Beute im Wert von 200 000 Euro

LÜDENSCHEID/HAGEN ▪ Eine jugendliche Einbrecherbande soll laut Staatsanwaltschaft Hagen eine Beute von rund 200.000 Euro gemacht haben - bei 14 Einbrüchen innerhalb von knapp zwei Monaten.

Drei Angeklagte aus Lüdenscheid müssen sich seit Montag gemeinsam mit drei weiteren Angeklagten aus Kierspe und Halver vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen verantworten. In unterschiedlichen Besetzungen sollen die Sechs als Bande Einbruchdiebstähle in Lüdenscheid, Halver, Gummersbach und Morsbach begangen haben. Den Gesamtwert der Beute aller 14 Einbrüche bezifferte die Staatsanwaltschaft Hagen auf rund 200 000 Euro.

Zwischen dem 5. September und dem 26. Oktober 2011 brachen die Täter in 14 Privatwohnungen und -häuser ein, wo sie vor allem Schmuck, hochwertige Elektrogeräte und Bargeld erbeuteten. In Lüdenscheid gab es zahlreiche geschädigte Adressen: Vom Hundebrink über die Peterstraße und Im Volksfeld bis zur Ring- und zur Südstraße. In einem Fall entwendeten die Täter einen Fahrzeugschlüssel und flüchteten mit einem Cabrio, das nach einem Unfall schrottreif aufgefunden wurde. Der Geschädigte zeigte sich vor Gericht gestern erstaunlich großherzig: „Die Einbrecher waren sehr ordentlich und haben einiges so abgelegt, dass man es leicht wieder einräumen konnte.“

Einem 21-jährigen Kiersper wird neben den Einbrüchen eine räuberische Erpressung in Lüdenscheid vorgeworfen, bei der das Opfer durch gezielte Faustschläge ohnmächtig geprügelt wurde. Der Täter war erst kurz vor der Einbruchserie von einem mehr als vierjährigen Aufenthalt in einer Jugendstrafanstalt zurückgekehrt.

Am Montag bestätigte er die Erwartung des Vorsitzenden Richters Marcus Teich, dass er nach Aktenlage wohl derjenige sein würde, der „am meisten zu erzählen hat“. Nach dem Prinzip „Bei mir ist nicht mehr viel zu retten“ gab der 21-Jährige die ihm zur Last gelegten Taten einschließlich der räuberischen Erpressung weitgehend zu. „Es stimmt, ich habe ihm ein paar Schläge gegeben. Ich weiß nicht, ob er ohnmächtig war.“ Mit Blick auf die vielen Einbrüche gestand der junge Mann ebenso freizügig „Ja, das war ich“ oder auch, „Ja, da war ich dabei“. Die Richter wunderten sich allerdings über die Mengen an Beute, die der junge Mann in vielen Fällen allein weggeschleppt haben wollte. Sein Ziel vor Gericht nannte er selbst: „Ich werde keine Namen nennen, wer dabei gewesen ist.“ Nur in einem Punkt widersprach der 21-Jährige vehement der Anklageschrift: „Eine Bande war das auf keinen Fall.“

Die zwischen 19 und 24 Jahre alten Mittäter legten gestern Teilgeständnisse ab. Ebenfalls sehr redselig zeigte sich ein 24-jähriger Lüdenscheider, der eine ganze Reihe der angeklagten Taten unumwunden zugab. Erheblich geringer scheinen die Tatbeiträge der weiteren Angeklagten zu sein. Der Prozess wird am Mittwoch ab neun Uhr im Landgericht fortgesetzt. - thk

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