Der „Bettenfritze“ verweigert die Arbeit

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Wollen heute nicht arbeiten: Monika und Peter Neumann schließen ihr Geschäft grundsätzlich am Buß- und Bettag – und müssen heute deshalb nicht ganz so früh raus aus den Federn. J

LÜDENSCHEID ▪ Der Mittwoch, 16. November, ist ja eigentlich ein ganz normaler Tag: Aufstehen, arbeiten, Feierabend. Dass Buß- und Bettag im Kalender steht – das ist für die Arbeitswelt völlig egal. Denn seit 16 Jahren ist dieser als getzlicher Feiertag abgeschafft. Eigentlich. Nur einer, der macht da nicht mit – macht lieber frei.

Es ist ein bisschen so wie bei Asterix und den Römern: Während am Mittwoch die Lüdenscheider ihrer Arbeit nachgehen, bleibt ein einziges Geschäft geschlossen. Der „Bettenfritze“ Peter Neumann sieht es nämlich nicht ein, auf den Feiertag zu verzichten – und dass von Anfang an. „Klar, irgendwie ist es eine kleine Demo“, sagt der Inhaber des Geschäfts Betten Neumann. Aber wer immer in anderer Leute Spuren laufe, der könne niemals führen.

Von Führen kann trotz allem Kampfgeist jedoch nicht die Rede sein – denn niemand zieht mit. „Keiner sonst wagt es“, sagt Neumann. Und das klingt aufrichtig enttäuscht. Er habe sie alle angesprochen, die Nachbar-Geschäftsleute der Werdohler Straße. Es wäre doch toll gewesen, wenn alle mitgemacht hätten.

Und so stehen die Lüdenscheider wieder nur vor seinem Geschäft vor verschlossener Tür. 1995, als der Buß- und Bettag erstmals kein gesetzlicher Feiertag mehr war, habe er sich beim Schließen des Geschäfts schon etwas unsicher gefühlt, räumt der Geschäftsmann ein: „Ich wusste ja nicht, wie die Leute reagieren.“ Nach eigener Aussage sind seine Kunden aber von Anfang an völlig verständnisvoll gewesen. Es sei sogar das ganze Jahr über ein Thema – ständig werde er angesprochen, ob er wieder schließt.

Peter Neumann wollte also ein Zeichen setzen, den Feiertag neu installieren – ist damit aber gescheitert. Der Rebell hat sich dadurch jedoch ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen – und beschert sich und seinen Mitarbeitern einen erholsamen Tag mitten in der Woche. Was macht man denn dann so, wenn man nicht arbeiten muss? „Wir gehen wandern und essen. Das ist unsere Weihnachtsfeier“, sagt Mitarbeiterin Brigitte Hegendorf. Sie ist seit 17 Jahren beim „Bettenfritzen“ angestellt und genießt den Luxus des zusätzlichen freien Tages.

Und auch wenn das eine lustige Aktion ist, so steckt doch auch eine ernstere Botschaft dahinter: „Kultur und Rituale gehen immer mehr verloren, das finde ich schon schade“, sagt Neumann. ▪ Lisa Weber

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