Bewährungsstrafe nach Kindesmissbrauch

LÜDENSCHEID - Wegen siebenfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilte die 3. Strafkammer des Landgerichts Bochum einen Rentner aus Lüdenscheid zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren – setzte die Strafe jedoch zur Bewährung aus. Die letzten Worte des Angeklagten (73) vor der Urteilsverkündung sind kaum zu hören: „Ich kann nichts mehr sagen.“

Von Olaf Moos

Der Mann hat sich auf einem Campingplatz in Datteln an vier kleinen Mädchen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren vergangen. Die Staatsanwältin spricht von „sehr gravierenden Straftaten“. Unter anderem hat der 73-Jährige die Kinder in seinen Wohnwagen gelockt. Der Vorsitzende Richter Johannes Kirfel bezeichnet das Vorgehen des Angeklagten als „teilweise schon recht massiv“. Ein Campinggast überraschte den Nachbarn mit einem Mädchen. Beide waren unbekleidet.

Der Beschuldigte legt am ersten Prozesstag ein volles Geständnis ab und erspart seinen kleinen Opfern damit eine Vernehmung vor Gericht. Diese Einsicht kommt nach dem Geschmack von Rechtsanwältin Andrea Wilhelm aus Recklinghausen, die eines der Mädchen per Nebenklage vertritt, aber reichlich spät. „Zuerst ist er mal auf dem Campingplatz rumstolziert, hat alles abgestritten und versucht, die Kinder zu manipulieren.“

Aber es kommt alles heraus. Die Kinder erzählen, die Polizei ermittelt, die Staatsanwaltschaft klagt an. Nur die Lebensgefährtin des ehemaligen Seemanns ahnt zunächst gar nichts.

Die 71-Jährige sitzt traurig blickend auf dem Zeugenstuhl. Richter Kirfel bittet sie, ihren Partner zu beschreiben. Sie sagt: „Ruhig, geduldig, lieb und nett, immer zuvorkommend.“ Kirfel: „Wie soll es jetzt bei Ihnen weitergehen?“ Die Zeugin: „Ich weiß es nicht.“ Ob es eine Möglichkeit gebe, die Beziehung fortzusetzen, will der Richter wissen. Ihre Antwort: „Ja!“

Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen / Sexualtherapie

Strafverteidiger Peter Seyfried bittet erfolgreich um eine Strafe, die noch zu Bewährung ausgesetzt werden kann. Die Staatsanwältin hat zuvor zwei Jahre mit Bewährung beantragt. Die Mädchen hätten die Taten „zum Glück einigermaßen gut verpackt“, sagt sie. Seyfried sagt, sein Mandant sei geläutert und habe „geheult wie ein Schlosshund“, als er sich seiner Lebensgefährtin offenbarte. Auch im Gerichtssaal rollen dem alten Mann Tränen übers Gesicht. Er darf laut Urteil keinen Kontakt mehr zu Kindern und Jugendlichen haben – und muss eine Sexualtherapie absolvieren.

Im Zuschauerraum verfolgt Dirk Wehner, Mitglied des Motorrad-Clubs „B.A.C.A.A.“, das Geschehen in Rocker-Kutte und mit finsterem Blick. Der Verein engagiert sich nach eigenen Angaben gegen Kinderpornos und -missbrauch. Wehner sagt: „Klassischer Fall. Bei Kindesmissbrauch wird zu oft weggeguckt und geschwiegen. Die Leute gucken eher hin, wenn ein Hund getreten wird.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare