Bildungspaket kommt für viele Lüdenscheider zu spät

Schulkinder brauchen viel – doch aus dem Bildungspaket werden viele Eltern bis zum Schulbeginn am Mittwoch dafür noch nichts erhalten, obwohl ihnen die Leistungen zustehen.

LÜDENSCHEID ▪ Zum Schulbeginn am kommenden Mittwoch statten Eltern auch in Lüdenscheid jetzt ihre Kinder aus. Von Schulbüchern über Turnzeug bis hin zu Stiften und Heften ist dafür viel zu bezahlen. Für Empfänger von Hartz-IV-Leistungen oder Wohngeld soll das neue Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) dafür aufkommen – auf Antrag. Doch während das Jobcenter MK mit seinen Anträgen aus dem Hartz-IV-Bereich weit fortgeschritten ist, hakt es bei der Stadt als Wohngeldstelle gewaltig.

So ist der Großteil der 680 BuT-Anträge, die Lüdenscheider Wohngeldbezieher für ihre Kinder bei der Stadt stellten, immer noch nicht zur Bearbeitung beim zuständigen Märkischen Kreis. Das bestätigte auf LN-Anfrage der Lüdenscheider Sozialamtsleiter Karl-Heinz Burghof. Denn das Land NRW habe die Order, alle im Rathaus eingereichten BuT-Anträge an den Kreis weiterzuleiten, erst kurz vor Ferienbeginn erlassen, als auch im Sozialamt die Haupturlaubszeit begann. Zugleich wurde vereinbart, nur vollständige Anträge an den Kreis zu schicken. Das Herbeischaffen aller fehlenden Unterlagen aus den Familien sei aber mit weniger Leuten nicht mehr rechtzeitig zu erledigen, erklärte Burghof. Sein Amt ziehe daher bereits die Versendung der dringlichsten Einzelanträge zum Schulbedarf vor.

Trotzdem bedeutet das für viele Lüdenscheider Eltern: Sie erhalten die Leistungen nicht mehr vor dem ersten Schultag, müssen sie also vorstrecken oder Verwandte und Freunde um Hilfe bitten. Über den Fall einer allein erziehenden Mutter dreier Kinder, die ihre Anträge bei der Stadt schon vor vier Monaten stellte, berichteten die LN bereits.

Stinksauer über die Organisation des Bildungspakets ist Bürgermeister Dieter Dzewas: „Wir haben immer gefordert, die Kommunen mit Pauschalen auszustatten, statt jeden Einzelfall zu bearbeiten, wie es jetzt geschieht. So ist das Bildungspaket das größte Bürokratie-Monster seit Jahren – zu Lasten derjenigen, die es am dringendsten brauchen.“

Beim Kreis spannt man inzwischen zusätzliche Kräfte aus allen Verwaltungsbereichen ein, um entscheidungsreife Anträge aus den Städten noch vor dem Schulbeginn am 7. September zu bearbeiten. Die bisher bewilligten Anträge machen aber erst ein Sechstel von kreisweit gut 3000 aus. Neben den noch unvollständigen Papieren in den Rathäusern ist ein großes Problem auch, dass viele Eltern zwar Anträge zum Schulbedarf, aber nicht (oder noch nicht) die vorher nötigen Anträge auf Wohngeld oder Kinderzuschlag gestellt haben. Ohne die kann es aber keine BuT-Leistung geben.

Beim Jobcenter dagegen, das die Bildungspaket-Anträge von Familien im Hartz-IV-Bezug schon seit Monaten bearbeitet, ist man laut BuT-Koordinatorin Andrea Schönfeld fast durch. 3323 Anträge gingen hier aus dem ganzen Kreis ein – 687 aus Lüdenscheid. Von denen seien 542 vollständig gewesen. 441 der Lüdenscheider Anträge wurden bewilligt, 92 abgelehnt, neun stehen noch aus. Für die Mittagessen erwartet Andrea Schönfeld aber noch eine „rasante Steigerung“ nach dem Schulbeginn.

Bisher ging es für das Jobcenter kreisweit 1048 Mal (in Lüdenscheid 230) um Mittagessen in Schule und Kita. 719 Anträge gab es auf Zuschüsse für Klassenfahrten, davon 159 aus Lüdenscheid. 370 (66) Anträge gab es auf eintägige Schul- und Kita-Ausflüge. 740 Vereinsmitgliedschaften wurden beantragt, davon 159 in Lüdenscheid. Für Schulbedarf, also Hefte, Stifte etc., erhielt die Klientel des Jobcenters – anders als Wohngeldempfänger – im August 70 Euro zusätzlich. Ohne Antrag.

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