April: Thomas Nockemann

LÜDENSCHEID ▪ Er bezeichnet seine Leidenschaft mit einem Lächeln als Randsportart. Dazu ein paar Erklärungen: Seine Paradedisziplin ist das Cadre 71/2. Sein Dress besteht unter anderem aus gebügeltem Hemd mit Weste und Fliege am Hals. Sein Stock heißt Queue.

Und in der Bestenliste der erfolgreichsten deutschen Billardkünstler liegt er mit 44 Einzel- und Mannschaftstiteln an der Spitze. Thomas Nockemann (39) ist der Lüdenscheider des Monats April.

Ausprobiert hat er als Jugendlicher unter anderem Fußball. Und Judo. „Aber das war überhaupt nix“, sagt der Justizangestellte. Papas Fußspuren führten 1987 zum BC 61 Lüdenscheid, der ein Vereinsheim an der Honseler Straße unterhielt. Und: „Ich wurde schnell besser.“ Das verdankte er seinem Talent und diversen einwöchigen Lehrgängen. Thomas Nockemann wechselte nach Marl, wo er ein Jahr in der 1. Bundesliga spielte. Seit 14 Jahren gewinnt er für den DBC Bochum. „Der ist in Deutschlands Billard-Szene so populär wie der FC Barcelona für spanische Fußballfans.“

Mit einem Unterschied: „Barca“ hat jüngst verloren, der DBC mit Thomas Nockemann hat schon wieder gewonnen. Diesmal, Mitte April, die Playoffs der Deutschen Mannschaftsmeisterschaften. „Das muss man sich erarbeiten“, sagt der 39-Jährige. „Das kommt nicht automatisch.“

Und so trainiert er zwei bis zweieinhalb Stunden täglich – meist recht einsam, zu Hause an seinem Turniertisch, eine glatte Tonne schwer. Und hält sich mit lockerem Laufen als Ausgleichssport fit. Denn wer glaubt, Billard sei ein Altherrensport und lediglich mental anspruchsvoll, ahnt nichts von den Rückenschmerzen der Kugelkünstler, die durchweg gebückt nach Größe streben.

Darin – und in der Fähigkeit, bei der Partie psychologische Vorteile durch unbewegtes Pokerface zu erringen – zählt Thomas Nockemann mit seinen 1,72 Metern Körperlänge zu den ganz Großen seines Sports. Davon zeugen unter anderem zwei Europameister-Titel und ein 4. Platz bei der WM. Und ohne Zweifel ist er damit der erfolgreichste Sportler Lüdenscheids – und ein Vorbild, nicht nur für Anhänger der Kunst mit dem Queue.

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