Bewusst selbstbewusst den eigenen Weg gehen

LÜDENSCHEID – Die Lebensläufe könnten unterschiedlicher kaum sein. Aber eines verbindet Jana Höllermann, Gabi Krumme und Ursel Schultz: Sie alle sind starke Frauen, die ihren Weg gemacht haben.

Jana Höllermann ist das „Küken“ in der Runde. Mit ihren 23 Jahren ist sie Lüdenscheids jüngste Hausmeisterin – und das aus Überzeugung. „Mir macht diese Arbeit unglaublichen Spaß.“ Die gelernte Tischlerin betreut seit August vergangenen Jahres das Geschwister-Scholl-Gymnasium und das Zeppelin-Gymnasium. Sie sei schon als Kind rebellisch gewesen und habe sich in ihre Angelegenheit nicht hineinreden lassen. So sei es auch bei der Entscheidung gewesen, nach der 10. Klasse das Gymnasium zu verlassen: „Ich wollte nicht mehr zur Schule gehen, sondern endlich arbeiten. Und die Entscheidung für einen handwerklichen Beruf stand sowieso fest.“ Ihre Eltern waren schnell überzeugt. Auch ihr Vater wäre gern Tischler geworden und habe viel Verständnis für sie gehabt. „Meine Mutter wollte und will nur eins: dass ich glücklich bin.“

Ihre Ausbildung absolvierte Höllermann bei der Stadt Lüdenscheid: „Ich musste lernen, einzustecken und auszuteilen. Aber ein Problem hatte ich mit den männlichen Kollegen eigentlich nie.“ Unterstützung erfuhr Höllermann nicht nur von ihren Eltern: „Auch meine Freundinnen sind alle in ‚Männerberufen‘ gelandet.“ Vorbild für junge Mädchen zu sein, ist für Jana Höllermann wichtig: „Beim Girl‘s Day macht es mir Spaß, wenn ich sehe, dass sich die Mädels für meinen Beruf begeistern und plötzlich denken: ‚Mensch, das könnte ich doch auch machen.‘ Hoffentlich macht es auch die ein oder andere.“

Ebenfalls in eine ehemalige Männerdomäne brach Gabi Krumme ein. Die 44-jährige Architektin ist seit 1990 Objektmanagerin bei der Stadtverwaltung und betreute unter anderem den Umbau des Lüdenscheider Rathauses. Ihren neunjährigen Sohn Michel nimmt die alleinerziehende Mutter manchmal mit auf die Baustelle: „Es gibt Tage, an denen ich keine andere Lösung weiß. Aber Michel hat seinen kleinen gelben Helm und fühlt sich richtig toll. Und ich glaube, er ist auch mächtig stolz auf seine Mutter“, lacht Gabi Krumme und erzählt dann, wie wichtig ihre Eltern für ihre eigene Entwicklung waren. Ihr Vater sei Handwerker mit Leib und Seele gewesen und habe sie immer unterstützt. „Meine Mutter war Lehrerin und eine der ersten Emanzen. Für sie war es immer wichtig, dass ich selbstständig und selbstbewusst werde“, blickt Krumme zurück.

Ihre Freundinnen seien anders aufgewachsen: „Wenn am Auto das Ölkannenlämpchen blinkte, riefen sie ihren Vater an. Die wären gar nicht auf die Idee gekommen, das selber in die Hand zu nehmen.“ Kurz vor dem Abitur habe auch sie den Wunsch gehabt, „die Schule zu schmeißen und eine Lehre als Kfz-Mechaniker zu machen.“ Als ihre Eltern ihr versprachen, die Kosten für die Reparatur ihres VW-Käfers zu übernehmen, drückte Krumme weiter die Schulbank: „Mein Auto war mir verdammt wichtig. Damit war ich unabhängig.“

Ganz anders verlief die Kindheit von Ursel Schultz. Im Dritten Reich aufgewachsen lernte die heute 78-Jährige, was Frauen zu tun hatten: „Kinder bekommen und Mutter sein!“ Dieses Rollenbild sei durch den Zusammenbruch Deutschlands erschüttert worden: „Die Männer waren noch nicht aus dem Krieg zurückgekommen. Plötzlich waren die Frauen gefordert. Und sie standen ihren Mann, haben angepackt und Deutschland wieder aufgebaut. Da war keine Rede davon, dass Frauen für solche Aufgaben zu schwach seien“, erinnert sich Ursel Schultz. Die Rückkehr der Männer habe dann so manche Ehe zerstört. „Die kamen mit den starken Frauen einfach nicht klar. Entweder sie gingen oder sie bekamen schwere Depressionen und zerbrachen an ihnen.“

Die folgenden Adenauerjahre seien „rein restaurativ“ gewesen, erinnert sich Schultz. „Die Frauen waren wieder typisch Frau und die Männer die Macher.“ Schultz‘ Erklärungsversuch für diesen Entwicklungsschritt: „Nach den harten Jahren des Wiederaufbaus haben es die Frauen genossen, wieder einmal richtig verwöhnt zu werden.“

Sie selbst absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Weberin. „Ich wollte Textildesignerin werden und brauchte zuerst einmal praktische Erfahrungen.“ Nach ihrer Heirat bekam Ursel Schultz sechs Kinder: „Da war mein aktives Berufsleben natürlich sehr eingeschränkt. Aber ich habe regelmäßig an Wettbewerben teilgenommen. Außerdem ist Design und Schneidern etwas, das man auch im Alltag ganz wunderbar gebrauchen kann. Meine Kinder konnte ich selbst einkleiden.“

Obwohl ihr Ehemann als gelernter Exportkaufmann der „Ernährer“ der Familie war, begegneten sich die Eheleute doch immer auf Augenhöhe: „Ich musste in der Ehe nicht um meine Rechte kämpfen. Mein Mann und ich waren eben immer ein gutes Team.“ In der Erziehung ihrer fünf Töchter achtete Schultz vor allem auf eines: „Sie sollen selbstbewusst ihren Weg gehen und immer darauf achten, das zu tun, was gut für sie ist.“

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