Bewährung für den Dieb vom Sicherheitsdienst

Lüdenscheid - Eigentlich hatte ein 28-jähriger Lüdenscheider einen klaren Auftrag: Er sollte als Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Elektronikmarktes „Saturn“ Diebstähle verhindern. Stattdessen nutzte er seine Position aus, um zwischen Juli und Oktober 2014 immer wieder selber zuzugreifen und teure Smartphones, ein Tablet-PC, eine Festplatte, einen Rasierer, eine Playstation und diverses Zubehör mitgehen zu lassen.

Kurioserweise musste er zunächst selbst Aufzeichnungen von Überwachungskameras begutachten, die ihn als Dieb zeigten. „Ich habe mich selber darauf gesehen und das nicht mitgeteilt.“ Doch letztlich scheiterte der Versuch, das Ganze zu vertuschen.

„Gewerbsmäßiger Diebstahl in sechs Fällen“, lautete gestern der Vorwurf im Amtsgericht Lüdenscheid. Und der mittlerweile 29-jährige Angeklagte zeigte sich umfassend geständig. So stieg sogar die Zahl der Diebstähle von sechs auf neun, weil die Beute zwar gleich blieb, die Diebstahlstaten sich nach Angaben des Angeklagten aber auf weitere Gelegenheiten verteilten. Immerhin war es so viel, dass er den Überblick ein wenig verlor: „Ich weiß das auch nicht mehr genau.“

Insgesamt soll der Verkaufswert der gestohlenen Waren bei bis zu 2350 Euro gelegen haben. Dass der Angeklagte gerade mal ein Drittel dieser Summe beim Weiterverkauf erlöst hatte, veranlasste Richter Andreas Lyra zu einer Bermerkung: „Das hat sich nicht gelohnt, was Sie da getan haben.“ Ganz abgesehen davon, dass der Familienvater sofort seinen Job verloren hatte. Seine Frau sei äußerst ungehalten über solchen Unsinn gewesen, berichtete er: „Ich stand kurz vor dem Rausschmiss.“

Als Grund für die unerlaubten Griffe in die Auslagen und Lagerräume nannte der 29-Jährige finanzielle Engpässe: Seine familiäre Situation mit Frau und Kind sei ihm über den Kopf gewachsen.

Zur Wiedergutmachung verzichtete der Angeklagte bei dem Unternehmen auf sein letztes Gehalt – ein Betrag, der allerdings noch unter der Schadenssumme lag. Richter Andreas Lyra wertete das Vorgehen des Angeklagten als gewerbsmäßigen Diebstahl in neun Fällen und verurteilte ihn schließlich zu einer Haftstrafe von zehn Monaten. Diese wurde ohne weitere Auflagen zur Bewährung ausgesetzt. Positive Auswirkungen hatten dabei das umfassende Geständnis des Angeklagten, die teilweise Wiedergutmachung und seine nachdrückliche Beteuerung, dass so etwas „nie wieder“ vorkommen werde. „Jetzt geht es ein bisschen besser“, versicherte er vor dem Hintergrund eines neuen Arbeitsplatzes.

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