht angehalten zu werden und sich nicht mit Zusatzzahlungen an die Verkehrspolizisten freikaufen zu müssen. Dem hat aber inzwischen eine Verwaltungsregelung der Verkehrspolizei einen Riegel vorgeschoben.

Nachdem eine Zeitlang amerikanische Fahrzeuge Schilderwerbung für japanische oder chinesische Autos oder deutsche Nobelkarossen für koreanische fahrbare Untersätze fuhren, sind jetzt ausländische Autokennzeichen groß in Mode gekommen. Heiß geliebt sind die deutschen Exemplare mit der blauen Europaflagge und dem D-Buchstaben.

"MK – Y 128“-Schild in der Karibik

„Deutsche Kennzeichen sind in“, erzählt Autohändler Daniel. „Die Fahrer wollen zeigen, dass sie einen Importwagen fahren.“ Es riecht nach großer, weiter Welt, glaubt er. Auch wenn die Spur des originalen „MK – Y 128“-Schildes in der Bergstadt und dessen Gültigkeit im Oktober 2011 endet.

Taxifahrer Pepin kann dem nichts abgewinnen. „Geldverschwendung“, findet er. „Das sind Angeber“, sagt Papin und zeigt auf ein blankgeputztes englisches Nummernschild an einem Fahrzeug, das aufgrund seines äußeren Zustandes mehr einer Schrottkarre ähnelt. In Lüdenscheid käme sie noch nicht einmal in die Nähe der Zulassungsstelle, weil sie unterwegs schon wegen des fehlenden rechten Scheinwerfers und des Spinngeweberisses in der Windschutzscheibe stillgelegt worden wäre.

Vermutlich weiß der Fahrer eines grünen SUV mit wulstigem Frontschutzbügel als Kuhfänger auf der entgegenkommenden Spur nicht, dass sein „ausländisches“ Nummernschild „W2B 7V63“ vorne am Chassis ein „Webcam to Background“-Kommando plus einen Batteriewert symbolisiert.

Beliebt sind aber auch Kennzeichen mit MY für Mayen und PS-Nummern aus Pirmasens. Dass das Rüdesheimer „RD“ es den Kraftfahrern angetan hat, ist verständlich: denn im Spanischen heißt es „República Dominicana“ (RD). Das Sauerland macht dazwischen eine gute Kennzeichenfigur. Und hat sich dank der Kennzeichenpräger kräftig vermehrt. Schließlich liefert die Original-„MK– Y 128“-Placa eine ideale Vorlage.

1600 dominikanische Pesos, knapp 28 Euro, kostet in „farbigem Metalldruck mit Reliefbuchstaben das märkische Zeichen mit D-verzierten Europaflagge, inklusive eines aufgedruckten Zulassungsstempels und einer TÜV-Plakette. In der Altstadt von Santo Domingo wartet MK – Y 128 mit sichtbaren Gebrauchsspuren noch auf einen Käufer. „600 Pesos“, ein 12-Euro-Schnäppchen, meint Verkäufer Angel, der weder weiß, dass das Schild aus Deutschland stammt, noch, was der Märkischen Kreis ist.

400 Meter weiter in der touristisch belebten Fußgängerzone lässt sich der Preis für das gleiche nachgeprägte Nummernschild in besserem Zustand um ein Drittel herunterhandeln.

Hans-Ulrich Dillmann

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