Porträt eines Lüdenscheider Apothekers

Ein Bild von Franz Nölken aus Hamburg fürs Virtuelle Museum

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Dieses Porträt, das Frank Nölken von Hermann Moorss gemalt hat, wurde für „Weimar in Lüdenscheid“ aus dem Depot geholt.

Lüdenscheid – Der neue Beitrag zum Virtuellen Museum ist ein Beispiel dafür, dass Stücke aus dem umfangreichen Fundus der Lüdenscheider Museen immer wieder in Sonderausstellungen gezeigt werden. Es handelt sich um ein Porträt des Lüdenscheider Apothekers Hermann Moorss (1865-1934), das derzeit in der Ausstellung „Weimar in Lüdenscheid“ zu sehen ist. Gemalt wurde es 1912 von dem Hamburger Künstler Franz Nölken (1884-1918).

Herrmann Moorss hatte seine Ausbildung zum Apotheker 1893 in Essen-Kupferdreh abgeschlossen, muss aber bald danach nach Lüdenscheid gekommen sein, denn 1894 brachte seine Frau, die in Lüdenscheid geborene Luise Greul, ebendort Tochter Margarethe zur Welt. Später bekam das Paar noch drei Söhne. 1898 erwarb Moors die Offizin (Werkstatt mit Verkaufsraum) an der Ecke Wilhelm-/Corneliusstraße von August Edmund Keller aus Witten, Inhaber der Reichsadler-Apotheke.

Moors gehörte als Apotheker sicher zu den angesehenen Bürgern der Stadt, auch wenn er jenseits seiner Geschäftstätigkeit im öffentlichen Leben nicht in Erscheinung getreten ist. Er hatte weder öffentliche Ämter inne, noch engagierte er sich politisch. Er war allerdings Mitglied der 1890 als „Altersriege“ des Lüdenscheider Turnvereins gegründeten Hotopriege, die als Gesellschaft von Honorationen des Vereins gilt.

Auch wenn der konkrete Anlass für dieses Porträt nicht bekannt ist, kann es doch als signifikantes Beispiel dafür dienen, dass es für wohlhabende Bürger jener Zeit durchaus ein Statussymbol war, sich malen zu lassen. Franz Nölken war 1912 bereits ein etablierter Künstler, auch weit über Hamburg hinaus. Dass er ausgerechnet in Lüdenscheid malte, resultierte aus privaten Verbindungen: Er war häufig bei Verwandten zu Besuch – seine Mutter, eine geborene vom Hofe, stammte aus der Bergstadt.

Daher ist dieses Bild nicht nur als Beitrag zur Dokumentation der Stadtgeschichte von Bedeutung, sondern auch unter kunsthistorischen Aspekten. Franz Nölken wird als Maler dem Expressionismus zugeordnet und war zeitweise Mitglied der Künstlervereinigung Brücke. Gerade in jüngster Zeit rückt Nölken wieder mehr in den Fokus von Ausstellungen und kunsthistorischen Betrachtungen. 

Mitglied in der Künstlervereinigung Brücke

Als Sechzehnjähriger hatte er die Schule abgebrochen und auf Anraten von Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, die Malschule von Arthur Siebelist besucht. Dieser führte seine Schüler im Gegensatz zur akademischen Ausbildung der damaligen Zeit zum Malen in die freie Natur. Bereits 1903 wurde Nölken in den Hamburgischen Künstlerclub von 1897 aufgenommen. 1904 waren erstmals Werke von ihm in einer Ausstellung von Siebelist-Schülern zu sehen. 

Zu seinen Bekannten zählten unter anderem Edvard Munch, Karl Ernst Osthaus, Christian Rohlfs, Emil Nolde, Anita Rée und der Komponist Max Reger, den er häufig porträtierte. Der Kunstsammler Ernst Rump wurde Nölkens Förderer. Verschiedene Reisen führten den jungen Künstler nach Paris. Dort schloss er sich 1907 dem internationalen Künstlerkreis des Café du Dôme und 1909 der Académie Matisse an. Bereits 1908 war Nölken auf Vorschlag von Karl Schmidt-Rottluff Mitglied der Dresdner Künstlervereinigung Brücke geworden. 1909/10 nahm er an Wanderausstellungen der Brücke teil, zog sich 1912 jedoch wieder aus der Vereinigung zurück. 

Im selben Jahr unterrichtete Franz Nölken in der Malschule von Gerda Koppel in Hamburg. 1916 wurde er dann auch Mitglied des Hamburger Künstlervereins von 1832. 1917, wie viele andere Künstler jener Zeit, zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen, fiel Franz Nölken 1918 kurz vor Kriegsende in La Capelle in Frankreich. 

Nölkens Stil war geprägt von einer Vereinfachung der Bildmittel. Er hatte eine große zeichnerische Begabung und malte daher vorwiegend Personen, aber auch Stillleben und Landschaften. 

Werke von Franz Nölken sind in der Hamburger Kunsthalle, die bereits 1915 eine Arbeit des Künstlers erworben hat, im Brücke-Museum Berlin und im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf ausgestellt. Gerade erst im Februar endete eine Ausstellung im Ernst-Barlach-Haus im Hamburg unter dem Titel „Paris im Sinn – Eine Hommage an den Hamburger Franz Nölken.“

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