Bewährung für einen jungen Räuber und Hehler

Lüdenscheid - Er ist gerade 19 geworden. Und hat schon ein Kerbholz wie ein alter Verbrecher: Körperverletzung, Diebstähle, Erpressung, Nötigung, Sachbeschädigung, Drogendelikte. Einen Wochenendarrest hat er abgesessen – offenbar kaum beeindruckt. Drei Wochen Dauerarrest folgten, ohne gewünschten Effekt. Nun musste sich der erwerbslose Lüdenscheider abermals vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Er hat sich einen zwei Jahre Jüngeren ausgesucht, einen Schwächeren. Dem lauert er Anfang Dezember vor einer Spielhalle am Rathausplatz auf. „Gib mal dein Handy, ich muss telefonieren!“ Reißt seinem Opfer das Telefon aus der Hand, lässt sich das Passwort sagen und bedroht den eingeschüchterten Jugendlichen. „Sag bloß keinem was, sonst wirst du sehen, was du davon hast!“ Schläge ins Gesicht und eine Drohgebärde mit einem Messer jagen dem Schüler noch mehr Angst ein – sagt er. Der Angeklagte sagt: „Da war kein Messer im Spiel.“

Statt die Sache zu verschweigen, erzählt der 17-Jährige kurz darauf in einer Kneipe am Sauerfeld seinen Freunden davon. Die zitieren den Räuber telefonisch heran, der kommt tatsächlich. Anstelle einer Klärung oder gar der Rückgabe des Handys gibt’s für den Beraubten aber noch eine schmerzhafte Kopfnuss vom Räuber. Der kommentiert die Aktion auf Frage des Richters mit dem Satz: „Ist halt dumm gelaufen.“

Zu allem Überfluss finden Polizisten bei einer Hausdurchsuchung bei dem 19-Jährigen eine verdächtige Tasche. Sie ist gefüllt mit Beutestücken, die aus dem Umkleideraum der Hauptschule Stadtpark stammen, darunter Monatstickets für die MVG, Krankenversicherungs- und Bankkarten, Portemonnaies, Kopfhörer, Stadtbücherei-Ausweise.

Der Richter lässt dem Angeklagten die Wahl: „Selbst geklaut oder als Hehler angekauft?“ Ein kurzes Zögern, dann: „Hab’ ich gekauft.“ Für wie viel? „30 oder 40 Euro.“ Man habe ihm „Kreditkarten versprochen“, sagt er. Staatsanwältin Ina Pawel will Namen. „Immerhin haben die Verkäufer Sie ja beschissen.“ Doch der Angeklagte kneift. „Die sind größer und stärker als ich.“

Räuberischer Diebstahl, Körperverletzung und Nötigung sowie Hehlerei, dafür verhängt das Gericht zehn Monate mit Bewährung und 100 Sozialstunden. Es gilt das Jugendstrafrecht, wegen Reifeverzögerung beim Verurteilten. „Wir meinen, wir können das verantworten“, sagt der Richter. - von Olaf Moos

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